Branchenindikator
Wie die Finanzkrise einzelne Branchen trifft

Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die deutsche Wirtschaft unterscheiden sich von Branche zu Branche erheblich. Die Stimmung der Unternehmen hat sich zwar insgesamt in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert - sie ist in einzelnen Sektoren aber immer noch gut.

FRANKFURT. Das zeigt ein sogenannter Branchenindikator des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Das Barometer basiert auf der Herbstumfrage des Verbandes unter rund 25 000 Unternehmen, die heute offiziell präsentiert wird.

"Vor allem die Exportindustrie spürt die Verschlechterung der Konjunktur und die realwirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise", sagt der Hauptgeschäftsführer der DIHK, Martin Wansleben, dem Handelsblatt. Das gelte insbesondere für den Kraftfahrzeugbau. "In der Verkehrsbranche kommen zur Konjunkturschwäche noch die hohen Energiepreise und die zusätzlichen Belastungen durch die geplante Erhöhung der LKW-Maut", erklärt er.

Das Ergebnis überrascht nicht: Die deutsche Volkswirtschaft ist weltweit eine der offensten und exportabhängigsten. Zuletzt mussten die erfolgsverwöhnten Exporteure im August das dickste Minus seit fünf Jahren hinnehmen. Gestern senkte dann auch der Bundesverband des Groß- und Außenhandel (BGA) aufgrund der weltweiten Finanzkrise seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr deutlich und rechnet nun nur noch mit einem Umsatzplus für das kommende Jahr von 2,5 Prozent. Bislang hatten sie vier Prozent Wachstum erwartet. "Wir glauben, dass die Ereignisse der vergangenen Wochen die weltweite Konjunkturabkühlung beschleunigt haben, insbesondere bei wichtigen Handelspartnern", sagte Verbandschef Anton Börner. Die Rettungspakete der Bundesregierung und anderer Staaten verhinderten zwar einen Einbruch, aber die Finanzkrise hinterlasse Bremsspuren.

Das zeigt auch der DIHK-Branchenindikator. Er beruht auf der Bewertung der Geschäftslage, den Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate sowie der Veränderungen dieser beiden Größen gegenüber der letzten Umfrage im Juni. So betrug beispielsweise der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen über die Lage der Kraftfahrzeugbauer 29 Zähler, während er bei der letzten Umfrage bei 49 Punkten gelegen hatte. Die Erwartungen brachen noch deutlicher ein: Der Saldo liegt bei minus 32 Zählern, nach zwei Punkten in der Vorumfrage.

Das heißt: Der Anteil der Autobauer, der mit schlechteren Geschäften rechnet, ist mittlerweile weit höher als der Anteil derer, die eine Besserung erwartet. So hatte etwa der Rüsselsheimer Autobauer Opel kürzlich für fast alle deutschen Werke einen zeitweiligen Produktionsstopp angeordnet, um die Produktion um 40 000 Fahrzeuge zu kappen.

Im Durchschnitt aller Branchen ist das Bild freundlicher und das Barometer bei minus vier Punkten. Am schlechtesten schneidet neben Kraftfahrzeugbauern das Druckgewerbe ab. Dienstleistungsbranchen sind laut Wansleben dagegen "bisher weniger konjukturanfällig". Das gelte für den Bildungsmarkt ebenso wie für die Gesundheitswirtschaft.

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