Beschäftigung stieg im April stark an – Volkswirte sehen Konjunktur gestärkt
Analyse: US-Aufschwung erreicht endlich den Arbeitsmarkt

Die konjunkturelle Erholung in den USA springt endlich auf den Arbeitsmarkt über. Das zeigt der starke Anstieg der Beschäftigung im April.

NEW YORK. Die Zahl der Stellen außerhalb der Landwirtschaft legte im vergangenen Monat um 288 000 zu. Das teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag mit. Gleichzeitig korrigierte die Behörde die Schätzungen für die vergangenen zwei Monate um insgesamt 66 000 Stellen nach oben.

„Die längste konjunkturelle Erholungsphase ohne Beschäftigungszuwachs seit dem zweiten Weltkrieg ist vorbei, und ein selbsttragender Aufschwung hat begonnen“, kommentierte Volkswirt Sung Won Sohn von der US-Großbank Wells Fargo die Zahlen. Die Unternehmen hätten neue Zuversicht gefasst und stellten verstärkt Mitarbeiter ein, sagt Sohn weiter.

Die Nachricht stärkt US-Präsident George W. Bush. Bislang galt der flaue Arbeitsmarkt als Schwäche der Wirtschaftspolitik des konservativen Amtsinhabers, der im November gegen John Kerry antritt. Der demokratische Herausforderer begrüßte den Stellenzuwachs, fügte aber hinzu: „Wir haben noch einen langen Weg zurück zu legen, bis ganz Amerika wieder arbeitet.“ Die 288 000 neuen Jobs im April lagen weit über der Analystenprognose von 150 000. Außerdem teilte das Arbeitsministerium mit, dass die US-Arbeitslosenrate im April um von 5,7 % auf 5,6 % gefallen ist.

Viele Volkswirte nahmen die Arbeitsmarktdaten zum Anlasse, ihre Einschätzung der US-Wirtschaft optimistischer zu formulieren. „Ich erkläre den beschäftigungslosen Aufschwung offiziell für tot“, sagte der Chef des Researchhauses Clearview Economics Ken Mayland, „ich glaube, wir sind bei der Beschäftigung jetzt auf einem stabilen Wachstumspfad“. Ein Beschäftigungszuwachs gilt als dringend nötige Voraussetzung, damit die Konsumlust der US-Verbraucher anhält. Der private Verbrauch macht rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Entsprechend positiv werteten Volkswirte das Stellenwachstum für die Konjunktur. „Damit sind in diesem Quartal die Weichen gestellt für ein Wirtschaftswachstum von 4 % aufs Jahr gerechnet“, sagte Cary Leahey von der Deutschen Bank in New York.

 

Laut US-Arbeitsministerium entstanden im April 246 000 neue Stellen im Dienstleistungsgewerbe. Das verarbeitende Gewerbe stellte 21 000 neue Mitarbeiter ein. Im März lag das Plus bei 9 000. Damit hat die Industrie nach einem dreijährigen Niedergang offenbar die Beschäftigungswende geschafft. Die US-Baubranche schuf 18 000 neue Stellen nach einem Zuwachs von 65 000 im März. In den ersten vier Monaten 2004 stieg die Zahl der Stellen in den USA (außerhalb des Agrarsektors) zusammen genommen um 867 000, meldete die Agentur Reuters. In den ersten vier Monaten 2003 hatte die US-Wirtschaft dagegen 195 000 Arbeitsplätze verloren.

Die neuen Arbeitsmarktzahlen bestätigten eine Reihe positiver Konjunkturdaten der vergangenen Wochen. So fiel die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt auf 315 000 – der niedrigste Stand seit 2000.

Trotz der jüngsten Zuwächse dürfte George W. Bush aber der erste US-Präsident seit dem zweiten Weltkrieg sein, in dessen Amtszeit die Beschäftigung insgesamt sinkt. Doch das Job-Minus von jetzt noch 1,5 Mill. Stellen seit Bushs Amtsantritt dürfte weiter schrumpfen. Viele Volkswirte erwarten, dass bis zum Herbst monatlich rund 200 000 neue Jobs entstehen.

Die Kurse der US-Staatsanleihen gingen als Reaktion auf die Daten zurück. Denn mit der Erholung am Arbeitsmarkt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank den aktuell historisch niedrigen Leitzins von 1 % bald erhöht. Die Renditen der Anleihen, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegen, stiegen am Freitag in Erwartung höherer Notenbankzinsen. In den kurzfristigen Geldmarktzinsen spiegelt sich derzeit die Erwartung, dass die Notenbank die Zinsen schon bei der nächsten Fed-Sitzung am 30. Juni anheben wird. Die Aktienkurse gaben nach. Analysten erklärten dies damit, dass Anleihen durch steigende Zinsen als Alternative zu Aktien attraktiver werden. Der Dollar notierte gegenüber Euro und Yen deutlich stärker.

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