Barometer für Mai
Konsumklima bleibt trotz Krise robust

Trotz düsterer Aussichten für die Konjunktur lassen sich die Verbraucher in Deutschland die Kauflaune nicht verderben. Das zeigt das aktuelle Barometer der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Allerdings fordert die Gfk, dass die Maßnahmen aus dem zweiten Konjunkturpaket schneller umgesetzt werden.

HB BERLIN. Für Mai sagen die Marktforscher der Nürnberger GfK ein stabiles Konsumklima vorher. Das Barometer werde bei 2,5 Punkten liegen und damit auf dem Stand vom Frühjahrsbeginn, teilten die Experten am Montag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mit. Dabei sei das Klima weiterhin erstaunlich robust. Allerdings bleibe das Niveau insgesamt eher niedrig, betonte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Deshalb wird die Binnennachfrage in diesem Jahr die schweren Einbrüche bei Export und Investitionen allenfalls etwas abfedern, jedoch bei weitem nicht kompensieren können.“

Die größte Gefahr sei ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit, sagte Bürkl. Zudem dürften die jüngsten düsteren Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute in den kommenden Monaten zu einer erheblichen Belastungsprobe für die Verbraucherstimmung führen.

Derzeit aber stütze die niedrige Inflation sowie Anzeichen für eine wirtschaftliche Trendwende das Konsumklima. Sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen konnten im April zulegen, erklärten die Marktforscher. Der entsprechende Indexwert für die Konjunkturerwartung stieg auf minus 31,2 Punkte nach minus 32,8 Zählern im März. Das Barometer für die Einkommenserwartung legte auf minus acht von minus 11,4 Punkten zu. Neben der relativ niedrigen Teuerung helle auch die angekündigte Rentenerhöhung im Juli die Einkommensaussichten auf, sagte Bürkl. Allerdings beurteilten die Umfrageteilnehmer sowohl die Konjunktur als auch ihre Einkommen deutlich negativer als vor einem Jahr.

Auch die Anschaffungsneigung blieb im April vergleichsweise stabil und sank nur leicht auf 12,4 Zähler von 13,9 Punkten. Dabei spiele neben dem geringen Anstieg der Lebenshaltungskosten auch das Konjunkturpaket der Bundesregierung eine Rolle, sagte Bürkl: Vor allem die Abwrackprämie halte die Konsumenten offenbar bei Laune – zumal auch andere Branchen nun ähnliche Anreize böten.

Die GfK sagt für 2009 einen Anstieg des privaten Verbrauchs um 0,5 Prozent vorher. Der Konsum dürfte daher die starken Einbrüche bei Industrie und Exporten allenfalls etwas abmildern. In ihrem Frühjahrsgutachten sagen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der deutschen Wirtschaft ein Schrumpfen um sechs Prozent vorher – das wäre das mit Abstand größte Minus seit Gründung der Bundesrepublik.

Nach Ansicht von Gfk-Chef Klaus Wübbenhorst müssen die Maßnahmen aus dem zweiten Konjunkturpaket rascher umgesetzt werden. „Das Geld muss schnellstmöglich in den Wirtschaftskreislauf kommen und für Investitionen in Bildung oder Infrastruktur verwendet werden“, sagte er in Nürnberg. Es dürfe nicht sein, „dass monatelang die Mühlen der Bürokratie mahlen“.

Die zügige Umsetzung sei wichtiger als eine Diskussion über ein drittes Konjunkturpaket. Wübbenhorst mahnte zugleich weitere politische Maßnahmen an. „Die Unternehmen brauchen steuerliche Entlastungen“, sagte er. Die Zinsschranke etwa koste die Firmen Geld und könne auf diese Weise indirekt Arbeitsplätze gefährden. Die Zinsschranke beschränkt die Abziehbarkeit von Zinsaufwendungen und soll damit verhindern, dass über konzerninterne Finanzkonstrukte Gewinne künstlich ins steuergünstigere Ausland verlagert werden. Wübbenhorst sprach sich auch für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags aus. „Der Soli gehört weg“, sagte er.

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