Beobachter: Es kommt im Juni nicht wieder
Das A-Wort sorgt für Verwirrung

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bezeichnet seit April die gegenwärtige Ausrichtung der Geldpolitik nicht mehr als „angemessen“. Nach neun Monaten der Angemessenheit steht die geldpolitische Ausrichtung nur noch „in Einklang“ mit der Preisstabilität. Seit April rätseln Finanzmarktteilnehmer über die Bedeutung dieses Schritts.

HB FRANKFURT/M. „Als ich das Statement las, verstand ich das als Signal, dass eine Zinssenkung näher rücken könnte“, sagt Joachim Fels, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley. „Aber in der Pressekonferenz des EZB-Präsidenten klang es gar nicht so.“ Die Verantwortlichen in der EZB sind sich bewusst, dass die Beobachter jedes ihrer Worte auf die Goldwaage legen und wählen daher die Formulierung zur Beurteilung der geldpolitischen Ausrichtung mit Bedacht. „Die Formulierungsvorschläge kommen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing, werden vorab mit dem Präsidenten besprochen und im EZB-Rat diskutiert", berichtet ein Insider. Eine Ersatz-Formulierung für das A-Wort hatte der EZB-Rat zuvor erst zwei Mal gewählt, im Oktober 2001 und im Mai 2003. Beide Male folgte im nächsten Monat eine Zinssenkung.

Ähnlich bedeutsam ist es, wenn das Wort „angemessen“ ersatzlos entfällt, ohne dass zuvor eine Zinsänderung beschlossen wurde. Zwei Mal folgte dem Wegfall nach zwei Monaten eine Zinssenkung. Ein drittes Mal, im Mai 2002, entfiel das Wort, ohne dass eine Zinsänderung gefolgt wäre. Doch sind sich EZB-Beobachter einig, dass der EZB-Rat im Sommer 2002 eine Zinserhöhung vorbereitete, zu der es aber wegen enttäuschender Wirtschaftsdaten letztlich nicht kam.

Umgekehrt wurde die Bezeichnung „angemessen“ bisher fünf Mal nach vorheriger „Abwesenheit“ neu in die „Einleitenden Bemerkungen“ des Präsidenten aufgenommen. Dem folgte nie früher als nach drei Monaten eine Zinsänderung.

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