Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Deutsche Wirtschaft fasst langsam Tritt

Die deutsche Wirtschaft wird nach Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im kommenden Jahr eine Belebung spüren. Von einem Aufschwung wollen die Konjunkturexperten aber noch nicht sprechen.

HB HALLE. Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,6 % wachsen, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten IWH-Konjunkturprognose. 2005 werde sich das Wirtschaftswachstum dann auf 1,8 % beschleunigen. „Wie nach der Rezession im Jahr 1993 belebt sich jetzt die gesamtwirtschaftliche Produktion dank der anziehenden Nachfrage auf den Außenmärkten.“

Dabei profitiere die Weltwirtschaft von der starken wirtschaftlichen Dynamik der USA, die Euro-Zone stehe dagegen erst am Beginn einer Erholung. Zum Aufschwung in Europa wird nach Ansicht des IWH auch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) beitragen. Allerdings werde die EZB den Leitzins von derzeit zwei Prozent im späteren Verlauf 2004 anheben.

Das Risiko für den Aufschwung in Europa durch einen weiteren rasanten Wertanstieg des Euro zum Dollar hält das IWH für weithin überschätzt. Die jüngste Aufwertung des Euro belaste zwar die Exporte, im kommenden Jahr würde aber die stärkere Nachfrage auf den Auslandmärkten diesen Effekt überlagern.

Deutschland bleibt dem IWH zufolge weiter auf Impulse von außen angewiesen. Die deutschen Unternehmen hätten ihre Investitionszurückhaltung noch nicht aufgegeben, schrieben die IWH-Forscher. Der am Wochenende erzielte Steuer-Kompromiss wird nach Einschätzung des IWH nur einen geringen konjunkturellen Impuls auslösen. Zwar würden die privaten Haushalte nächstes Jahr ihre Konsumzurückhaltung allmählich aufgeben. Der schwache Arbeitsmarkt und die zu erwartenden Leistungskürzungen wegen der zunehmenden Finanzierungsprobleme der sozialen Sicherungssysteme würden aber einem Konsumschub entgegen stehen.

Das IWH bezeichnete den Steuerkompromiss von Regierung und Opposition als „halbherzig“ und kritisierte besonders die geplante Finanzierung. „Privatisierungserlöse oder Neuverschuldung: der beschlossene Steuerreformkompromiss ist größtenteils auf Kosten der Zukunft finanziert“, schrieben die Forscher. Dagegen tragen die Beschlüsse zum Arbeitsmarkt nach Ansicht des IWH zu mehr Wachstum und Investitionen bei.

Für das laufende Jahr erwarten die IWH-Forscher eine Stagnation des deutschen BIP. Andere Institute gehen sogar davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2003 erstmals seit zehn Jahren wieder etwas schrumpfen wird. Für 2004 halten die meisten Volkswirte - wie auch die Bundesregierung - ein Wachstum zwischen eineinhalb und zwei Prozent für möglich.

Das erwartete Wirtschaftswachstum reicht nach Ansicht des IWH 2004 nicht, um für mehr Beschäftigung zu sorgen. Im Jahresschnitt dürften rund 100 000 Stellen verloren gehen. Erst in der zweiten Hälfte 2004 würden die Unternehmen per saldo wohl wieder einstellen. Auch für den Staatshaushalt gaben die Forscher keine Entwarnung: Sowohl 2004 als auch 2005 werde das gesamtstaatliche Defizit mit 3,7 beziehungsweise 3,5 % des BIP über der europäischen Obergrenze von drei Prozent liegen.

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