BIZ-Jahresbericht
Europas Banken verwundbar wie nach der Lehman-Pleite

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) malt ein düsteres Bild von der Lage der Bankenbranche. Der Zustand ähnele dem nach dem Kollaps von Lehman Brothers. Die Bilanzen müssten umgehend saniert werden.
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FrankfurtDie europäischen Banken drohen wegen des mangelnden Vertrauens der Finanzmärkte in einen Teufelskreis zu geraten. Sie müssten immer größere Teile ihrer Anlagebestände als Sicherheit anbieten, um noch Käufer für neue Anleihen anzulocken, warnte die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht. Doch das ginge im Fall einer Pleite zulasten der unbesicherten Gläubiger und mache daher besicherte Schuldtitel umso begehrter.

„Und wenn sich private Mittelgeber aus den Märkten zurückziehen, setzen die Banken Sicherheiten ein, um sich verstärkt über die Zentralbank zu refinanzieren, womit sie ihre Bilanzen noch mehr belasten“, beschreibt die Baseler „Zentralbank der Zentralbanken“ das Dilemma. Dies mache die Geldhäuser noch verwundbarer für externe Schocks.

Nach Branchenschätzungen sei im vergangenen Jahr ein Fünftel aller Aktiva der Banken in Europa hinterlegt worden, um an neue Refinanzierungsmittel zu kommen - unter anderem von Notenbanken, erklärte die BIZ. Bei den griechischen Banken sei es sogar ein Drittel. Bei Banken in Irland, Italien und Portugal habe sich der Anteil belasteter Aktiva von 2005 bis 2011 verdoppelt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Dezember und im Februar 2012 gegen Sicherheiten insgesamt eine Billion Euro an Kreditinstitute verliehen, um deren Geschäft in Schwung zu halten. Es gebe Anzeichen dafür, dass den Banken allmählich die nötigen Sicherheiten von ausreichender Qualität ausgingen, so dass sie mehrfach belegt würden, warnt die BIZ. „Die Mehrfachverwendung von Sicherheiten ist zwar ein Schmiermittel für Finanztransaktionen, sie untergräbt jedoch die Systemstabilität.“

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Zustände wie nach der Lehmann-Pleite

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Basel-III-Standards rasch umsetzen

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  • laute Papiertiger am Werk.
    Wer Ramschanleihen als Sicherheit hinterlegen darf gehört vom Markt genommen. Wenn dies nicht geschieht wird diese Krise weiter befeuert anstatt gelöscht. Den nationalen Notenbanken, der Länder, die diese Vorgehensweise unterstützen gehört der Zugang zur EZB gesperrt.
    Banken schließen, die Amerikaner haben es uns vorgemacht.

  • Bleibt nur die Frage - wohin mit dem abgehobenen Geld?

    Übrigens hat Herr Schäuble stehst betont, dass es bei der Lösung der Finanzkrise nie wirklich um eine Lösung ging, sondern lediglich um den Glauben daran:
    Siehe Handelsblatt 6793272.html (Obama soll sich erstmal um eigenes Defizit kümmern)
    Siehe YouTube yDBzJRQLZN8 (Gespräch zur Nachbesserung des Hilfspaketes für Portugal) - Zitat: "Parlament & öffentliche Meinung....müssen glauben, dass wir es ernst meinen."

  • Mir wurden Informationen zugetragen, die bis in höchsten Kreise der EU-Kommission reichen. Offensichtlich registriert man so langsam auch dort, dass das System nicht mehr zu retten ist. Es geht anscheinend nur noch darum den Rückzug einiger Maßen geordnet ablaufen zu lassen, damit keine Massenpanik ausbricht. Die Politiker wollen offensichtlich nur noch Zeit gewinnen. Ich habe meine Ersparnisse schon mal vorsorglich bei meiner Bank abgehoben. Die Politiker werden uns weiter anlügen bis zu dem Tag, an dem die Bankschalter geschlossen sein werden.
    Spanien, Irland, Portugal, Italien, Griechenland - alle sind auf einem guten Weg, sagte Herr Schäuble. Wer die Nachrichten verfolgt und 1+1 zusammenzählen kann, der weiß was die Stunde geschlagen hat. Griechenland wird alle sein Schulden zurückzahlen und wir verdienen noch an Griechenland sagte Herr Schäuble. Der Mann ist derart verlogen und dreist - eine Schande !!

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