Beobachter erwarten, dass die EZB-Ökonomen ihre Inflationsprognose erhöhen
Bundesbank-Chef: „Kein Spielraum für EZB-Leitzinssenkungen“

Bundesbank-Chef Axel Weber hat Spekulationen auf Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) erneut mit deutlichen Worten eine Absage erteilt.

rtr FRANKFURT. „Ich habe immer betont, dass wir angesichts des derzeit sehr kräftigen Preisauftriebs die Option einer Leitzinserhöhung nicht aus den Augen verlieren dürfen“, sagte Weber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagsausgabe) laut Vorabbericht. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Einer Senkung der Leitzinsen, wie sie von zahlreichen Ökonomen Ende des Jahres erwartet wird, erteilte er zum wiederholten Male eine eindeutige Absage. Es bestehe „kein Spielraum für Leitzinssenkungen“. Anfang Juni würden dem EZB-Rat die aktuellen Prognosen der bankeigenen Volkswirte vorliegen. „Das ist dann eine gute Grundlage, über die mittelfristigen Optionen der Geldpolitik zu diskutieren.“ Beobachter erwarten, dass die EZB-Ökonomen ihre Inflationsprognose erhöhen. Sie liegt aktuell bei einem Mittelwert von 2,9 Prozent.

Ungeachtet des jüngsten leichten Rückgangs der Teuerung in der Euro-Zone rechnet auch Weber im Gesamtjahr mit einer Inflationsrate um die drei Prozent. Dass der Teuerungsdruck zuletzt wieder etwas nachgelassen habe, sei auf Sondereffekte zurückzuführen. „In den nächsten Monaten dürfte die Inflation eher wieder etwas höher liegen.“ Er erwarte deshalb, dass die Verbraucherpreise im Euro-Raum unter dem Strich in diesem Jahr um mehr als drei Prozent steigen werden. Nach 3,6 Prozent im März war die Inflationsrate in der Euro-Zone im April auf 3,3 Prozent leicht zurückgegangen.

„Auch für 2009 ist noch keineswegs sicher, dass die Inflation im Jahresdurchschnitt auf das angestrebte Ziel von knapp zwei Prozent zurückgehen wird“, sagte Weber, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Zinsen entscheidet. Erst Ende 2009 dürften die monatlichen Inflationsraten wieder weniger als zwei Prozent betragen. „Für mich ist das dennoch besorgniserregend.“

Entgegen zahlreicher Unkenrufe erwartet Weber in den kommenden Monaten lediglich eine leichte Eintrübung der Konjunktur in Europa. Die Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,9 Prozent im laufenden Jahr in Deutschland sei angesichts des kräftigen Wachstums im ersten Quartal „nach unten abgesichert“. Allerdings werde sich Europa nicht völlig von der Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten abkoppeln können. Das starke deutsche Wirtschaftswachstum im ersten Quartal habe jedoch gezeigt, dass die Wirtschaft diesseits des Atlantiks „deutlich robuster“ sei als die amerikanische.

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