Baubranche in Not
Schnee und Frost bremsen Aufschwung

Die Minusgrade der vergangenen Tage wirken sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Vor allem die Baubranche leidet unter Schnee und Frost. Geschäftsreisen verzögern sich ebenso wie der Warentransport. Profiteure der niedrigen Temperaturen sind allerdings die Einzelhändler.
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HB BERLIN. Schnee und Frost könnten den Aufschwung in Deutschland vorübergehend einfrieren. "Der frühe Wintereinbruch hat das Zeug dazu, das Wachstum des letzten Quartals 2010 abzuschwächen", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Besonders betroffen ist der Bau, während Einzelhändler von einer stärkeren Nachfrage nach warmer Bekleidung und Wintersportartikeln profitieren.

"Viele Bauprojekte sind bereits auf Eis gelegt, Geschäftsreisen müssen verschoben werden und der Transport von Gütern wird erschwert", sagte Treier. Welche Folgen ein ungewöhnlich langer, kalter und schneereicher Winter haben könne, habe der Jahresbeginn gezeigt. "Das Wachstum wurde um einen halben Prozentpunkt gedrosselt", sagte Treier. "Aber selbst wenn Schnee und Kälte am Ende ein paar Zehntelprozentpunkte kosten sollten, ändert es nichts daran: 2010 wird insgesamt ein hervorragendes Jahr bleiben."

Die Baubranche klagt über massive Behinderungen durch den frühen Wintereinbruch. "Viele Baustellen liegen brach", sagte der Chefvolkswirt des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann. "Besonders im Tiefbau ist es bei diesen Minusgraden nahezu unmöglich zu arbeiten." Bleibe es bis Weihnachten bei Schnee und Frost, falle der komplette Dezember in der Bilanz aus.

Das trifft die Bauindustrie besonders hart, weil sie in diesem Jahr den Anschluss an den Aufschwung verpasst hat. Selbst bei einem positiven Jahresendspurt bliebe 2010 ein Umsatzminus von ein bis zwei Prozent, klagte Stiepelmann. Zwar brummt der Wohnungsbau, doch dafür halten sich Wirtschaft und öffentliche Hand mit Aufträgen zurück.

Trotz massiver Verkehrsbehinderungen durch Schnee und Eis haben sich die Geschäfte des Einzelhandels nicht geleert. "Die Innenstädte sind voll", sagte die Sprecherin des Branchenverbandes HDE, Ulrike Hörchens. "Wir spüren keinen Rückgang der Kundenfrequenz." Einige Händler profitierten sogar vom ungewöhnlich frühen und harten Wintereinbruch. "Klassische Wintersportartikel vom Schlitten bis zu Skiern werden jetzt stärker nachgefragt", sagte Hörchens. Und im Textilhandel gibt es einen Run auf alles, was wärmt - von gefütterten Stiefeln über dicke Winterjacken bis hin zu Handschuhen.

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