BIP schrumpft
Australiens Zukunft liegt in China

Die Weltwirtschaftskrise hat auch Australien erreicht. Im Schlussquartal 2008 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes um 0,5 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde mitteilte.

CANBERRA. Nie zuvor hat Australien so drastisch gespürt, wie abhängig es von der Bergbauindustrie ist - und vom Wachstumsmarkt Nummer eins, China. Der drastische Rückgang der Rohstoffnachfrage aus der zweitwichtigsten Exportdestination Australiens hat einen Dominoeffekt auf alle Wirtschaftszweige - von der Gastronomie bis zur Unterhaltungselektronik. Die verarbeitende Industrie trifft der Abschwung am härtesten: Sie schrumpfte im Dezemberquartal um 4,7 Prozent - um 19 Prozent gar aufs Jahr gerechnet.

Mit Ausnahme der wenig bedeutenden Landwirtschaft tendieren auch im laufenden Jahr alle wichtigen Wirtschaftsbereiche nach unten. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Unternehmen Entlassungen bekannt gibt. Jüngst setzte der Textilkonzern Pacific Brands 1850 Mitarbeiter auf die Straße; er will die Produktion nach China verlagern. Kurz vor der Entscheidung hatten sich die Chefs des Unternehmens Gehaltserhöhungen in Millionenhöhe zugesprochen. Der sonst stets korrekte Premierminister Kevin Rudd reagierte mit einem Wort, das man der Gossensprache zuschreiben muss.

Der verbale Ausrutscher des Regierungschefs ist ein Indiz für den Stress, in dem sich die politische Führung befindet - und für die Tiefe der Krise, die sie erwartet. "Es wird noch schlimmer, bevor es besser wird", betonte Schatzkanzler Wayne Swan. Nach einem Jahrzehnt mit einem durchschnittlichen Wachstum von mehr als drei Prozent - in erster Linie Folge eines historischen Rohstoffbooms - muss die Regierung Australiennun mit massiver Stützung aus der Staatskasse vor dem Untergang bewahren. Mehr als 40 Mrd. australische Dollar pumpt Rudd in Stimulierungsmaßnahmen. Die Ausgaben werden dazu beitragen, dass Australien im laufenden Finanzjahr ein Haushaltsdefizit von 22,5 Mrd. australischen Dollar verzeichnen wird; 2010 werden es wohl sogar 35,5 Mrd. Dollar sein. Experten kritisieren die Maßnahmen als wenig nachhaltig: Zwar stützten sie den Konsum; wichtiger sei es aber, Firmen zu entlasten, zum Beispiel durch Steuersenkungen.

Seite 1:

Australiens Zukunft liegt in China

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%