Börsenturbulenzen Oettingers düstere Japan-Prognose verärgert Ökonomen

Nicht nur die Nuklear-Krise hält die Börsen in Atem - auch Politiker wie EU-Kommissar Oettinger. Dessen Japan-Einschätzungen lösten einen Kurssturz aus. Oettinger gibt sich unschuldig - doch Ökonomen zeigten sich empört.
Update: 17.03.2011 - 17:02 Uhr 23 Kommentare
Unter Beschuss: Günther Oettinger. Quelle: dpa

Unter Beschuss: Günther Oettinger.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben scharfe Kritik an EU-Energiekommissar Günther Oettinger geäußert, weil dieser mit Äußerungen zur Japan-Katastrophe starke Turbulenzen an den Börsen ausgelöst hat. Es sei zwar legitim, wenn in den Medien alternative Szenarien möglicher Ereignisse mit Experten abgewogen werden. "Es ist aber brandgefährlich, wenn sich amtliche Stellen populistischen Dramatisierungen in den Medien anschließen, um diesen so Gewicht zu geben", sagte der ex-Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und jetzige Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann, Handelsblatt Online. "Dann braucht man sich nicht wundern, wenn sich Panik auf die Finanzmärkte transportiert und schließlich die Weltkonjunktur in Bedrängnis gerät." Wirtschaft werde von Stimmungen beeinflusst. "In diesem Sinne waren die Äußerungen des EU-Energiekommissars sicher nicht hilfreich."

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, hat Oettinger gegen Kritik an seinen Äußerungen zur Japan-Katastrophe in Schutz genommen: "Die Marktentwicklung ist nicht allein auf die Äußerungen von Herrn Oettinger zurückzuführen", sagte Flosbach Handelsblatt Online mit Blick auf die Börsenturbulenzen. "Wir sollten vielmehr daran denken, dass wir im Moment gute wirtschaftliche Fundamentaldaten haben.“

Oettinger selbst ist sich keiner Schuld bewusst: "Dass der Dax gestern abgerutscht ist, hat nichts mit mir, sondern mit der Lage in Japan zu tun", sagte er dem Handelsblatt. Dort drohe eine Atomkatastrophe mit entsprechenden Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft. "Bei dieser Einschätzung befinde ich mich im Einklang mit allen Fachleuten und Verantwortlichen von Washington bis zur Internationalen Atomenergiebehörde in Wien", betonte der CDU-Politiker.

Eine Einschätzung zu den Ereignissen in Japan von Oettinger hatte am Mittwoch Nachmittag an der Frankfurter Börse einen regelrechten Ausverkauf ausgelöst: Der deutsche Leitindex Dax stürzte binnen Minuten um mehr als 100 Punkte ab, nachdem Oettinger im EU-Parlament vor "weiteren katastrophalen Ereignissen in den nächsten Stunden" gewarnt hatte. Eine Sprecherin sagte später, die Äußerungen Oettingers beruhten nicht auf besonderen Informationen, sondern auf Medienberichten. Er habe nicht von einer bevorstehenden Katastrophe gesprochen, sondern lediglich seine Ängste geäußert.

Nach Einschätzung des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, zeigen die scharfen Marktreaktionen infolge der Oettinger-Äußerungen zweierlei: "Erstens, wie unprofessionell Kommissar Oettinger kommuniziert hat und zweitens, wie nervös die Grundstimmung der Märkte ist." Letzteres könnte sich nach Horns Überzeugung zu einer "veritablen Belastung" der Weltwirtschaft entwickeln. "Wird die panische Grundstimmung der Finanzmärkte nicht rasch eingedämmt, brauen sich schwere Belastungen für die Weltwirtschaft über die Kredit- und Kapitalmärkte zusammen", warnte der Ökonom. "Dann wäre der weltwirtschaftliche Aufschwung ernsthaft gefährdet."

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23 Kommentare zu "Börsenturbulenzen: Oettingers düstere Japan-Prognose verärgert Ökonomen"

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  • Da riskieren Menschen ihr Leben, und Öttinger spricht von Gottes Hand. Ich schäme mich.

    Einfach nur ekelhaft.

    Und noch was:

    Hier machen es sich manche echt zu einfach. Nach dem Motto: Bringt doch eh nichts, der Gau ist doch längst eingetreten.

    Und wenn es nur 5 % Erfolgschance wären: Es gibt Menschen, die sie unter Einsatz Ihres Lebens nutzen.

