Außenhandel
Osteuropa rettet deutsche Wirtschaft

Das extrem stark gewachsene Außenhandelsvolumen mit den Staaten Mittel- und Osteuropas rettet die deutsche Wirtschaft vor einem stärkeren Abschwung. Die Ausfuhren Deutschlands in diese Länder stiegen im ersten Halbjahr 2008 um 15,6 Prozent auf 84 Mrd. Euro. Dies teilte der Ostausschuss der deutschen Wirtschaft am Donnerstag mit.

BERLIN. Damit legten sie deutlich stärker zu als die gesamten deutschen Exporte, die um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchsen. Die Region von Mittel- und Osteuropa (MOE) ist beim deutschen Außenhandel zudem inzwischen mit einem Gesamtumfang von 153,8 Mrd. Euro deutlich bedeutsamer als der Handelsaustausch mit den USA (59,2 Mrd. Euro), China (43,6 Mrd.) und Indien (6,7 Mrd.) zusammen.

Größter deutscher Handelspartner bleibt weiterhin Polen vor Russland: Nach Polen gingen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutsche Waren im Wert von 20,2 Mrd. Euro (plus 18,2 Prozent), nach Russland für 15,8 Mrd. Euro (plus 23,4 Prozent). In umgekehrter Richtung waren es aus Polen Produkte und Dienstleistungen für 13,1 Mrd. Euro (plus 14,1 Prozent), während aus dem öl-, gas- und metallreichen Russland Waren für 16,8 Mrd. Euro (plus 23,6 Prozent) importiert wurden. Noch stärker als die Exporte nach Russland wuchsen die deutschen Ausfuhren nach Montenegro (plus 63,7 Prozent) und in das noch immer teilweise von Russland besetzte Georgien (plus 51,7 Prozent).

Zugleich leidet Russland inzwischen wirtschaftlich unter dem Krieg im Kaukasus: Allein in der vergangenen Woche wurde nach Angaben der Moskauer Zentralbank so viel Kapital aus Russland abgezogen wie seit Jahren nicht mehr. Russlands Gold- und Währungsreserven reduzierten sich deshalb um 16,4 auf 581,1 Mrd. Dollar. Im Juli waren allein noch 19 Mrd. Dollar an Kapital nach Russland geströmt. Das gab die Zentralbank am Donnerstag in Moskau bekannt.

Außerdem teilte das russische Wirtschaftsministerium mit, dass es mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr auf nur noch 7,5 Prozent rechne. Damit werde die Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Gesamtjahr bei 7,8 Prozent liegen.

Die private Moskauer Alfa-Bank reduzierte ebenfalls am Donnerstag ihre Wachstumsprognose, da die Georgien-Krise die Wirtschaft belaste und die gestiegenen Zinsen die bisher gute Baukonjunktur abschwächten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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