Ausfuhren steigen um 7,9 Prozent
Exportmotor läuft auf Hochtouren

Der deutsche Exportmotor läuft weiter auf hohen Touren. Im Juli wurden Waren im Wert von 62,5 Mrd. € ausgeführt, 7,9 % mehr als ein Jahr zuvor. Saisonbereinigt nahmen die Exporte im Vergleich zum Juni um 3,6 % zu, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit.

HB WIESBADEN. Die Importe stiegen mit 49 Mrd. € im Monatsvergleich um 6,0 % und im Jahresvergleich um 12,5 %. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Anstieg der Exporte im Jahresvergleich um neun Prozent gerechnet.

Damit schloss die deutsche Handelsbilanz mit einem Überschuss von 13,5 Mrd. € ab. Analysten hatten ein Plus von 14,9 Mrd. € erwartet. In der Leistungsbilanz verbuchte Deutschland einen Überschuss von 3,1 Mrd. €.

Der boomende Export ist bislang einzige Stütze des deutschen Wirtschaftswachstum, das Ökonomen und Bundesregierung in diesem Jahr auf 1,5 bis 2,0 % schätzen. Allerdings befürchten einige Volkswirte, dass der Aufschwung der Weltwirtschaft merklich an Fahrt verliert und damit der Export und die Konjunkturerholung in Deutschland abgebremst wird.

Analysten hatten mit einem Anstieg der Exporte im Jahresvergleich um neun Prozent gerechnet und sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Rainer Guntermann, Dresdner Kleinwort Wasserstein:
„Wenn alles andere bleibt wie bisher, scheint es, dass der Wachstumsbeitrag von den Exporten etwas abnimmt. Die starken Importzahlen könnten ein Anzeichen für eine leichte Verbesserung der Binnennachfrage sein. Dennoch muß man im Kopf behalten, dass es sich um nominale Daten handelt. Was die Importe daher ebenfalls in die Höhe getrieben haben könnte, ist der Preiseffekt der teureren Energie. Normalerweise ist dieser Effekt nicht so stark und so sichtbar, aber es könnte bedeuten, dass die Zahl höher ist als die zu Grunde liegende Realität.“

Jürgen Michels, Citigroup:
„Der Handelsbilanzüberschuss ist etwas schwächer als gedacht ausgefallen. Das spiegelt die starken Importe wieder. Im Juli können wir wohl die gestiegenen Preise für Öl oder Rohstoffe wie Metall sehen. Der neue Anstieg der Exporte zeigt, dass die Exportwirtschaft zur Jahresmitte noch sehr stark ist. Das ändert nichts daran, dass im Verlauf des Jahres eine leichte Trendwende nach unten einsetzen wird. Die Zuwächse beim Export werden sich abschwächen. Die Importe würde ich nicht als Folge starker Binnennachfrage interpretieren wollen. Wir haben sicher auch eine hohe Importquote bei den Exporten, da kann es auch zu Lageraufstockungen kommen. Eine monatliche Schwankung sollte man auch nicht überinterpretieren.“

Ralph Solveen, Commerzbank:
„Die Zahlen zeigen, dass der Rückgang im Vormonat nicht das Ende des Exportbooms war. Aber die Importe sind ebenfalls kräftig gestiegen, es sieht also für den Außenbeitrag im dritten Quartal nicht ganz so gut aus wie im ersten Halbjahr. Das ist rein rechnerisch für das BIP nicht so gut. Für den Konjunkturverlauf ist aber entscheidend, dass die Exporte weiter laufen. Die Impulse vom Außenhandel kommen also weiter. Es gibt ein paar Anzeichen dafür, dass die Binnennachfrage etwas besser läuft. Die Inlandsaufträge in der Industrie waren nicht so schlecht, auch der Einzelhandel lief etwas besser. In dieses Szenario passen auch die gestiegenen Importe. Allerdings könnte es auch sein, dass ein größerer Teil dieser Importe aus Vorleistungsgütern besteht, die vor allem in die Exportindustrie gehen.“

Thomas Hück, Hypo-Vereinsbank:
„Das sind monatliche Indikatoren und wir haben die Ferien, die die Werte verzerren. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass im Sommer Lager aufgefüllt werden. Der Importanstieg ist überraschend stark, das stimmt. Das ist aber noch kein Hinweis darauf, dass die Inlandsnachfrage stark gestiegen ist. Ansonsten passt es ins Bild: Wir haben die Erholung der gesamten Wirtschaft nach dem starken Einbruch im Juni. Das ist aber kein Trend, von dem man sagen könnte, die Wirtschaft läuft auf sechs Zylindern, sondern wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass man im Sommer keine Aussagen über die Stärke des Trends machen kann. Wir sind auf die Frühindikatoren angewiesen und hier muss man feststellen, dass diese eine verhaltene Abschwächung andeuten. Damit bleibt alles beim Alten: Die Auftriebskräfte in Deutschland kriegen einen kleinen Dämpfer, ohne dass wir in eine Rezession laufen.“

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