    Während hier manche feststellen: Ist doch eh alles zu spät...und sich damit auch noch für besonders klug halten.

    Noch ekelhafter

  • @ logical
    'Oettinger vom Netz nehmen'
    geniale und einfache Idee.
    Wenn man diese Leute nicht mehr ernst nimmt und einfach auch ausblendet verschwinden sie von Alleine.

  • Diese so genannten "Top-Ökonomen" haben doch seit der weltweiten Finanzkrise jede Glaubwürdigkeit verspielt. Die sind "empört" , köstlich! Einfach nicht drauf hören. Oettinger hat Gespür für die Situation - er weiß, dass diese Schönrederei dieser Elfenbeinturm-Heinis sowieso keiner glaubt. Und die Börse macht eh, was sie will.

  • Könnte man nicht Oettinger verpflichten, sich nur noch auf Englisch zuaeussern? Das ganze auf CD bringen und als Neues aus der Anstalt zugunsten des Staatshaushaltes verhökern? Das ist Komik pur.

  • Herr Öttinger, geben Sie endlich ein Schweigegelübde ab - BITTE !!! - es würde bestimmt gar nicht auffallen und wenn, dann nur positiv!

  • Nun, ich bin kein Fan von Herrn Oettinger, und mit Sicherheit auch gegen seine Entsendung nach Brüssel.
    .
    Hier wird jedoch der Überbringer als Verursacher angesehen. Wem nützt diese Debatte? Die staatlich geduldeten Glücksspieler haben ihre eigenen Regeln.
    .
    Und ansonsten: die meisten nach Brüssel und Straßburg Beförderten sind ihr Geld nicht wert.

  • Die Frage ist nicht, ob sich in Japan ein "2. Tschernobyl" ereignet (das ist bereits geschehen), sondern wie das japanische Volk und die halbwegs zivilisierte Menschheit damit umgehen wird.

    Die ehemalige Sowjetunion war ein "Ameisenstaat", eine planwirtschaftliche Diktatur, in der die individuelle Existenz austauschbar und letztlich wertlos war, wenn das staatskapitalistische System sie nicht mehr gebrauchen konnte. Menschenrechte gab es nicht, und so konnten Hunderttausende verpflichtet werden, die strahlende Ruine eines havarierten Kernspaltungsreaktors in Beton einzugießen. Wie viele "Arbeitsameisen" in Folge der Strahlenbelastung sterben würden, hat das kommunistische Regime nicht interessiert, und bis heute ist unbekannt, wie viele tatsächlich daran gestorben sind.

    Kann die japanische "Kamikaze-Tradition" mit diesem Grad an erzwungener Opferbereitschaft durch ein menschenverachtendes kommunistisches System mithalten, um zu verhindern, dass Japan für Jahrtausende unbewohnbar sein wird? Höchstwahrscheinlich nicht - und hoffentlich gehen die weiteren Überlegungen auch gar nicht erst in diese Richtung!

    Die menschenwürdige Option besteht darin, schnellstmöglich Technologien zu entwickeln, um die havarierten Kernspaltungsreaktoren dauerhaft zu versiegeln, ohne dass dieses Unternehmen zu einer "Kamikaze-Aktion" für alle Beteiligten wird. Doch dazu fehlen sowohl in Japan als auch im "Rest der Welt" die Ressourcen; insbesondere die finanziellen, solange sich die halbwegs zivilisierte Menschheit noch im zivilisatorischen Mittelalter des Privatkapitalismus (Zinsgeld-Ökonomie) befindet.

    Die einzig denkbare Möglichkeit zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise...

    www.deweles.de/globalisierung/mut.html

    ...wird damit auch zur Grundvoraussetzung, um Japan auf der Landkarte zu erhalten!

  • Bei uns gibt es doch zum Glück freie Meinungsäußerung, also soll er doch quatschen!

    Wenn unser Aufschwung ein gutes Fundament hat, können solche Äußerungen diesem auch nichts anhaben!

    Ist doch gut wenn der DAX einbricht, Einstiegskurse!!! :-)

  • Oettinger, der Sprachmeiler aus dem Zwischenlager Brüssel!
    Ich glaube nicht, dass Finanzjongleure sich von seinen Wissensergüssen beeinflussen lassen.

  • Oettinger, der Sprachmeiler aus dem Zwischenlager Brüssel!

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