Bericht der Weltbank
Wirtschaft muss 600 Millionen Arbeitsplätze schaffen

Mangelnde Gleichberechtigung, sozialen Unruhe, weniger Wachstum: Der Entwicklungsreport der Weltbank skizziert drastische Konsequenzen, falls in Zukunft nicht genügend neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnne.
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WashingtonDie Weltwirtschaft muss im Zeitraum von 2005 bis 2020 rund 600 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, um neu auf den Arbeitsmarkt kommende junge Menschen zu beschäftigen, die Entwicklung anzuregen, die Stellung der Frauen zu stärken und sozialen Unruhen entgegen zu wirken. Zu dieser Einschätzung kommt die Weltbank in ihrem am Montag vorgelegten World Development Report.

Nach Ansicht der Weltbank sollten Arbeitsplätze für Regierungen oberste Priorität haben. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass vor nicht einmal zwei Jahren der Mangel an Arbeitsplätzen mit dazu beitrug, die Regierungen in Ägypten und Tunesien zu stürzen. Die Auswirkungen über den ökonomischen Bereich hinaus ließen die Schaffung von Arbeitsplätzen zu einem Eckpfeiler für die Entwicklung werden, heißt es in dem Weltbank- Bericht.

“Demografische Verschiebungen, technologischer Fortschritt und die anhaltenden Auswirkungen der internationalen Finanzkrise verändern die Beschäftigungslandschaft weltweit”, schreibt Weltbankpräsident Jim Yong Kim im Vorwort des Berichts. “Länder, die sich diesen Veränderungen erfolgreich anpassen und die Herausforderungen an ihren Arbeitsmärkten bewältigen, können einen dramatischen Zuwachs bei Lebensstandard, Produktivitätswachstum und Zusammenhalt der Gesellschaft erreichen.”

Nach Angaben der Weltbank sind im Jahr 2020 rund 600 Millionen Arbeitsplätze mehr erforderlich als 2005. Ein Großteil davon wird in Asien und südlich der Sahara benötigt. Das US-Statistikamt schätzt die derzeitige Weltbevölkerung auf sieben Milliarden Menschen.

Nach dem schlimmsten Wirtschaftsabschwung seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Arbeitsmarkt in manchen Ländern noch nicht wieder auf das Niveau vor der Krise erholt. Zudem schwäche sich die Weltkonjunktur wieder ab, heißt es in dem Bericht.

Arbeit könne die Vorstellung verändern, die Menschen von sich haben und ihre Beziehungen zu anderen. Das könne positive Auswirkungen haben, etwa wenn der Arbeitsplatz ein Ort ist, an dem die Angestellten mit Menschen anderen Geschlechts oder anderer Ethnien umgehen müssten.

Es könne aber auch negative Folgen haben, wenn es keine Arbeitsplätze gebe, schreibt die Weltbank. Die Jugend wende sich womöglich kriminellen Gangs zu, um dort fehlende Identität und Zugehörigkeit zu finden, die ein Arbeitsplatz bieten könnte.

Es sei eine Aufgabe der Regierungen, diejenigen Jobs zu identifizieren, die nach ihrer Einschätzung für die jeweilige Entwicklung des Landes am wichtigsten sind. Dann habe sie dem privaten Sektor, der weltweit 90 Prozent der Arbeitsplätze stellt, die Anreize zu geben, diese Arbeitsplätze zu schaffen, schreibt die Weltbank. Darüber hinaus liege es in der Verantwortlichkeit der Regierungen, für makro-ökonomische Stabilität und ein günstiges Geschäftsumfeld zu sorgen, einschließlich Infrastruktur.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Das kapitalistische System ist nicht in der Lage, bei den vorhandenen Strukturen in der Wirtschafts-, Finanz-, und Steuerpolitik, nachhaltige zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.
    Der Profit soll in kürzester Zeit dem Finanzsystem wieder zugeführt werden, um die Spirale der Gewinnmaximierung in Bewegung zu halten.
    Die Arbeitskraft ist dabei nur Mittel zum Zweck.

    Solange die Banken beispielsweise in Deutschland Kredite für Firmen nur mit erheblich höheren Konditionen als für den Bau von Eigenheimen vergeben, wird der Mittelstand die zusätzlichen Arbeitsplätze nicht schaffen können.

    Bei der Kreditvergabe durch Banken muss die Ökonomie wieder oberste Priorität haben.

    Wenn der Mittelstand zusätzliche Arbeitsplätze schafft, dann sorgt er dafür, dass es wieder Menschen gibt, die dann Häuser kaufen können.


  • Ist doch einfach. Senkt die Löhne! Dann können die Leute noch weniger kaufen, es muss weniger produziert werden und es gibt als Folge davon mehr Arbeitslose. So kommen wir ganz schnell zu 600 Millionen Arbeitslosen.

    Oder hab ich da irgendwo was falsch verstanden? Man möchte gar nicht so viele Arbeitslose? Ja, dann frag ich mich allerdings warum die Menschen alle immer weniger Netto vom Brutto haben müssen und die Staaten um jeden Oreis "Sparen" indem sie Steuern erhöhen?

  • Nein, ich böser, böser Bürger.
    Wie kann man nur irgendwelche Zahlen in Frage stellen?

    Beim Blick auf die Börsen (nahe Allzeithoch) wird doch klar welche blühende Landschaften wir weltweit haben.

    Wahrscheinlich war das gestern auch nur ein Tippfehler und wir haben keine 20 Millionen Arbeitslose in Europa sondern nur 2 Millionen ...

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