Belgischer Notenbankgouverneur hält für die europäische Zinspolitik alle Optionen offen
Mitglied des EZB-Rats bestätigt abwartenden Kurs

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat offenbar noch keine Anhebung des Euro-Leitzinses ins Auge gefasst. „Die Zinsen können nicht für immer so niedrig bleiben wie zur Zeit“, sagte der Gouverneur der belgischen Zentralbank, Guy Quaden, in einem Interview mit der belgischen Zeitung „L’Echo“.

mak FRANKFURT/M. „Das heißt aber nicht, dass die EZB schon eine Erhöhung der Zinsen programmiert hat.“ Der Hauptrefinanzierungssatz liegt seit Juni 2003 auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,0 Prozent. Der EZB-Rat wird am 2. September wieder über die Geldpolitik beraten. Er wird Quaden zufolge dann anhand aktueller Daten die Perspektiven für Inflation und Wachstum „wachsam“ bewerten. Anders als zuletzt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sieht Quaden für die Geldpolitik wieder alle Optionen offen. „Das wahrscheinlichste Szenario bleibt eine progressive Erholung in der Euro-Zone“, sagte das belgische Mitglied im EZB-Rat. „Sollte diese nicht eintreten, hat die EZB Raum für Manöver.“ Trichet hatte nach der Ratssitzung im Juli keinen Hinweis mehr auf eine weitere Zinssenkung gegeben.

Der hohe Ölpreis ist nach Ansicht von Quaden kein Grund zur Panik. Die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft vom Öl sei in den vergangenen drei Jahrzehnten zurückgegangen. Darüber hinaus mildere der starke Euro die Ölrechnungen ab. Sorge bereiteten die Ölpreise dann, wenn sie zu überhöhten Löhnen führen und eine Lohn-Preis-Spirale auslösen würden, sagte Quaden.

Die Kritik, dass die EZB nicht mehr so transparent sei wie früher, wies der belgische Zentralbankgouverneur zurück. „Die Frage, die sich stellt, ist eher, ob die EZB nicht zu transparent geworden ist“, sagte er. Seit April distanziert sich die EZB von der Verwendung so genannter Schlüsselwörter, die den Märkten eine Orientierung für die Denkweise im EZB-Rat gedient haben.

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