Ausufernde Staatsschulden
EZB warnt vor Konjunktur-Rückschlag

In der gesamten Europäischen Union wird sich das Defizit in diesem Jahr wegen der schwersten Rezession der Nachkriegszeit auf knapp sieben Prozent verdreifachen und 2010 nach Prognose der EU-Kommission bei 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. EZB-Präsident Trichet schlägt bereits Alarm. Die Bundesregierung sieht keinen Grund zu Besorgnis.
  • 2

HB BERLIN/PARIS. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat Defizitsündern in Europa angesichts vielfach ausufernder Staatsverschuldung die Leviten gelesen. „Wer bei der mittelfristigen Konsolidierung der Finanzen nicht glaubwürdig ist, hemmt die Erholung schon jetzt“, sagte der EZB-Chef der Zeitung „Le Monde“ vom Dienstag. Einige Länder seien bereits nahe daran, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, mahnte Trichet. Die Staaten seien aber gehalten, den EU-Stabilitätspakt buchstabengetreu einzuhalten. Das Defizitproblem betreffe nicht nur Frankreich, sondern fast alle Länder.

In der gesamten EU wird sich das Defizit in diesem Jahr wegen der schwersten Rezession der Nachkriegszeit auf knapp sieben Prozent verdreifachen und 2010 nach Prognose der Kommission bei 7,5 Prozent des BIP liegen. Im kommenden Jahr wird nach der Prognose der Europäischen Kommission Bulgarien als einziger der 27 Euro-Staaten den Stabilitätspakt einhalten, der eine Obergrenze für der Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorsieht. Deutschland steht 2010 mit einem erwarteten Defizit von fünf Prozent des BIP noch besser als Frankreich mit acht Prozent Neuverschuldung. Anderen Staaten drohen noch höhere Defizitquoten.

Die Bundesregierung sieht die deutsche Wirtschaft indessen trotz etwaiger Konjunkturrisiken im Aufwind. „Für das Jahresschlussquartal sprechen die vorliegenden Indikatoren für eine Fortsetzung der Erholung“, teilte das Wirtschaftsministerium mit. „Nachfrage und Produktion in der Industrie nehmen tendenziell zu.“ Am Bau wirkten zunehmend die in den Konjunkturprogrammen beschlossenen Investitionen in Infrastruktur und ökologische Gebäudesanierung. Sorgenkind bleibe dagegen der Konsum. „Eine Zunahme der privaten Konsumausgaben ist angesichts der nach wie vor schwierigen Lage am Arbeitsmarkt eher unwahrscheinlich.“

Das Bruttoinlandsprodukt war im dritten Quartal mit 0,7 Prozent so stark gewachsen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Die schwerste Rezession der Nachkriegszeit war bereits im zweiten Quartal nach einjähriger Dauer beendet worden, als die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent zunahm. „Die deutsche Wirtschaft bleibt aber vorerst auf konjunkturstabilisierende Impulse angewiesen“, hieß es. „Ihre Auftriebskräfte sind noch nicht selbsttragend und die Produktionskapazitäten sind noch stark unterausgelastet.“

Auch in der ostdeutschen Wirtschaft gibt es nach Einschätzung des Institutes für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Anzeichen für eine Erholung. Im dritten Quartal sei die Talsohle der Produktion durchschritten worden, teilte das Institut mit. Erste Schätzungen deuteten auf eine Stabilisierung der Wirtschaft im vierten Quartal hin. Laut IWH konnte die ostdeutsche Industrie in den Monaten Juli bis September ihr Umsatzniveau vom zweiten Quartal halten. Ausschlaggebend dafür seien die Exporte gewesen. Unter anderem seien mehr Investitions- und Gebrauchsgüter im Ausland verkauft worden.

Seite 1:

EZB warnt vor Konjunktur-Rückschlag

Seite 2:

Kommentare zu " Ausufernde Staatsschulden: EZB warnt vor Konjunktur-Rückschlag"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • Einschätzung:

    EZb-Präsident Jean-Claude Trichets mich anschließende Meinung.

    Mfg

  • Einschätzung:

    EZb-Präsident Jean-Claude Trichets mich anschließende Meinung.

    Mfg

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%