Börsenturbulenzen: Oettingers düstere Japan-Prognose verärgert Ökonomen

Börsenturbulenzen
Oettingers düstere Japan-Prognose verärgert Ökonomen

Nicht nur die Nuklear-Krise hält die Börsen in Atem - auch Politiker wie EU-Kommissar Oettinger. Dessen Japan-Einschätzungen lösten einen Kurssturz aus. Oettinger gibt sich unschuldig - doch Ökonomen zeigten sich empört.
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DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben scharfe Kritik an EU-Energiekommissar Günther Oettinger geäußert, weil dieser mit Äußerungen zur Japan-Katastrophe starke Turbulenzen an den Börsen ausgelöst hat. Es sei zwar legitim, wenn in den Medien alternative Szenarien möglicher Ereignisse mit Experten abgewogen werden. "Es ist aber brandgefährlich, wenn sich amtliche Stellen populistischen Dramatisierungen in den Medien anschließen, um diesen so Gewicht zu geben", sagte der ex-Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und jetzige Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann, Handelsblatt Online. "Dann braucht man sich nicht wundern, wenn sich Panik auf die Finanzmärkte transportiert und schließlich die Weltkonjunktur in Bedrängnis gerät." Wirtschaft werde von Stimmungen beeinflusst. "In diesem Sinne waren die Äußerungen des EU-Energiekommissars sicher nicht hilfreich."

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, hat Oettinger gegen Kritik an seinen Äußerungen zur Japan-Katastrophe in Schutz genommen: "Die Marktentwicklung ist nicht allein auf die Äußerungen von Herrn Oettinger zurückzuführen", sagte Flosbach Handelsblatt Online mit Blick auf die Börsenturbulenzen. "Wir sollten vielmehr daran denken, dass wir im Moment gute wirtschaftliche Fundamentaldaten haben.“

Oettinger selbst ist sich keiner Schuld bewusst: "Dass der Dax gestern abgerutscht ist, hat nichts mit mir, sondern mit der Lage in Japan zu tun", sagte er dem Handelsblatt. Dort drohe eine Atomkatastrophe mit entsprechenden Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft. "Bei dieser Einschätzung befinde ich mich im Einklang mit allen Fachleuten und Verantwortlichen von Washington bis zur Internationalen Atomenergiebehörde in Wien", betonte der CDU-Politiker.

Eine Einschätzung zu den Ereignissen in Japan von Oettinger hatte am Mittwoch Nachmittag an der Frankfurter Börse einen regelrechten Ausverkauf ausgelöst: Der deutsche Leitindex Dax stürzte binnen Minuten um mehr als 100 Punkte ab, nachdem Oettinger im EU-Parlament vor "weiteren katastrophalen Ereignissen in den nächsten Stunden" gewarnt hatte. Eine Sprecherin sagte später, die Äußerungen Oettingers beruhten nicht auf besonderen Informationen, sondern auf Medienberichten. Er habe nicht von einer bevorstehenden Katastrophe gesprochen, sondern lediglich seine Ängste geäußert.

Nach Einschätzung des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, zeigen die scharfen Marktreaktionen infolge der Oettinger-Äußerungen zweierlei: "Erstens, wie unprofessionell Kommissar Oettinger kommuniziert hat und zweitens, wie nervös die Grundstimmung der Märkte ist." Letzteres könnte sich nach Horns Überzeugung zu einer "veritablen Belastung" der Weltwirtschaft entwickeln. "Wird die panische Grundstimmung der Finanzmärkte nicht rasch eingedämmt, brauen sich schwere Belastungen für die Weltwirtschaft über die Kredit- und Kapitalmärkte zusammen", warnte der Ökonom. "Dann wäre der weltwirtschaftliche Aufschwung ernsthaft gefährdet."

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  • Da riskieren Menschen ihr Leben, und Öttinger spricht von Gottes Hand. Ich schäme mich.

    Einfach nur ekelhaft.

    Und noch was:

    Hier machen es sich manche echt zu einfach. Nach dem Motto: Bringt doch eh nichts, der Gau ist doch längst eingetreten.

    Und wenn es nur 5 % Erfolgschance wären: Es gibt Menschen, die sie unter Einsatz Ihres Lebens nutzen.

    Während hier manche feststellen: Ist doch eh alles zu spät...und sich damit auch noch für besonders klug halten.

    Noch ekelhafter

  • @ logical
    'Oettinger vom Netz nehmen'
    geniale und einfache Idee.
    Wenn man diese Leute nicht mehr ernst nimmt und einfach auch ausblendet verschwinden sie von Alleine.

  • Diese so genannten "Top-Ökonomen" haben doch seit der weltweiten Finanzkrise jede Glaubwürdigkeit verspielt. Die sind "empört" , köstlich! Einfach nicht drauf hören. Oettinger hat Gespür für die Situation - er weiß, dass diese Schönrederei dieser Elfenbeinturm-Heinis sowieso keiner glaubt. Und die Börse macht eh, was sie will.

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