Billiges Geld der Fed
Warum nur Helikopter-Ben die USA in Schwung hält

Die US-Notenbank ist bereits der größte Gläubiger der USA. Warum die Wachstumsschwäche neuerliche Anleihekäufe wahrscheinlicher machen, als viele bisher glauben.
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New YorkDas Wachstum in den USA schwächelt wieder. Und im Grunde ist es – wieder einmal – allein Notenbankchef Ben Bernanke, der im Moment die Konjunktur wieder anschieben könnte. Denn die Politik ist über den Haushalt heillos zerstritten. Zwar hatte Bernanke versprochen, die Zeit des billigen Geldes bald zu beenden und sich der Inflationsbekämpfung zu widmen. Aber man kann sich wohl darauf einstellen, dass er schon beim kleinsten Beweis für eine Fortdauer der Wachstumsschwäche das Geld wieder mit dem Helikopter abwirft, wie er es selber einmal scherzhaft formulierte. Denn er wird versuchen, den Ruf der Unabhängigkeit seiner Institution zu wahren.

Die Lage ist verfahren. Wie 2010 lässt das Wachstum in den USA zur Mitte des Jahres zu wünschen übrig. Im ersten Quartal waren es keine zwei Prozent, und auch im zweiten sind die Aussichten nicht viel besser. Keine Rede mehr von den bis zu vier Prozent Wachstum, von denen die USA noch im Winter träumten. Der hohe Ölpreis und die Produktionsausfälle in der Automobilbranche nach der Atomkatastrophe in Japan wegen des Mangels an Einbauteilen machen sich bemerkbar. Statt des erhofften satten Wachstums, das die deprimierende Lage am Arbeitsmarkt bessert, muss Amerika mit ansehen, wie der Konjunkturmotor stottert und die Arbeitslosenquote steigt.

Und ausgerechnet in dieser Situation will Bernanke eigentlich das zur Bekämpfung der Wachstumsschwäche des Vorjahres aufgelegte Anleiheaufkaufprogramm (QE2) beenden. Planmäßig läuft es Ende dieses Monats aus. Und bislang hält er wacker an seiner Ausstiegsrhetorik fest: Die Notenbank Fed rechnet (noch) laut vor, das Konjunkturplus im zweiten Halbjahr 2011 werde wieder steigen, weil der Ölpreis und damit die Belastung der US-Konsumenten an der Zapfsäule sinken. Zudem komme die Autoproduktion wieder in Gang.

Aber es gibt durchaus Gründe, weniger optimistisch in die Zukunft zu schauen. So schwächelt der US-Immobilienmarkt, dessen Kollaps bekanntlich die jüngste Krise ausgelöst hat, bedenklich. Die zwischenzeitliche Erholung der Häuserpreise nach 2008 ist im vergangenen Dreivierteljahr dahingeschmolzen wie Butter in der Sonne. Und das ist noch nicht das Ende.

Experten wie die mittlerweile selbstständige Analystin Meredith Whitney, die zumindest Teile der jüngsten Krise richtig vorausgesagt hat, rechnen mit einem Rückgang der Hauspreise um weitere zehn Prozent. Dies würde nicht nur bedeuten, dass viele der immer noch hochverschuldeten US-Bürger ihre Häuser verkaufen müssten und der so wichtige private Konsum einbräche. Gleichzeitig würde dies den immer noch angeschlagenen Finanzsektor wieder hart treffen.

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Kommentare zu " Billiges Geld der Fed: Warum nur Helikopter-Ben die USA in Schwung hält "

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  • Ich greife mal den Gedanken eines Mitforist hier im Handelsblatt auf.
    Allen ist auch klar, dass ein Austritt GR die Problem nicht löst. Portugal, Irland, Italien, Spanien wären bzw. sind die nächsten Problemfälle.
    Merkel bezeichnete die USA bei ihrer Reise als wahren Freund. Vielleicht hat sie sich in den USA wirklich wie vermutete das OK für die aus dt. Sicht einzig sinnvolle Option geholt. Nämlich notfalls selbst aus dem Euro auszusteigen.
    Das die USA kein Interesse an einer europäischen Alternative zur Leitwährung Dollar habe ist ja klar. Die Ratingagenturen arbeiten ja fleißig und auftragsgemäß, an der Demontage des Euros.
    Was würde passieren wenn DE aussteigt?
    Neben der neuen Mark würde natürlich der Dollar als sicherer Hafen in Krisenzeiten massiv aufwerten.
    Das würde die Schuldensituation DE aber vor allem der USA entspannen, amerikanische Staatsanleihen würden wieder gekauft werden.
    Die Chinesen hätten sich mit den Investitionen in GR und Portugal selbst ein Ei ins Nest gelegt und würden aufhören US- Staatsanleihen zu verkaufen.
    Die Big Player wie Pimco würden ebenfalls aufhören in Euro umzuschichten und auch wieder US Staatsanleihen kaufen.
    Der Dollar wäre wieder die unangefochten Nr. 1, da die DM zu "klein" wäre, als wirklichen Alternative.
    Ich sehe da für die Amis nur Vorteile und kann mir durchaus vorstellen, dass die sehr erfreut wären und auch Frankreich, dass in diesem Szenario eindeutig den „Schwarzen Peter“ hätte, einbremsen würden.
    Und DE würde seine Auslandschulden ebenfalls massiv drücken können und hätte vor allem nicht die Perspektive demnächst für halb Europa den Zahlmeister spielen zu müssen.
    Und nun fordert Schäuble, entgegen der eigenen Richtlinien, schon vor 2013, vehement eine Beteiligung der Gläubiger. Ein (da insbesondere für Frankreich unannehmbar) konstruierter Ausstiegsgrund?
    Bei Licht betrachtet ist das alles nicht so abwegig.

  • Ach, auch schon auf den Trichter gekommen beim Handelsblatt? Die Frage ob QE3 kommt stellt sich gar nicht, es geht nur noch um den Zeitpunkt, und der wird noch dieses Jahr sein.

    Die Fed hat gar keine andere Wahl, es kauft doch außer Mr. Bernanke kein Mensch mehr Geithner´s Bondschrott! Und der Staat will ja finanziert werden..

    Larry Summers mit seinen konjunkturprogrammen, man hat ja gesehen wie unglaublich erfolgreich das letzte war...

  • das gesamte System ist pleite und wird schon seit Jahrzehnten durch Fiat-Money am Leben gehalten.

    Es werden schon Stimmen laut, auf einer Art "Wiener Kongreß" die Schuldenlage zu entschärfen, d.h. Schuldenschnitt weltweit.

    Zur FED:
    Jeder weiss, dass es sich um ein völkerrechtlich illegales Konstrukt handelt, aber was willste machen, wenn große Teile der Bevölkerungen weltweit mit Dummheit beschäftigt sind!?

    Aufgepasst werden muss allerdings bei einer eventuellen Einführung einer Weltwährung, ob die FED weiterhin dahinter stehen bleibt! Hinter der Weltbank steht schließlich auch die FED, da der US-Dollar als Leitwährung bei der Gründung 1947 festgelegt worden ist!

    Ein Unding, dass Kredite für afrikanische Staaten vom IWF aus dem Nichts (ohne jeglichen Gegenwert) erschaffen wurden und die Afrikaner mit Rohstoffen ihre Schulden bezahlen müssen!

    Sorry, aber Verschwörungstheorien glaube ich zur Zeit mehr, als den Medien!!! Denn bisher hat sich jede V-Theorie als wahrer erwiesen, als alle wirtschafltlichen Meldungen der Presse zusammen!

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