BGA-Präsident Anton Börner im Interview
„Politiker schüren häufig Ängste“

Anton Börner Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels, sehnt sich nach einer klaren Linie in der Politik. Im Interview mit dem Handelsblatt kritisiert er die Verlängerung des Arbeitslosengelds I und warnt davor, der schwache Dollar werde das deutsche Wirtschaftswachstum bremsen.

Handelsblatt: Herr Börner, die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das nächste Jahr abgesenkt, die Wirtschaftsweisen ebenfalls. Ist der Aufschwung schon wieder vorbei?

Anton Börner: Die weltwirtschaftliche Entwicklung kühlt sich ab, und das hinterlässt natürlich auch Spuren in Deutschland. Vor allem aber habe ich große Sorge, dass die US-Immobilienkrise auf weitere Bereiche wie den Kreditkartenmarkt oder die Autofinanzierung überschwappt und die amerikanische Wirtschaft abwürgt. Noch weiß niemand, wie schlimm die Auswirkungen sein werden. Offenbar gibt es noch erhebliche Risiken, die die Banken bisher nicht offengelegt haben. Hinzu kommt, dass der Inflationsdruck enorm gestiegen ist, so dass die Europäische Zentralbank sicher keinen Spielraum für weitere Zinssenkungen hat, im Gegenteil.

Was bedeuten diese Risiken?

Für das nächste Jahr rechne ich höchstens noch mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass das deutsche Exportgeschäft schwächer laufen wird. Nach etwa zehn Prozent im laufenden Jahr rechnen wir für 2008 mit einem Plus von acht bis neun Prozent. Sollte sich die US-Finanzkreise ausweiten und die Weltkonjunktur weiter dämpfen, könnte das Exportplus im nächsten Jahr auch auf nur noch fünf Prozent zurückgehen. Einen solchen Einbruch im Exportgeschäft kann die Binnenwirtschaft nicht auffangen.

Welchen Einfluss haben die Höchststände beim Ölpreis und beim Euro auf die Wirtschaft?

Beide Entwicklungen verschärfen natürlich die Risiken für die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Beim Ölpreis rechne ich allerdings damit, dass der Höhenflug bereits im nächsten Jahr gestoppt wird, weil die weltweite Nachfrage wegen des geringeren Wirtschaftswachstums nachlassen wird. Beim Wechselkurs Euro-Dollar erwarte ich eine Untergrenze von 1,40 Dollar pro Euro, was einige Exportunternehmen sicher nicht leicht verkraften werden. Die Kombination von geringem Wachstum und steigenden Preisen ist besonders gefährlich, im schlimmsten Fall droht Deutschland eine neue Phase der Stagflation.

Kann die Regierung eine solche Entwicklung aufhalten?

Die Bundesregierung könnte sie zumindest abfedern, aber ich erkenne nicht, dass sie den Willen dazu hat.

Seite 1:

„Politiker schüren häufig Ängste“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%