Bericht
IWF zieht Schlüsse aus Kreditkrise

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor den lang anhaltenden Konsequenzen der Immobilienkrise in den USA gewarnt. Allerdings kann der Fonds den Turbulenzen auch durchaus Positives abgewinnen.

WASHINGTON. In seinem jüngsten Bericht zur globalen Finanzstabilität schreibt der Fonds, dass sich der Anpassungsprozess hinziehen werde. Ähnlich äußerte sich auch der Geschäftsführende Direktor des IWF, Rodrigo Rato, am Rande einer Konferenz in Madrid. „Die Entwicklung an den Finanzmärkten korrigiert sich, aber es wird ein langsamer Prozess sein.“

Positiv vermerkt der IWF, dass sich die Turbulenzen zumindest vor dem Hintergrund eines anhaltenden weltweiten soliden Wachstums vollzögen. Zudem seien die Finanzinstitutionen mit genügend Kapital ausgestattet, um die Verluste der Krise auszugleichen. Allerdings, so der scheidende IWF-Chef Rato, sei es noch zu früh, um zu beurteilen, wie sehr die Krise die Wachstumsaussichten dämpfen könne.

Als zentrale Ursache der Misere machen die Autoren des Stabilitätsberichts das Missverhältnis der verwendeten Finanzinstrumente aus. So seien mittel- und langfristige Anlagen mit kurzfristigen Geldern finanziert worden. Dieses Ungleichgewicht habe zu den Unsicherheiten geführt. Auf diese Risiken hatte der IWF bereits in seinem letzten Bericht im April dieses Jahres hingewiesen. Die günstige Weltkonjunktur in der Vergangenheit habe zu einer gewissen Nachlässigkeit und mangelnder Kontrolle der Finanzinstrumente geführt, beklagt der Fonds.

Die anhaltend stabilen Finanzmärkte hätten die Risikoprämien gedrückt, da sich die Akteure auf ein dauerhaft freundliches Konjunkturumfeld verlassen hätten. Als sich die Vorzeichen auf den Märkten drehten, „vergrößerten sich die Verluste noch, weil viele Marktteilnehmer gleichzeitig versuchten, aus ihren Positionen auszusteigen“, schreibt der IWF. Insbesondere auf dem subprime Markt, auf dem in den USA hochriskante Kredite für den Häuserkauf erteilt wurden, hätten sich die Finanzinstitutionen nun aus ihren Engagements zurück gezogen.

Aus der Kreditkrise zieht der IWF mehrere Schlüsse. So müsse in Zukunft sichergestellt werden, dass Marktinformationen besser ausgetauscht werden, um die Risiken angemessen zu bewerten. Reformiert werden müsse zudem die Risikokontrolle, wenn gute Rahmenbedingungen zu Nachlässigkeit verführten. Und ebenso wie zuvor bereits zahlreiche andere Finanzexperten fordert auch der IWF, dass die Arbeit der Ratingagenturen überprüft wird. „Die massiven Abwertungen, die die Ratingagenturen in turbulenten Zeiten vorgenommen haben stellt die Frage nach ihrer Zuverlässigkeit und ihrem Nutzen für den Investor“, kritisiert der IWF. Der Fonds spricht sich für ein viel differenzierteres Bewertungssystem als bisher aus. Das simple Buchstabenrating der Agenturen suggeriere gleiche Risiken, obwohl es sich oft um ganz unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Strukturen handele.

Lobende Worte findet der Fonds für die Emerging Marktes, die ihr Kreditrisiko gut ausbalanciert hätten. Diese aufstrebenden Länder würden häufig sowohl von den insgesamt guten Rahmenbedingungen profitieren wie auch von einer soliden heimischen Politik. Die Auslandsverschuldungen seien reduziert worden und dort wo vorhanden besser strukturiert. Der IWF sieht aber gleichwohl auf manchen Emerging Markets ein zu riskantes Vorgehen von Banken, die sich im Ausland Geld liehen, um es dann wiederum im Inland auszuleihen.

Für die Politik stelle die Bewältigung der Krise nun einen „delikaten Balanceakt“ dar, meint der IWF. Sie müssten ein Rahmenwerk etablieren das eine hohe Kreditsicherheit gewährleiste unabhängig ob die wirtschaftlichen Zeiten gut oder schlecht seien. Dabei dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass Haushalte und Unternehmen in den vergangenen Jahren gut von den neuen Finanzmarktprodukten profitiert hätten.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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