Boom bei Existenzgründungen ist vorbei
Arbeitslosenzahl wieder unter Vier-Millionen-Grenze

Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt hat sich im April fortgesetzt. Im abgelaufenen Monat seien 3,967 Mill. Arbeitslose registriert gewesen, teilte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering am Dienstag mit. Dies waren rund 140 000 weniger als im März und 820 000 weniger als im April vorigen Jahres.

HB BERLIN. Müntefering sprach von einer guten Nachricht zum „Tag der Arbeit“ und von einem klaren Trend. „Die Arbeitslosigkeit sinkt“, erklärte der Minister. „Das wird sich in diesem Jahr fortsetzen.“ Im April vor zwei Jahren seien bei einer Arbeitslosenzahl von über fünf Mill. noch rund 1,1 Mill. mehr Menschen erwerbslos gewesen.

Der Arbeitsminister bestätigte damit frühere Meldungen der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren sank. Noch weniger Arbeitslose waren zuletzt im Oktober 2002 mit 3,93 Mill. Erwerbslosen registriert.

Die Arbeitslosenquote sank nach Angaben des Ministers auf 9,5 Prozent nach 9,8 Prozent im März. Die Zahl der offenen Stellen sei auf mehr als 900 000 von 640 000 im März stark gestiegen, sagte er auf einer Maikundgebung im westfälischen Ibbenbüren weiter. Mit der Bekanntgabe der Zahl am „Tag der Arbeit“ griff Müntefering der Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) vor, die das komplette Zahlenwerk am Mittwoch vorlegt. Zur saisonbereinigten Entwicklung äußerte sich der Minister nicht.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil erklärte, die unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder begonnenen Reformen zeigten Wirkung. Die SPD setze nun alles daran, dass der Aufschwung für alle Bürger spürbar werde. DGB-Chef Michael Sommer äußerte hingegen die Sorge, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht von Dauer sein werde. Auf der zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Gelsenkirchen verwies er darauf, dass die Industrie zunehmend auf Leiharbeiter setze, die dann bei schlechterer Auftragslage schnell auch wieder entlassen werden könnten. Leiharbeit müsse die Ausnahme bleiben. „Sie darf nicht zur Regel werden“, sagte er.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im April fiel etwas schwächer aus als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre, der bei 168 000 lag. Die Frühjahrsbelebung war nach Angaben einer mit den offiziellen Daten der BA vertrauten Person etwas weniger stark, weil auch der Beschäftigungsrückgang im Winter wegen des milden Wetters geringer als üblich war. Die gute Konjunktur sorge weiterhin für einen Beschäftigungsaufbau.

Die Bundesagentur hatte am Montag mitgeteilt, dass der Stellenindex auf 201 von 196 Punkten im März gestiegen war. „Damit ist der Bedarf an Arbeitskräften aktuell doppelt so groß wie im Durchschnitt des Referenzjahres 2004“, teilte die BA mit. In den kommenden Monaten dürfte sich der anhaltend hohe Bedarf der Unternehmen an Mitarbeitern in einem weiteren Beschäftigungsaufbau niederschlagen.

Hingegen ist der Boom bei den Existenzgründungen durch Arbeitslose vorbei. Seit Jahresbeginn haben sich nur noch 26 600 Arbeitslose mit finanzieller Förderung der Bundesagentur selbstständig gemacht. Das waren nur halb so viele wie in den ersten drei Monaten des vorigen Jahres. Eine BA-Sprecherin erklärte dies mit der guten Konjunktur und der Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen im vorigen Jahr. Bei der beruflichen Weiterbildung und bei den Einstellungszuschüssen an Arbeitgeber haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt.

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