BIP-Zahlen
US-Wirtschaft taumelt Richtung Abgrund

Hohe Arbeitslosigkeit, kaum Vertrauen in die Zukunft: Das Wachstum der US-Wirtschaft hat sich im vergangenen Quartal abermals abgeschwächt. Wie lange wird die Notenbank Fed dem Siechtum noch zuschauen?
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WashingtonMit der US-Wirtschaft geht es weiter abwärts. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 1,5 Prozent gewachsen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag nach einer ersten Schätzung mit. In den ersten drei Monaten des Jahres waren es nach revidierten Zahlen noch 2 Prozent Wachstum, Ende 2011 sogar noch 4,1 Prozent.

Im Schnitt hatten Experten für den Zeitraum von April bis Juni zwar mit einem noch schwächeren Zuwachs gerechnet - 1,4 Prozent -, doch das ändert nichts an der wenig ermutigenden Lage. „Wir beginnen die zweite Hälfte in einer schwachen Position“, sagte Michael Hanson, leitender Volkswirt bei der Bank of America, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Die Konjunktur schwächt sich deutlich ab.“ Während ein Wachstum von 1,5 Prozent für europäische Länder ermutigend wäre, sind für US-Verhältnisse nach gängigen Rechenmodellen mindestens 2 Prozent nötig, um die Arbeitslosigkeit spürbar abzubauen.

Am Abend korrigierte die US-Regierung auch noch ihre Wachstumsprognose für dieses und kommendes Jahr nach unten. Für 2012 rechnete das Büro für Management und Haushalt des US-Präsidialamts (OMB) in einem am Freitag vorgelegten Bericht mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,6 Prozent für 2012 und 2013. Im Februar lagen die Prognosen noch bei 2,7 beziehungsweise 3,0 Prozent. Die Arbeitslosenrate wird den Angaben zufolge nur wenig sinken. Zu Jahresende wird sie demnach bei 7,9 Prozent gegenüber derzeit 8,2 Prozent liegen und Ende 2013 7,6 Prozent erreichen.

Mit der hohen Arbeitslosigkeit gehen düstere Zukunftsaussichten einher. Die Auswirkungen der Krise in Europa treffen die US-Wirtschaft hart, zudem drohen zum Jahreswechsel höhere Abgaben. Ende Dezember laufen die Steuererleichterungen aus der Regierungszeit von Präsident George W. Bush aus, und noch haben sich die verfeindeten Politiker von Demokraten und Republikanern nicht einigen können, ob und inwieweit die Vergünstigungen weiterlaufen sollen. Gleichzeitig treten zu Anfang Januar automatische Ausgabenkürzungen der Regierung in Kraft.

Wie sehr sich die Amerikaner um ihre Zukunft sorgen, zeigen die neuesten Zahlen zu den Konsumausgaben: Diese wuchsen zwischen April und Juni ebenfalls um nur 1,5 Prozent, teilte das Handelsministerium am Freitag mit – im Vorjahresquartal waren es noch 2,4 Prozent.

Wenn die Konsumenten ihre Ausgaben zurückfahren, wirkt sich das fatal auf die gesamte Wirtschaftsleistung aus: Der Konsum trägt 70 Prozent zum BIP bei. Das spüren auch Unternehmen, die direkt davon abhängen. So berichteten unter anderem Starbucks, der Paketdienst UPS, der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble und die Einzelhändler Target und Macy`s von zunehmend geizigen Kunden.

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  • Dass wirkliche Problem der US-Wirtschaft ist die Tatsache, dass über 70 Prozent der Verbrauchsgüter aus dem Ausland (sprich China) kommen. Dies bedeutet, dass das Geld der Amerikaner Jobs im Ausland schafft, nicht aber in der US. Dies ist auch dass Problem mit jedem Belebungsprogram der US Regierung (siehe Erneuerung der US-Infrastruktur), weil fast alle Materialien aus China kommen. Die wenigen Jobs die geschaffen wurden sind in der Service Industrie entstanden, die nur super geringe Löhne bezahlen. FreeTrade lässt Grüßen.

  • Das ist übel was sie hier vom Stapel lassen. Billige Hetze!
    Überlegen sie doch mal wo die Amerikaner herkommen?
    Erzählen sie nicht so einen Unsinn, von Blutsaugern und Henkern,
    Haben sie sich die brutale Geschichte anderer Kontinente und Länder
    schon einmal genauer angeschaut? Wohl nicht.
    Dieser populistisch-rotzige Antiamerikanismus nervt gewaltig!

  • "da der Euro so schwach ist kann die Deutsche Industrie 'billiger' verkaufen. Wäre die D-Mark, würde es sicherlich ganz anders aussehen."

    Diese uebertriebene Exportiererei ist garnicht so toll wie sie denken. Wenn wir eine staerkere Waehrung haetten, dann haetten vielleicht alle Deutschen Buerger gewisse Vorteile von unserer tollen Industrie und nicht nur eine Handvoll Grossindustrieller.

    Dann gaebs ploetzlich grund Menschen einigermassen zu bezahlen, damit sie dann auch die Produkte kaufen koennen, weil man ja nicht mehr alles einfach im Ausland absetzen kann. Eine gesuendere Binnenwirtschaft mit weniger Gigantischen Konzern Ungeheuern koennte glatt dabei herauskommen.

    Weniger als 20% der Menschen haben 80% des Besitzes an sich gerafft... Das ist von Amerikanischen Verhaeltnissen nicht mehr weit weg. unsere Renten- und Krankenversicherungen werden in kuerze vor die Wand gefahren, weil man ja das Geld nach Bruessel ueberwiesen hat, von wo es direkt in die Taschen von Grossbanken und anderen Investoren fliesst. Noch Fragen? Wer sind da wohl die Schmarotzer?

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