Bankenaufsicht
Weidmann kritisiert EU-Kompromiss

Der Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisiert den Kompromiss der EU-Regierungschefs zur Bankenaufsicht. Der EZB-Rat sei nicht das optimale Gremium, um über die Schließung einer Bank zu entscheiden, sagte Weidmann.
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BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat den europäischen Beschluss zu einer einheitlichen Bankenaufsicht kritisiert. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass der EZB-Rat das optimale Gremium ist, um darüber zu entscheiden, ob eine Bank geschlossen werden soll oder nicht", sagte Weidmann der "Wirtschaftswoche" laut Vorabbericht vom Freitag. Damit die Unabhängigkeit der Geldpolitik gewahrt bleibe, müssten die Verantwortlichkeiten von Geldpolitik und Bankenaufsicht eindeutig geregelt und abgegrenzt werden.

„Es ist nicht wirklich klar, ob der nunmehr gefundene Kompromiss das leisten kann", sagte Weidmann. Der Beschluss könne allenfalls eine vorübergehende Lösung sein. Die EZB könne eine Geburtshelfer-Rolle einnehmen, bis die Aufsicht perspektivisch aus der Notenbank herausgelöst werden könne.

Die Finanzminister der Europäischen Union hatten sich am frühen Donnerstag darauf geeinigt, dass die EZB von 2014 an mindestens 150 der größten Kreditinstitute in der Euro-Zone überwachen soll. „Man hätte den Kreis der systemrelevanten Banken aus Praktikabilitätsgründen auch etwas enger ziehen können", kritisierte Weidmann.

In der Nacht auf Freitag vereinbarten die 27 Regierungen der EU-Länder zudem, dass bis Juni die EU-Direktiven für einen Abwicklungsfonds für Banken und die Harmonisierung der nationalen Einlagensicherungssysteme in der EU verabschiedet werden. Die bei der EZB angesiedelte neue Bankenaufsicht soll damit das Mittel an die Hand bekommen, marode Banken auch abwickeln zu können.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bankenaufsicht: Weidmann kritisiert EU-Kompromiss"

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  • .....Harmonisierung der nationalen Einlagensicherungssysteme....Der Weg zur europäischen Einlagensicherung ist somit frei. Jetzt ist der letzte Damm gebrochen. Mir kommt es so vor, als wollten die (un)verantwortlichen Politiker einen Bankenrun provozieren. Sind da schon die Papiere für eine Währungsunion in der Schublade der Brüsseler Zockerbande? Die Gelder auf der Bank wären dann wertlos, das Geld unterm Kopfkissen nur noch als Heizmaterial für den Ofen zu gebrauchen. Physisches Gold wird, wie jetzt in Holland bei ABM, nicht mehr an die Eigentümer herausgegeben. Stattdessen erhalten sie Spielgeld in Form von wertlosen Euros. Die Häufung der "Enthüllungen" der letzten Tage sollte einem zu denken geben.

  • Transparenz schafft Vertrauen. Solange die EZB die Unterlagen zum EURO-Beitritt von GR nicht veröffentlicht, betreiben die für mich Hinterzimmerpolitik, welche kein Vertrauen erwarten kann noch verdient hat.

  • Wer war der Knilch den die EU-Mafiosis auf die "Bankenaufsicht" angesetzt haben einen Vorschlag zu erarbeiten?
    Wenn ich mich recht erinnere doch ein Kumpel von Draghi aus Goldman Sachs Zeiten.
    Daran sieht man woher der Wind weht und wohin die Reise geht.

    Momentan ist im Projekt "EU Vereinheitlichung" das Arbeitspaket "Deutschland anpassen" dran.
    Den Rest der EU kann man nicht an Deutsche Leistung anpassen, also was wird gemacht?
    Deutsches Volksvermögen eret einmal vernichten, den Mittelstand ausrotten (der Deutschland ja am Leben und vorne hält), das Bildungssystem zusammenfahren und ordentlich Zuwanderung in die Sozialsysteme.
    So geht die Anpassung an den Rest der EU

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