Beige Book
Fed zeichnet düsteres Konjunkturbild

Die US-Notenbank Fed hat ihren Beige Book genannten Konjunkturbericht veröffentlicht. Demnach stehen die Zeichen für eine kurzfristige wirtschaftliche Erholung schlecht. Eine zunehmende Gefahr für den angeschlagenen US-Bankensektor sieht ein Notenbanker außerdem in Gewerbeimmobilien.

HB WASHINGTON. Von den einzelnen Distrikten der Zentralbank würden die kurzfristigen Aussichten für eine merkliche Aufhellung der Konjunktur schlecht beurteilt, heißt es in dem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Konjunkturbericht der US-Notenbank. Die meisten Regionen sehen eine merkliche Verbesserung nicht vor der Jahreswende 2009/2010.

Der Bericht stützt sich auf Daten, die bis zum 23. Februar erhoben wurden. Demnach sehen zehn von zwölf Distrikten eine zusätzliche Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität in den USA. Lediglich in den Notenbank-Distrikten Philadelphia und Chicago werde die Lage als „weiterhin schwach“ gesehen. Besondere Schwachpunkte sind dem Bericht zufolge die Industrieproduktion und der Immobilienmarkt.

Der Konsum ist in allen Distrikten anhaltend schwach, obgleich viele Regionen im Vergleich zum letzten Bericht eine leichte Verbesserung feststellen. Die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe habe sich weiter abgeschwächt, in einigen Regionen sogar deutlich verschlechtert. Der Immobilienmarkt stagniere weiterhin, lediglich in einigen Bereichen seien leichte Anzeichen einer Stabilisierung zu erkennen. Die Nachfrage nach Krediten habe sich abermals abgeschwächt, während das Kreditangebot nach wir vor angespannt sei.

Der Preisauftrieb hat sich laut dem Beige Book weiter verringert. Die Arbeitslosigkeit sei hingegen in allen Regionen gestiegen. Allerdings hätten Lohnkürzungen der ungünstigen Entwicklung entgegengewirkt. Die Reaktionen an den Finanzmärkten auf den Bericht fielen verhalten aus: Zwar kletterte der US-Aktienindex Dow Jones nach dem Bericht auf sein Tageshoch. Händler führten dies allerdings auf eine Gegenbewegung zu den drastischen Verlusten an den Vortagen zurück.

Gewerbeimmobilien stellen nach Einschätzung eines US-Notenbankers eine zunehmende Gefahr für den bereits angeschlagenen Bankensektor dar. „Die Probleme bei privaten Immobilien sind bekannt. Aber angesichts der anhaltenden Wirtschaftsschwäche achte ich verstärkt auf die Gewerbeimmobilien“, sagte der Präsident der Atlanta-Fed, Dennis Lockhart, am Mittwoch. Ein Verfall der Märkte für gewerbliche Immobilien dürfte weiteren Druck auf die bereits krisengeschüttelten Finanzinstitute und -märkte ausüben. Jedoch sei eine Lösung der Probleme im Finanzsektor wiederum für eine Konjunkturerholung notwendig.

Die Banken haben Kredite für Gewerbeimmobilien im Wert von rund 2,5 Billionen Dollar in ihren Büchern stehen. Dies ist weniger als ein Viertel der Größe des Markts für privates Wohneigentum. Jede weitere Belastung für den Finanzsektor sei jedoch höchst unwillkommen, fügte Lockhart hinzu. „Finanzprobleme bei gewerblichen Immobilien dürften die Anstrengungen zur Stabilisierung des Bankensystems und der Kreditmärkte weiter verkomplizieren“, sagte er. Die Fed hat im Kampf gegen die Finanzkrise den Leitzins bereits auf nahe Null gesenkt und mehr als eine Billion Dollar in die Kreditmärkte gepumpt, um sie am Laufen zu halten.

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