BIZ-Jahresbericht
Riskanter Überschwang

Die Bank für Internationalen Zahlungsgleich (BIZ) warnt vor wachsenden Risiken an den Finanzmärkten. In ihrem am Sonntag vorgelegten neuen Jahresbericht nimmt die „Bank der Notenbanken“ mögliche „Übersteigerungen“ während der zurückliegenden Wachstumsjahre als Gefahren ins Visier.

BERLIN. Potenziell kritische Bereiche sind für die BIZ die hohen Immobilienengagements, der Anstieg der Fremdfinanzierung - etwa am boomenden Private-Equity-Markt – sowie eine Umkehr des Kreditzyklus mit wieder höheren Zinsen. „Eine Wende im Kreditzyklus oder eine generelle Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Bedingungen, einschließlich einer Abschwächung der Ausgaben der privaten Haushalte, sind die Hauptfaktoren für eine längerfristige Anfälligkeit“, warnt die BIZ.

Nach Auffassung der Experten reagieren die Märkte inzwischen im „irrationalen Überschwang“: "Erfolge der Vergangenheit scheinen an den Märkten fast automatisch einen Anstieg der eingegangenen Risiken, des Verschuldungsgrads, der Fremdfinanzierungsaktivitäten, der Preise, der Sicherheiten und wiederum der eingegangenen Risiken nach sich zu ziehen", heißt es in dem Jahresbericht.

Die jüngste Widerstandsfähigkeit der Märkte gegenüber Schocks habe anscheinend die Auffassung verfestigt, „dass niedrige Preise eine Kaufgelegenheit bedeuten“. Die Gefahr solcher Marktprozesse bestehe darin, „dass sie sich letztlich umkehren können und sogar müssen, wenn die Fundamentaldaten überbewertet worden sind“. Sollte die Liquidität versiegen und sollten die Korrelationen der Vermögenspreise untereinander zunehmen, sei zu befürchten, "dass die Preise auch unterschießen könnten". Derartige Zyklen habe es in der Vergangenheit oft gegeben, warnt die BIZ.

Auf kurze Sicht spreche zwar die gute Gewinnsituation des Finanzsektors dafür, dass die Märkte mögliche Schocks verkraften könnten. Die größten Risiken für die Finanzstabilität bestünden aber auf mittlere Sicht.

Dass die Banken zunehmend nicht mehr nur Kredite, sondern auch Eigenkapital bereitstellten, um die wachsende Zahl von Fusionen und Übernahmen zu unterstützen, werten die BIZ-Experten als „kein gutes Zeichen“. Die Institute dürften möglicherweise noch erhebliche Risiken in den Büchern haben, befürchten sie. Sowohl der Wettbewerbsdruck als auch der leichtere Zugang zu Finanzierungsquellen habe weithin zu einer Lockerung der Kreditvergabestandards gegenüber Haushalten und Unternehmen geführt.

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