Bankenverband
Erholung verliert 2010 an Schwung

Deutschlands Wirtschaftsforscher sehen bei allem Konjunkturoptimismus keinen Grund zur uneingeschränkten Freude. Nach anderen Wirtschaftsinstituten geht auch der Bundesverband Deutscher Banken von einem eher gebremsten Wachstum 2910 aus. 2010 werde die Wirtschaft gut anderthalb Prozent wachsen, prognostizierten die Wirtschaftsforscher am Donnerstag.
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HB BERLIN. Die Erholung der deutschen Wirtschaft verliert nach Einschätzung des Bankenverbands im kommenden Jahr an Schwung. Grund dafür seien die beträchtlichen Überkapazitäten. "Der Produktionsmantel der deutschen Industrie ist derzeit zu weit geschneidert", erklärte der Verband am Donnerstag. Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei daher unumgänglich, wenngleich weniger Stellen gestrichen werden dürften, als noch vor ein paar Monaten erwartet.

Der Zuwachs von 0,7 Prozent vom dritten Quartal könne nicht so fortgeschrieben werden. "Die Erholung ist also kein Selbstläufer und wird sich eher holprig und schleppend als dynamisch und gradlinig fortsetzen", schrieb der Verband in seinem Konjunkturbericht. Eine Stagnation oder sogar ein Rückfall in die Rezession sei aus heutiger Sicht aber nicht zu befürchten.

Die Wirtschaftsleistung werde 2010 um gut anderthalb Prozent zulegen, nach einem Minus von fast fünf Prozent in diesem Jahr, sagte der Bundesverband Deutscher Banken voraus. Die Wachstumsraten von Quartal zu Quartal dürften jedoch moderat ausfallen. Einen Grund zur Sorge sieht der Bankenverband in der zunehmenden Staatsverschuldung. "Ohne überzeugende Signale der Finanzpolitik, bei einer verlässlichen wirtschaftlichen Stabilisierung hier entschieden gegenzusteuern, droht das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen Schaden zu nehmen", erklärte er. Das könne in steigenden Kapitalmarktzinsen und einer geringeren Konsum- und Investitionsneigung münden. Der Bund plant für kommendes Jahr eine Neuverschuldung von 85,8 Mrd. Euro - das ist mehr als doppelt so viel wie der vorherige Rekord von 40 Mrd. Euro aus dem Jahr 1996.

Am Mittwoch hatte das Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Konjunkturprognose für Deutschland leicht angehoben, ist aber spürbar vorsichtiger als andere Volkswirte. Die Kieler Forscher rechnen nun für 2010 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent. Im September hatte das IfW noch von einem Wachstum von nur 1,0 Prozent gesprochen.

Obwohl am Mittwoch weitere Institute ihre Prognosen nach oben korrigierten, überwiegen Zweifel am nachhaltigen Aufschwung. So sieht auch das IfW die Konjunktur nach dem schweren Einbruch zwar wieder im Vorwärtsgang, warnte aber gleichzeitig: "Bis ein kräftiger Aufschwung einsetzt, wird jedoch noch Zeit vergehen."

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet eine "eine zögerliche Erholung". Die Experten rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im nächsten Jahr um 1,9 Prozent zulegen wird.

Schon am Dienstag hatten das ifo-Institut und das HWWI ihre Schätzungen angehoben und liegen mit 1,7 beziehungsweise 1,5 Prozent deutlich über der Vorhersage des IfW.

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