Bericht der Statistiker
Verschnaufpause beim Export

Die deutsche Wirtschaft hat im Oktober etwas weniger exportiert als im September. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sieht die Bilanz indes weiter positiv aus. Und auch die Analysten beruhigen.

HB WIESBADEN. Mit einem saison- und kalenderbereinigten Volumen von 68,1 Mrd. Euro gingen die Ausfuhren zum Vormonat um 0,6 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die Importe lagen mit bereinigt 55,4 Mrd. Euro dagegen um 3,1 Prozent über dem September-Stand. Banken-Experten warnten davor, dem Export-Rückgang zu viel Gewicht beizumessen. „Das heißt nicht, dass der Exportmotor jetzt ausgeht“, sagte etwa Ralph Solveen von der Commerzbank.

Gegenüber Oktober 2004 erhöhten sich die Exporte um 7,2 Prozent; die Importe lagen um 9,4 Prozent über Vorjahresniveau. Die Leistungsbilanz schloss mit einem Plus von 6,4 Mrd. nach 7,8 Mrd. Euro im Vormonat. Die Handelsbilanz schloss mit 12,2 Mrd. Euro nach 15,0 Mrd. Euro im September ab. Analysten hatten mit einem Handelsbilanzüberschuss im Oktober von 14,3 Mrd. Euro Euro gerechnet.

„Ich würde nicht zu viel in den Rückgang hineinlesen, nachdem die Exporte drei Mal in Folge sehr stark angestiegen sind“, sagt auch Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank. Das Momentum in der Exportwirtschaft sei weiter kräftig, der Außenbeitrag werde im vierten Quartal ordentlich zum Wachstum beitragen. Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim sprach von einem Einmaleffekt: „Im November wird sich die Entwicklung wieder umkehren.“ So sei der Auftragseingang aus dem Ausland gut gewesen. Der Außenhandel werde zwar nicht den starken Wachstumsbeitrag liefern wie im dritten Quartal, aber positiv sein. „Der Außenhandel bleibt eine wichtige Stütze unserer Wachstumsprognose“, unterstrich sie.

Starke Zuwächse zum Vorjahr verzeichneten die Statistiker bei den Ausfuhren in Drittländer außerhalb der Europäischen Union, die um 11,6 Prozent zulegten. Rees sagte, die Wirtschaft profitiere stark von dem hohen Ölpreis, der den Erdölexporteuren Geld in die Kassen spült. Die Opec-Länder und Russland seien für das deutsche Exportwachstum deutlich wichtiger als die USA und Asien zusammen genommen. Kastens pflichtete bei: „Der preisliche Wettbewerbsvorteil der deutschen Unternehmen ist sehr gut und sie profitieren auch noch vom Recycling der Petro-Dollar.“

Der kräftige Anstieg der Importe löste bei einigen Experten Verwunderung aus. Solveen sagte, er könne jedenfalls nichts damit zu tun haben, dass die Inlandsnachfrage angesprungen sei, weil man eine solche Entwicklung sonst nirgendwo sehe. Kastens sagte, der Import-Anstieg spiegele die starke Vernetzung der deutschen Wirtschaft wider, weil zum Beispiel Vorprodukte importiert würden. Mit einem Plus von fast 13 Prozent verzeichneten die Statistiker die stärksten Importanstiege zum Vorjahr ebenfalls aus Drittländern außerhalb der EU.

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