Basel III: Bundesbank erwartet hohen Kapitalmehrbedarf

Basel III
Bundesbank erwartet hohen Kapitalmehrbedarf

Die verschärften Eigenkapitalregeln für Finanzinstitute nach Basel III wird in Deutschland zu erhöhtem Geldbedarf hiesiger Banken führen. Dies erklärte die Bundesbank am Montag. Die Notenbank spricht von "bedeutender Höhe", verweist allerdings auch auf den weiten Zeitrahmen.
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HB BASEL/FRANKFURT. Die Banken weltweit werden nach einhelliger Einschätzung mit den strengeren Regeln für die Branche dank großzügiger Übergangsfristen gut fertig werden. Auch an den Märkten fanden die Beschlüsse der internationalen Finanzaufseher zur Erhöhung der Eigenkapitalquoten der Banken am Montag ein positives Echo. Nur die deutschen Landesbanken sehen sich als Verlierer der Reform, die die Institute für Krisen besser wappnen soll. Ihnen brechen in den nächsten Jahren als Folge von „Basel III“ wichtige Teile ihrer Kapitalbasis weg. Den deutschen Aufsehern gelang es, die Genossenschaftsbanken und Sparkassen vor größeren Umwälzungen zu bewahren.

Die schrittweise Einführung der neuen Regeln von 2013 bis 2018 soll es den Banken ermöglichen, mehr Kapital aufzubauen, indem sie Dividenden streichen oder frisches Geld bei Aktionären einsammeln. Im Vorfeld war befürchtet worden, dass das Regelwerk die Kreditvergabe drosseln und damit die Konjunktur abwürgen würde. Die Aufseher und die Bundesregierung erklärten, das sei nicht zu erwarten.

Am Ende der Übergangszeit müssen die Institute ihr Geschäft dann mit sieben Prozent „hartem Kernkapital“ - also Aktien und Gewinnrücklagen - unterlegen. Bisher sind es nur zwei Prozent. Zugleich zählen bestimmte Kapitalbestandteile nicht mehr als Kernkapital, was die Basis des Geschäfts der Banken zusätzlich schmälert.

Der Vorsitzende des Baseler Ausschusses für Finanzaufsicht, der niederländische Notenbankpräsident Nout Wellink, sagte, die Banken brauchten Hunderte Mrd. Euro, um Basel III zu bewältigen. Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler, der für Deutschland in Basel mit am Verhandlungstisch saß, sagte, der Kapitalbedarf werde geringer ausfallen als von Lobbyvertretern zuletzt veranschlagt. Der deutsche Bankenverband BdB hatte für die zehn größten deutschen Institute allein eine Lücke von 105 Mrd. Euro ausgemacht.

Der Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin, die Deutschland im Baseler Ausschuss der Aufseher und Notenbanker vertreten, war es auf der Zielgeraden gelungen, einige Regelungen gegen Widerstand aus angelsächsischen Ländern abzumildern. „Es war ein gut vertretbarer Kompromiss“, sagte Zeitler in Frankfurt. Die Bankenaufsicht BaFin werde in den nächsten Tagen mit den Banken beraten, wie sie die neuen Anforderungen erfüllen könnten.

Die Deutsche Bank ist mit einer 9,8 Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung bereits vorgeprescht. Sie würde die neuen Quoten damit auch nach der Übernahme der sehr schwach mit Kapital ausgestatteten Postbank bereits erfüllen, wie Vorstandschef Josef Ackermann sagte. „Wir sehen, dass die Deutsche Bank sich bereits rüstet, und es werden viele andere folgen“, sagte der Präsident des Privatbankenverbandes BdB, Andreas Schmitz.

Systemrelevante Institute, die das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen könnten, müssen nach Basel III allerdings mit noch höheren Kapitalanforderungen rechnen als andere, wie der Chef des Gouverneursrats des Baseler Ausschusses, Mario Draghi, sagte. In diese Kategorie fällt auch die Deutsche Bank. Über die Höhe der zusätzlichen Puffer entschieden aber die nationalen Aufsichtsbehörden, sagte der bei der Bundesbank für die Aufsicht zuständige Erich Loeper.

Die Landesbanken übten scharfe Kritik. Der deutschen Delegation sei es nicht gelungen, sich für die Besonderheiten des deutschen Bankensystems, insbesondere die Stillen Einlagen, einzusetzen. Die Einigung sei ein „regulatorischer Blindflug“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), Karl-Heinz Boos, der die Landesbanken vertritt.

BdB-Chef Schmitz prophezeite dem Landesbanken-Sektor binnen zwei bis drei Jahren „massive Veränderungen“ infolge der Reform. Für die Landesbanken gelten künftig unterschiedliche Regeln, je nachdem, ob sie als Aktiengesellschaft firmieren oder nicht.

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  • ja wir brauchen Anwälte in den Führungsgremien da sind Dinger abgelaufen was man nur noch als Tatort bezeichnen kann.Hauptsache es blieb genug kohle an klebrige hände hängen.Den Euro kann mann schnell abschaffen zu viel haben zu wenig von euros,sondern nur die lasten des euros die paar reichgewordenen wollen das nur noch schnell hinnauszögern.also nichts neues bei der Lumpenelite

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