„Beige Book“
US-Konjunkturerholung setzt sich fort

Es geht voran, gemächlich zwar, aber immerhin. Am Mittwochabend wurde der mit Spannung erwartete Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed, das "Beige Book", veröffentlicht. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Wirtschaftslage sich weiter verbessert, wenn auch nicht mit Riesenschritten. Sorgen bereitet nach wie vor der Arbeitsmarkt.
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HB WASHINGTON. Die schwache US-Wirtschaft erholt sich nach Angaben der Notenbank Federal Reserve (Fed) etwas von ihrer tiefen Krise. Acht von zwölf Distrikten hätten eine verbesserten Konjunkturentwicklung seit dem vorigen Bericht vom 21. Oktober verzeichnet, teilte die Fed am Mittwoch mit. Das sogenannte „Beige Book“ der Fed gab wenig Anlass zu der Annahme, dass die Währungshüter ihre Zinsen von dem derzeitigen Niveau nahe Null in absehbarer Zeit anheben könnten.

Gegen den allgemeinen Aufwärtstrend entwickelten sich der Markt für Gewerbeimmobilien und das Baugewerbe nach Angaben der Fed schlechter. Auch die Lage am Arbeitsmarkt bleibe schwach, stabilisiere sich aber und zeige vereinzelte Anzeichen einer Verbesserung. Die US-Wirtschaft hat seit dem Beginn der Rezession im Dezember 2007 7,3 Mio. Jobs gestrichen. Am Freitag legt die Regierung die Arbeitslosenzahlen für November vor. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem deutlichen Rückgang der Jobverluste auf 130 000 von 190 000 im Oktober.

Nach Angaben der Fed berichteten die Banken von konstanter bis schwächerer Kreditnachfrage. Die Verbraucherausgaben, inklusive der Ausgaben für Autos, hätten sich in geringem Maße erhöht, nachdem das Auslaufen der US-Abwrackprämie „Cash for clunkers“ einen Rückgang verursacht habe.

Das Beige Book enthielt wenig Verweise auf eine mögliche Inflationsgefahr. Eine Distrikte hätten zunehmenden Druck auf Rohstoffpreise gemeldet, bei Löhnen oder Fertigwaren sei aber kein signifikanter Preisdruck erkennbar, hieß es. Die Fed hatte sich zuletzt immer optimistischer hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung geäußert. Allerdings bereitet der nach wie vor schwache Arbeitsmarkt den Notenbankern große Sorgen. Deshalb dürfte sich an der Geldpolitik in den USA auf absehbare Zeit auch nichts ändern, da die Fed historisch betrachtet stets erst dann die Zinsen erhöht hat, wenn die Unternehmen wieder Beschäftigung aufbauen.

Fed-Chef Ben Bernanke plagen zudem Zweifel, ob die Stabilisierung der Konjunktur auch nachhaltig ist. Bernanke muss am Donnerstag den US-Senatoren Rede und Antwort stehen. Bei der mit Spannung erwarteten Anhörung geht es zwar vordergründig um Bernankes zweite Amtszeit ab Februar, für die ihn US-Präsident Barack Obama bereits im Sommer nominiert hatte. Da viele Parlamentarier die Fed stärker kontrollieren und in ihren Machtbefugnissen deutlich einschränken wollen, dürfte Bernanke die Gelegenheit nutzen abermals auf die Unabhängigkeit der Zentralbank zu pochen. Erst am Wochenende hatte er mit teils drastischen Worten davor gewarnt, die Fed an die Leine der Politik zu legen.

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