BIP-Zahlen: Auslandsgeschäft kräftigt deutschen Aufschwung

BIP-Zahlen
Auslandsgeschäft kräftigt deutschen Aufschwung

Das Auslandsgeschäft hat der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr zu einem starken Endspurt verholfen. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, nutzte die Konjunkturdaten, um der Politik neue Hausaufgaben aufzugeben.

DÜSSELDORF. Der „extrem dynamische“ Außenhandel hatte einen deutlich größeren Anteil an der wirtschaftlichen Belebung als die Binnenwirtschaft. Das meldete das Statistische Bundesamt und bestätigte gleichzeitig erste Schätzungen, wonach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Schlussquartal um 0,9 Prozent sowie im Gesamtjahr um 2,7 Prozent zugelegt hatte. Das vierte Quartal habe noch einmal einen „Kick“ gebracht, sagte Rürup, der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem Handelsblatt.

Verglichen mit dem Vorquartal wurde Ende 2006 sehr viel mehr exportiert als importiert, so dass der Außenbeitrag 2,1 Punkte zum Wirtschaftswachstum beitrug. Neben den starken Exporten gab am Jahresende auch das Inland Wachstumsimpulse. Vor allem die Bruttoanlageinvestitionen stiegen mit 1,0 Prozent deutlich. Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wurde im vierten Quartal mehr investiert als im dritten (s. „Bruttoinlandsprodukt“). Der massive Vorratsabbau wirkte den Statistikern zufolge dagegen wachstumshemmend. Ohne die Veränderung der Vorräte habe das Inland 0,4 Punkte zum BIP-Plus beigetragen.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer hatte bislang geringere Effekte, als Volkswirte erwartet hatten. Die saisonbereinigte Sparquote der privaten Haushalte sank von Oktober bis Dezember nur leicht auf 10,4 Prozent. Von einem Kaufrausch im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung könne demnach „keine Rede“ sein, kommentierte Holger Sandte von der WestLB. Andererseits müsse nun für das erste Quartal 2007 auch kein massiver Rückpralleffekt befürchtet werden.

Auch in den übrigen drei Quartalen hatte die deutsche Wirtschaft stärker zugelegt als zunächst angenommen. Im ersten sowie im dritten Quartal war das BIP um 0,8 Prozent gestiegen, im zweiten Vierteljahr um 1,2 Prozent. Die Wachstumsraten für das zweite und dritte Quartal hatten die Statistiker bereits vor einer Woche nach oben revidiert.

Der kräftige Aufschwung hat auch den Arbeitsmarkt belebt: Im Schlussquartal 2006 waren fast 40 Millionen Menschen erwerbstätig – 452 000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge war „vor allem“ der Aufbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung dafür verantwortlich. Rürup rechnet damit, dass sich der Arbeitsmarkt 2007 positiv entwickeln und die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt „mit recht großer Wahrscheinlichkeit auf unter vier Millionen sinken“ wird.

Ausschlaggebend dürfte sein, dass der Wirtschaftsaufschwung weiter anhalten wird – „wenn auch mit geringerem Tempo“, schätzt Rürup. Er rechne mit einer Wachstumsrate von knapp zwei Prozent für 2007. Ein zyklischer Abschwung in der Zukunft lasse sich nicht verhindern – wohl aber, dass er scharf ausfalle und viele Menschen in die Arbeitslosigkeit reiße. „Im Moment sehe ich bei der angekündigten Arbeitsmarktreform nur Versatzstücke, aber noch kein Konzept“, kritisierte Rürup. Die beste Zeit, ein Programm zur Verringerung der Langzeitarbeitslosigkeit auf den Weg zu bringen, sei die eines robusten Aufschwungs – „also jetzt“.

Wie das Statistische Bundesamt weiter errechnet hat, haben vom Aufschwung 2006 vor allem Vermögensbesitzer und Unternehmer profitiert. Ihre Einkommen stiegen gegenüber 2005 um 7,3 Prozent. Hingegen reichte der Zuwachs bei den Arbeitnehmerentgelten von 1,4 Prozent nicht aus, um den Anstieg der Lebenshaltungskosten von 1,7 Prozent auszugleichen.

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