Bank tagt am Donnerstag
Experten sehen keinen Grund für EZB-Leitzinsänderung

Einer Umfrage bei den leitenden Volkswirten führender internationalen Banken zufolge, dürften die neuen Projektionen der Europäischen Zentralbank (EZB) für Wachstum und Inflation im Euroraum weitgehend denen von Juni entsprechen. Dies berichtet das Handelsblatt vorab aus seiner Montagsausgabe.

FRANKFURT. Die wenig veränderten Wirtschaftserwartungen stützen die an den Finanzmärkten vorherrschende Einschätzung, dass die EZB für längere Zeit keinen Grund zu einer Leitzinsänderung sehen wird. Am Donnerstag veröffentlicht die Europäische Zentralbank (EZB) neue vierteljährliche Projektionen zu Wachstum und Inflation im Euroraum. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die geldpolitischen Diskussionen im EZB-Rat, der ebenfalls am Donnerstag wieder über die Leitzinsen entscheidet.

Die aktuelle Durchschnittsprognose der Bankvolkswirte für die Inflationsrate in diesem Jahr liegt mit 2,1 Prozent exakt auf der gleichen Höhe wie die EZB-Projektion von Juni. Für nächstes Jahr liegt sie mit 1,8 Prozent ein Zehntel höher als die letzte EZB-Projektion, aber immer noch unter der Schwelle von zwei Prozent, bis zu der die EZB Preisstabilität gewahrt sieht. Die vom Handelsblatt befragten Volkswirte sind Mitglieder im EZB-Schattenrat, einem achtzehnköpfigen Expertengremium, das die Geldpolitik der EZB kritisch begleitet. Die Projektionen der EZB weichen in der Regel nur wenig von den Durchschnittsprognosen der Bankvolkswirte ab. Im Juni hatten die Differenzen bei Inflation und Wachstum in keinem Fall mehr als einen Zehntel Prozentpunkt betragen.

Die durchschnittliche Wachstumsprognose der vom Handelsblatt befragten Volkswirte für dieses Jahr liegt mit 1,8 Prozent ein Zehntel höher als die EZB-Prognose von Juni. Dies ist eine Konsequenz des unerwartet kräftigen Wachstums im ersten Halbjahr. Für nächstes Jahr sind die Volkswirte dagegen etwas weniger optimistisch geworden und rechnen nur noch mit 2,0 Prozent Wachstum, gegenüber der letzten EZB-Projektion von 2,2 Prozent. Der Schattenrat empfiehlt der EZB, weiter eine abwartende Haltung zu verfolgen. Mehr als zwei Drittel der Mitglieder stimmten auf der letzten Sitzung für die Empfehlung unveränderter Leitzinsen von 2,0 Prozent. Drei votierten für eine Zinserhöhung, ein Mitglied drängte auf eine Zinssenkung.

"Die Inflationsaussichten sind günstig, während die Weltkonjunktur ihren Gipfel bereits hinter sich haben dürfte", sagte Schattenratsmitglied und Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. "Eine Zinserhöhung ist deshalb keineswegs angezeigt. Vielmehr sollte die EZB bereits sein, nochmals die Zinsen zu senken, falls sich die US-Konjunktur nicht wie erwartet von ihrem Durchhänger im Sommer erholt", forderte Mayer.

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