Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte
IWF: Kein Ende der Krise in Sicht

Der IWF sieht keinen Grund zur Entwarnung: Die weltweiten Finanzmärkte sind nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds auch ein Jahr nach Beginn der Krise in schwacher Verfassung. Und vor allem für die USA seien die Aussichten düster.

HB WASHINGTON. Obwohl es Banken gelungen sei, frisches Kapital zu beschaffen, seien ihre Bilanzen nach wie vor Belastungen ausgesetzt, hieß es im aktualisierten Bericht des IWF zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Ein Ende der Immobilienkrise in den USA sei zudem noch nicht in Sicht, hieß es im aktualisierten Bericht des IWF zur Stabilität der globalen Finanzmärkte, der am Montag in Washington vorgelegt wurde. Es wachse die Sorge, dass es zu einer steigenden Zahl von Kreditausfällen auch in Bereichen komme, die bislang davon verschont geblieben waren.

Der Fonds hielt an seiner Prognose vom Frühjahr fest, nach der er Verluste von fast einer Billion Dollar als Folge der Finanzkrise erwartet. Darin enthalten sind fallende US-Immobilienpreise und Hypothekenausfälle, mit Geschäftsimmobilien verbundene US- Wertpapiere sowie Kredite für Verbraucher und Firmen. "Wir glauben, dass diese Zahl weiterhin angemessen ist", sagt der Leiter der IWF-Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte, Jaime Caruana.

"Im Moment ist eine Bodenbildung im Häusermarkt nicht zu erkennen", heißt es in den Bericht. Allerdings gebe es Hinweise, dass durch gestiegene Erschwinglichkeit der Häuser neue Käufer in den Markt kämen, wodurch sich die Preise stabilisieren könnten.

Bilanzprobleme und der Absturz der Bankaktien machten nach den Erkenntnissen des IWF den Geldhäusern zunehmend schwer, sich frisches Geld zu beschaffen. Dadurch gebe es "eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer negativen Wechselwirkung zwischen den Anpassungen im Bankensektor und der Realwirtschaft".

Die Finanzmärkte der Schwellenländer hätten unterdessen die Turbulenzen auf dem Kreditmarkt bislang recht gut verkraftet, stellt der Fonds fest. Jedoch gebe es "klare Signale", dass Investoren zunehmend vorsichtiger werden, neue Positionen einzugehen. Der Abzug von Kapital habe sich bislang auf die asiatischen Märkte konzentriert, wo die Inflation am stärksten angezogen habe und die Wachstumsrisiken außerdem am höchsten seien.

Mit Blick auf die schwer angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac riet der Weltwährungsfonds zu einer "weitergehenden Untersuchung" des Geschäftsmodells und einer verstärkten staatlichen Aufsicht, sobald sich die Märkte beruhigt haben. Der US-Kongress war dem krisengeschüttelten amerikanischen Immobilienmarkt am Wochenende mit einem milliardenschweren Rettungspaket zu Hilfe geeilt.

Das umfangreiche Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Regierung Fannie Mae und Freddie Mac, die hinter mehr als der Hälfte aller US-Hypotheken stehen, im Notfall vor dem Zusammenbruch bewahren kann. Zudem beinhaltet die Vorlage staatliche Garantien für Immobilienkredite in Höhe von bis zu 300 Milliarden Dollar (190 Mrd Euro). Für bis zu 400 000 hoch verschuldete und von Zwangsversteigerung bedrohte Hausbesitzer soll damit eine Umschuldung zu günstigeren Bedingungen möglich werden. Präsident George W. Bush hatte angekündigt, das Gesetz zügig unterschreiben zu wollen.

US-Defizit erreicht offenbar Rekordhöhe

Die Krise wirkt sich auch deutlich auf das US-Defizit aus. Das US-Haushaltsdefizit wird nach Angaben eines hohen Regierungsbeamten in diesem Jahr mit 490 Milliarden Dollar einen Rekordstand erreichen. Ursachen seien vor allem die schwache Konjunktur und das von Präsident George W. Bush aufgelegte Unterstützungsprogramm für 130 Millionen Haushalte.

Das Weiße Haus äußerte sich nicht direkt zu der Rekordsumme. Regierung und Kongress seien sich schon vor Monaten bewusst gewesen, dass sie das Defizit mit Finanzhilfen für die kriselnde Wirtschaft erhöhen würden, sagte Sprecherin Dana Perino lediglich. Das Weiße Haus hatte im Februar von einem erwarteten Defizit von 407 Milliarden Dollar gesprochen.

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