Bemühungen zu Strukturreformen gelobt
Trichet sieht keine Deflationsgefahr in Euro-Zone

Der designierte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sieht weiter keine Deflationsgefahr in der Euro-Zone. Er definiere Deflation nicht als einen kurzen Zeitraum sinkender Preise, sondern als Schrumpfen der wichtigsten Geldmengenaggregate, sagte Trichet der polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ (Dienstagausgabe).

Reuters WARSCHAU. „Glücklicherweise legt die gegenwärtige Situation in Europa keine Deflationsgefahr nahe.“ Von der Gefahr einer Deflation - also einer Abwärtsspirale sinkender Preise und schrumpfender Nachfrage - zu sprechen sei gegen europäische Interessen, fügte Trichet hinzu. Das Interview hatte der Chef der französischen Zentralbank am 15. Juli bei einem Besuch in Warschau gegeben.

Das Wachstum des für die EZB-Zinspolitik relevanten Geldmengenaggregats M3 liegt seit Monaten über dem von der EZB festgelegten Referenzwert von 4,5 %, was die Notenbank allerdings mit nicht-inflationstreibenden Kapitalumschichtungen im Zuge der Aktienmarktschwäche begründet.

Trichet forderte zudem eine Stärkung des Verbrauchervertrauens. „Wir haben echte Probleme, in erster Linie müssen wir so weit wie möglich das Vertrauen von Konsumenten und Unternehmen stärken - beides wichtige Zugpferde für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone.“

Der französische Zentralbankchef wollte sich nicht zu Forderungen äußern, den EU-Stabilitätspakt vorübergehend zu lockern. Allgemein zu Forderungen von Politikern gefragt sagte Trichet aber: „Zentralbanken ignorieren weder Politiker noch die öffentliche Meinung. Vertreter der Europäischen Union nehmen an Treffen des EZB-Direktoriums teil.“

Trichet lobte zudem Bemühungen in Europa zu Strukturreformen. Er wolle niemanden kritisieren. „Was bis jetzt getan wurde ist ein guter Anfang. Wir müssen aber den Bürgern vermitteln, dass Reformen gebraucht werden, weil die Öffentlichkeit solche Veränderungen unterstützt.“

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