Bank of England senkt Leitzins
EZB belässt Leitzins bei 2,0 Prozent

Die britische Zentralbank hat am Donnerstag erstmals seit zwei Jahren die Leitzinsen gesenkt. Der Schlüsselzins werde um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent reduziert, teilte die Bank of England in London mit. Demgegenüber hat Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euro-Raum unverändert belassen.

HB LONDON. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld verharrt bei 2,0 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt mit. Die bis vor kurzem lebhafte Diskussion um eine Zinssenkung zur Belebung der Konjunktur hat sich abgeschwächt, da jüngste Wirtschaftsindikatoren aus mehreren Euro- Ländern nach oben zeigen. Experten erwarten nun vielmehr eine Erhöhung der Zinsen, allerdings erst 2006. Zuvor müsse sich die wirtschaftliche Erholung festigen.

Die EZB rechnet damit, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnt. Für höhere Zinsen spricht auch die vom hohen Ölpreis getriebene Inflation, die im Juli in der Euro-Zone auf 2,2 Prozent stieg und damit die Warnschwelle der EZB überschritt.

Die Bankof England begründete ihre Zinssenkung mit einem verlangsamten Wachstum der Investitionen und Konsumausgaben. Zuvor hatte die Notenbank die Zinsen ein Jahr lang nicht verändert. Eine Senkung war angesichts der jüngsten wirtschaftlichen Abschwächung in Großbritannien sowie der schleppenden Entwicklung der Konsumausgaben von Volkswirten weitgehend erwartet worden. Bei der jüngsten Umfrage von Reuters hatten 43 von 47 Volkswirten eine Zinssenkung vorausgesagt. In der Euro-Zone liegt der Leitzins bei zwei Prozent.

Bis August vergangenen Jahres hatten die Währungshüter die Zinsen insgesamt fünf Mal erhöht, um die überschäumenden Konsumausgaben der privaten Haushalte zu dämpfen und die Inflationsgefahr zu mindern. Das gelang ihnen beinahe schon zu gut, wie einige Beobachter meinen. „Die britische Wirtschaft reagiert nicht so, wie es das Geldpolitische Komitee erwartet hat“, sagt Geoffrey Dicks, Chefökonom der Royal Bank of Scotland.

In ihrem jüngsten Inflationsreport spricht die Bank von England zwar noch von einem Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent in diesem Jahr. Unabhängige Beobachter gehen jedoch davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um nicht mehr als zwei Prozent steigen wird. „Verglichen mit Deutschland mag das ein Traumwert sein. Für Großbritannien ist es jedoch ziemlich schlecht“, sagt Dicks. Zumal es nicht der einzige ungünstige Indikator ist: Die Zahl der Anspruchsberechtigten für Arbeitslosenhilfe stieg zuletzt fünf Mal in Folge und das Verarbeitende Gewerbe rutschte in die Rezession. Wichtiger aber ist, dass der für die Wirtschaft wichtigere Dienstleistungssektor schwächelt, und die Hauspreise steigen so langsam wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

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