Blühende Landschaften
Ost-Wirtschaft hinkt noch jahrelang hinterher

Trotz intensiver wirtschaftlicher Förderung hinken die ostdeutschen Bundesländer noch deutlich hinter dem Westen her. Zwar rechnen Experten mit einer Angleichung der Verhältnisse in gut zehn Jahren, doch drohen aufgrund der demografischen Entwicklung weitere Rückschläge.
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HB BERLIN. Die Wirtschaft in Ostdeutschland braucht nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) noch zehn Jahre, um zu den ärmeren Ländern im alten Bundesgebiet aufzuschließen. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf könne in diesem Zeitraum von derzeit knapp 70 auf 80 Prozent des Westniveaus steigen, stellte das IW am Dienstag in einer ökonomischen Bilanz zum Mauerfall vor 20 Jahren mit. Die massive Förderung der ostdeutschen Länder hat das Wirtschaftswachstum dort nach Einschätzung von Experten enorm beschleunigt.

Die Experten bezeichneten die Anpassung vor allem im internationalen Vergleich dennoch als Erfolgsgeschichte: „Der Aufholprozess der neuen Bundesländer verläuft weiß Gott nicht so schleppend, wie oft behauptet“, betonte IW-Direktor Michael Hüther in Berlin. Vor allem die Industrie habe für Impulse gesorgt. Allerdings bleibe die Arbeitslosigkeit deutlich höher als im Westen.

Nach der Wiedervereinigung sei der Aufbau Ost insgesamt zu positiv gesehen worden, sagte der IW-Experte. „Der entscheidende Fehler war einfach, dass wir eine Erwartungskulisse aufgezogen haben mit blühenden Landschaften.“ Deshalb sei dann Mitte der 90er-Jahre Ernüchterung aufgekommen, als das Ende des Baubooms zum Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen geführt habe.

Inzwischen habe sich aber auch zu großer Pessimismus nicht bestätigt, die Erwartungen hätten sich vielmehr normalisiert, sagte Hüther. Die stärkste Hypothek für Ostdeutschland in der Zukunft sei die demografische Entwicklung mit einer alternden und zugleich schrumpfenden Bevölkerung, sagte Hüther. Dies werde auch den Mangel an Fachkräften verschärfen.

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