Beatrice Weder di Mauro: "Landesbanken-Restrukturierung droht Stückwerk zu bleiben"

Beatrice Weder di Mauro
"Landesbanken-Restrukturierung droht Stückwerk zu bleiben"

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro sprach mit Dorit Heß und Peter Köhler über die Lehren nach der Lehman-Pleite, das Eingreifen der Bundesregierung und die Gefahr, die von den Landesbanken ausgeht. Bund und Aufsicht, so ihre Kritik, hätten zu spät eingegriffen.
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Handelsblatt: Die Lehman-Pleite liegt jetzt zwei Jahre zurück. Mit „Basel III“ werden die Eigenkapitalvorschriften für Banken strenger – ist das die richtige Lehre?

Die höheren Kapitalpuffer sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein Trippelschritt. In gewisser Weise hat die Regulierung nur nachgezogen, was die Märkte nach der Krise verlangt haben: eine bessere Ausstattung mit hartem Kernkapital. Zudem reicht es nicht aus, nur Einzelinstituten besser abzusichern. Wir müssen das ganze Finanzsystem sicherer machen.

Handelsblatt: Also nochmal ran und nachbessern?

Weder di Mauro: Die zentralen Probleme wurden noch gar nicht angegangen. Es bleibt unklar, wie sich der Staat aus der impliziten Garantie für systemisch relevante Institute zurückziehen kann. Wie geht man mit Banken um, die das ganze Finanzsystem gefährden können? Krisen machen nicht an Landesgrenzen halt.

Handelsblatt: Woran scheitert die übergreifende Aufsicht?

Weder di Mauro: An der fehlenden Bereitschaft der nationalen Aufseher, wirkliche Kompetenzen auf die supranationale Ebene zu übertragen. Die Lösungen werden auf der nationalen Ebene gesucht. Bei den neuen Insolvenzregeln für Banken ist nicht klar, ob sie bei grenzüberschreitenden Fällen angewandt werden. In Europa ist das dramatisch, weil sich viele kleine Länder in einem eng vernetzten Finanzmarkt befinden.

Handelsblatt: Wie groß müssen weltwirtschaftliche Krisen denn noch sein, bis größere Fortschritte erzielt werden?

Weder di Mauro: Das frage ich mich auch. Eine noch größere systemische Krise und noch mehr staatliche Interventionen sind schwer vorstellbar. Zumal solche staatlichen Rettungen auf absehbare Zeit nicht möglich sind.

Handelsblatt: Warum?

Weder di Mauro: Weil sie an wirtschaftliche und politische Grenzen stoßen. Es ist doch undenkbar, dass ein Staatschef sich nochmal vor das Parlament stellt und Mittel in dem erlebten Umfang von zehn bis 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anfordert, um das Finanzsystem zu stützen.

Handelsblatt: Hat die Bundesregierung zu viel interveniert?

Weder di Mauro: Die großen makroökonomischen Strategien finde ich überzeugend. Ganz besonders die deutsche Finanzpolitik ist gelungen – weil sie die Balance gefunden hat zwischen kurzfristigem Impuls und einer glaubwürdigen Bindung auf die langfristige Haushaltsdisziplin.

Handelsblatt: Alles paletti, nichts fehlt?

Weder di Mauro: Doch: Die Antwort der Europäischen Währungsunion auf die Frage, wie wir in Europa künftig mit Staatsinsolvenzen umgehen und wie sie verhindert werden können. Es kann nicht sein, dass die Euro-Zone in zehn Jahren noch nach dem Internationalen Währungsfonds rufen muss. Es wäre ein Versagen der Regierungen, wenn es nicht gelänge der Währungsunion einen funktionsfähigen finanzpolitischen Rahmen zu geben. Deutschland kann gar nicht anders, als dabei eine tragende Rolle zu spielen.

Handelsblatt: Und Zuhause? Hat sich unser System aus den drei Säulen mit Genossen, privaten Banken und Sparkassen bewährt?

Weder di Mauro: Deutschland ist eines der Länder, in dem das Bankensystem hohe Verluste erlitten hat, obwohl es keine einheimische Immobilienkrise gab. Das hat durchaus auch mit den Strukturproblemen zu tun, dass sich deutsche Banken so stark an ausländischen Risiken beteiligt haben.

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  • unbestritten eine scheintote bank, zahlt wieder Riesenboni. Manchmal als "Ueberstundenpauschale", mal als "Stabilisierungszahlung" (wer stabilisiert hier eigentlich wen??) getarnt. Selbst wenn es nur die Verdoppelung eines ohnehin schon fetten 100t Jahresgehalts ist - so wie in weiten bereichen des mittleren Management in der Zentrale - so ist das trotzdem ein Riesenbonus fuers reine Versagen. Und bezueglich harter Arbeit - ein "er hat sich stets bemueht" gabs noch nie eine belohnung.

  • @boxerhandschuh:
    doch, ist er - oder meinen Sie, alle banker verdienen Schwarzgeld - und schön ist auch immer wieder die Ansicht der hier Schreibenden: anscheinend bekommt jeder bankangestellter jedes Jahr Millionen - ich würde sagen: informieren Sie sich mal über die Gehaltszahlungen an die Tarifangestellten der banken - Riesenboni werden daher selten gezahlt (auch wenn die Tarifgehälter ohne Zweifel gut sind, dies soll kein Jammern sein)...

  • Die beurteilung "So lange es dem Staat nicht gelingt, sich glaubwürdig aus den Garantien zurückzuziehen, fehlt die Grundlage für ein gesundes bankensystem." teile ich. Der bankenrettungsfonds ist eine Einladung an die banken, genauso weiter zu machen wie bisher, denn sie haben kein Risiko. Das kann keine dauerhafte Lösung sein. Welche Firma der Realwirtschaft hat einen solchen attraktiven Rettungsschirm? Niemand. Nur eben die "systemrelevanten banken". Es wird höchste Zeit, den Steuerzahler im bankengeschäft außen vor zu lassen. bei den bonizahlungen ist er auch nicht dabei.

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