Bank of England erhöht: EZB hält Leitzins konstant

Bank of England erhöht
EZB hält Leitzins konstant

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz des anhaltenden Euro-Hochs die Leitzinsen konstant. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft in der Eurozone mit Zentralbankgeld bleibt damit unverändert bei 2,0 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit.

HB FRANKFURT/LONDON. Die Zentralbank begründete die Entscheidung zunächst nicht und verwies auf die Pressekonferenz mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ab 14.30 Uhr MEZ.

Die Mehrheit der EZB-Beobachter rechnet mit einer ersten Zinserhöhung im Herbst dieses Jahres oder erst Anfang 2005. Die Konjunkturerholung in der Euro-Zone festigt sich allmählich, während die Inflationsrate von zuletzt 2,00 % weiter sinken sollte. Dazu trägt auch der stärkere Euro bei, der sich allein im vergangenen Jahr um rund 20 % zum Dollar verteuert hat. Nach der fortgesetzten Euro-Rally zu Jahresbeginn haben viele Analysten den erwarteten Termin für eine Zinserhöhung um einige Monate verschoben. Einige Volkswirte halten eine weitere Zinssenkung für möglich, wenn der Euro weiter nach oben schnellen und damit den Aufschwung gefährden sollte.

Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze betragen demnach weiterhin 1,00 % für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,00 % für Übernachtkredite.

Angesichts der kräftigen Konjunkturbelebung in Großbritannien hat die Bank von England (BoE) am Donnerstag den Leitzins erwartungsgemäß um 25 Basispunkte auf 4,00 % angehoben. Damit liegt das Zinsniveau nunmehr doppelt so hoch wie in der Euro-Zone.

Der Inflationsdruck werde trotz der Aufwertung des Pfund in den nächsten Jahren voraussichtlich zunehmen, teilte die Notenbank nach zweitägigen Beratungen ihres geldpolitischen Ausschusses zur Begründung mit. Die Erholung der Weltwirtschaft stehe mittlerweile auf einer breiteren Basis. Die überwiegende Mehrheit von Reuters befragter Analysten hatte mit einer Zinsanhebung in dieser Höhe gerechnet und dies mit zuletzt starken Konjunkturdaten begründet, die auf einen anhaltenden Aufwärtstrend in der britischen Wirtschaft hindeuten. Der Kurs des britischen Pfund legte nach der Zinsentscheidung zum Dollar und Euro zu. Der Aktienmarkt in London verringerte seine Kursverluste etwas.

Die Finanzmärkte erwarten weitere Zinserhöhungen der BoE im laufenden Jahr. Eingepreist ist ein Zinsniveau von bis zu 4,75 % Ende 2004. „Unsere Erwartung ist, dass die Zinsen in stetigem Tempo steigen werden“, sagte Volkswirt Ian Stewart von Merrill Lynch. „Die nächste ist für Mai vorgemerkt.“

Bereits im November hatte die BoE als erste und bislang einzige der weltweit vier wichtigsten Notenbanken - dazu zählen auch die US-Notenbank (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von Japan - mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte die geldpolitischen Zügel wieder angezogen. Davor hatte sich der Leitzins mit 3,5 % auf dem niedrigsten Niveau seit 48 Jahren befunden. Es war die erste Zinsanhebung der BoE seit nahezu vier Jahren.

Mit einem Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent hatte Großbritannien die Euro-Zone im vergangenen Jahr weiter abgehängt. Die deutsche Wirtschaft - die größte in Europa - war 2003 um 0,1 % geschrumpft. Allein im Schlussquartal legte das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) so kräftig zu wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Kommende Woche wird die BoE ihren Inflationsbericht vorlegen. Es wird weithin erwartet, dass die britischen Währungshüter darin ihre Prognosen zum Wachstum und zur Preisentwicklung nach oben schrauben werden. Zuletzt lag die Teuerung mit 1,3 % noch deutlich unter dem BoE-Inflationsziel von zwei Prozent. Zwar wirkt der Kursanstieg des Pfund, das im vergangenen Monat auf ein Elf-Jahres-Hoch zum Dollar gestiegen war, dämpfend auf den Preisdruck, da aus dem Dollar-Raum importierte Waren billiger werden. Dies wird nach Expertenschätzung aber bei weitem wettgemacht durch die Preiseffekte der überraschend starken Binnennachfrage.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%