Bessere Konsumdaten
Japans Wirtschaft überrascht mit kräftigem Wachstum

Die japanische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2006 stärker gewachsen als bisher angenommen. Die Regierung korrigierte die bisherige Schätzung von 4,8 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestern auf 5,5 Prozent nach oben. Als Grund nannte sie deutlich höhere Investitionen der Unternehmen als erwartet.

TOKIO. Ökonomen rechnen jedoch mit einem baldigen Abflachen der Konjunktur: „Wir halten eine negative Reaktion auf die schnelle Wachstumsrate für unvermeidlich“, sagt Naoki Murakami von Goldman Sachs Tokyo. „Sie liegt weit über dem Potenzialwachstum.“ Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in den drei Monaten von Januar bis März dieses Jahres nicht noch einmal so stark anziehen. Allerdings deuten das Verbrauchervertrauen und die Entwicklung am Arbeitsmarkt auf einen weiteren Aufschwung hin. Murakami erwartet deshalb, dass die private Nachfrage demnächst einen Teil der Rolle der Industrie als Wachstumstreiber übernehmen könnte.

Die besseren Konsumdaten haben Barclays Capital Tokyo auch bewogen, die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2006 anzuheben: Chefökonom Aida Tsukiji erwartet nun statt 2,0 Prozent Plus ein Wachstum von 2,1 Prozent. Der offizielle Wert der Regierung liegt unverändert bei 2,2 Prozent.

Aida schlussfolgert aus den guten Konjunkturdaten, dass Japans Notenbank jetzt eine schnellere Gangart bei der Anhebung des Leitzinses anschlagen könnte. Das wiederum könnte die Investitionslust der Unternehmen wieder zügeln, weil die Finanzierung teurer wird. Der Leitzins liegt mit 0,5 Prozent sehr niedrig.

Nach einem schwachen dritten Quartal 2006 sehen die prozentualen Veränderungen im vierten Quartal besonders deutlich aus, warnt Aida. Angesichts der großen Volatilität in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres werde erst die Entwicklung von Januar bis März 2007 zeigen, wo die Wirtschaft wirklich stehe. Für das Gesamtjahr geht Aida inzwischen von 2,4 Prozent Wachstum aus, 0,2 Punkte mehr als bisher.

Die steigende Zuversicht der Experten für 2007 speist sich aus einer Reihe von Quellen. Japans wichtigster Index für das Verbrauchervertrauen legte im Februar zum zweiten Mal in Folge deutlich zu. Analysten weisen zwar darauf hin, dass die Werte unter denen des Vorjahres liegen. Ökonom Aida erwartet aber für 2007 einen Anstieg der privaten Ausgaben um 2,2 Prozent, nach schwachen 0,7 Prozent im Vorjahr. Das gute Wetter, das dem Einzelhandel das Geschäft mit Wintersachen verdorben hat, könnte sich im Frühjahr als Wachstumstreiber erweisen.

Das steigende Vertrauen der Verbraucher liegt Murakami zufolge an einer besseren Wahrnehmung der Lage auf dem Arbeitsmarkt: „Es gibt kein Anzeichen, dass die Knappheit an Arbeitskräften nachlässt.“ Die sinkende Zahl von Arbeitslosen könnte sich nach Jahren der Zurückhaltung auch in Lohnsteigerungen niederschlagen, die wiederum den Konsum ankurbeln würden. Die Gewerkschaften der Elektronikindustrie beschlossen gestern, mit einer kräftigen Lohnforderung anzutreten.

Die japanischen Großhandelspreise stiegen im Februar um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das gilt als besonders gutes Zeichen: Allen Preisindikatoren kommt in Japan starke Aufmerksamkeit zu, da sich das Land lange Zeit in der Nähe einer Preisabwärtsspirale bewegte. Die Großhandelspreise steigen bereits seit 36 Monaten, obwohl die Ölpreise zuletzt insgesamt nachgaben, wie die Bank of Japan (BoJ) mitteilte. Im Februar hatte ein Anstieg der Preise für Hühnereier einen leichten Rückgang der Benzinpreise ausgeglichen. Der Indexanstieg für Großhandelspreise liege allerdings unter den Erwartungen und verlangsame sich zudem bereits kontinuierlich, warnen die Experten von Goldman Sachs.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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