Breite Zustimmung für Reform der Organisation
IWF warnt vor Wachstumsrisiken

IWF-Chef Rodrigo Rato hat den erfolgreichen Reform-Start seiner Organisation begrüßt. Der Fonds will nun verstärkt die weltweiten Wechselkurse ins Visier nehmen. Gleichzeitig identifizierte er „drei klare Risiken“ für die weltweiten Wirtschaftsaussichten.

HB SINGAPUR. "Diese Reformen sind von enormer Bedeutung für die Zukunft des Fonds“, sagte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag im Plenum von dessen Jahresversammlung in Singapur. „Das Abstimmungsergebnis ist ein hervorragender Start“, sagte er mit Blick auf die 90,6 Prozent Zustimmung der IWF-Mitglieder am Vortag zur Reform.

Ein derart gestärkter IWF sei wichtig, um weltwirtschaftlichen Krisengefahren entgegenwirken zu können. Die Wachstumsaussichten in der Welt seien zwar seit den 60er Jahren nicht mehr so gut wie heute gewesen, „doch könnte sich der Trend des weltwirtschaftlichen Wachstums umkehren“, warnte er. Als Hauptgefahren nannte er:

„Höhere Ölpreise können immer noch zu höherer Inflation führen“, es gebe das Risiko eines ungeordneten Abbaus der weltweiten Ungleichgewichte, und es bestehe ein „zunehmendes Risiko, dass eine protektionistische Haltung die Vernunft überwiegt“, sagte Rato mit Blick auf die Handelssituation. „Falls dies geschieht, drohen sich all die anderen Risiken zu verstärken,“ warnte er. und zur Wachsamkeit gegenüber anhaltenden weltwirtschaftlichen Krisengefahren aufgerufen.

Auch wenn die Weltwirtschaft bislang mit den hohen Ölpreisen relativ gut zurecht gekommen sei, blieben sie gefährlich, warnte Rato laut Redetext. „Es ist wichtig, Fehler zu vermeiden“, mahnte er. Hier sei noch viel zu tun, etwa mit höheren Investitionen im Energiebereich und mit Energiesparen.

Eine zweite Gefahr seien ungeordnete Anpassungen bei den hohen Leistungsbilanzungleichgewichten zwischen den Ländern. Sie müssten geordnet zurückgeführt werden: von den USA durch die Reduzierung ihres strukturellen Finanzdefizits, von den Europäern und Japan durch Strukturreformen und von China durch die Stärkung seines Finanzsektors und durch die Nutzung der Währungsflexibilität.

Mit Blick auf Protektionismusgefahren rief Rato dazu auf, die unterbrochenen Verhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO), die Doha-Runde, wieder aufzunehmen und zum Erfolg zu führen. „Ich fordere alle G-7-Länder und die wichtigen sich entwickelnden Länder auf, schnell zu handeln, um die bislang in den Verhandlungen erzielten Fortschritte abzusichern und die Doha-Runde wieder in Gang zu setzen“.

Nach der Zustimmung zur ersten Stufe der IWF-Reform kündigte Rato an, eine umfassende Reform des Quotensystems und damit eine Neuordnung der Gewichte im Fonds werde nun in einem zweijährigen Prozess angegangen. Dabei werde der Einfluss der aufkommenden Schwellenländer, wie auch die Position der ärmsten Länder gestärkt. Verbunden mit dieser Strukturreform werde der Fonds seine Rolle als Überwachungsorgan der Stabilität der Weltwirtschaft ausbauen. Zugleich bleibe die Krisenprävention wichtig. „Finanzkrisen sind nicht wie Dinosaurier: sie sind nicht von der Erde verschwunden“, warnte Rato.

Im Zuge einer ausgebauten Überwachungsfunktion werde der Fonds stärker die Wechselkurse ins Visier nehmen und seine Arbeit über die Kapital- und Finanzmärkte intensivieren. Damit sollten „böse Überraschungen“ in der Zukunft vermieden werden.

In Sachen Krisenprävention stelle sich die Frage, ob die Instrumente des Fonds ausreichten. Die Weltgemeinschaft sollte jedenfalls auf neue Krisen vorbereitet sein. Ausdrücklich warnte er mit Blick auf China und andere Länder, arme und gerade erst entschuldete Länder durch die Vergabe von Krediten erneut in eine Schuldenfalle zu führen. Kreditgeber und Kreditnehmer sollten gemeinsam die Verantwortung und das Interesse haben, die Schuldensituation nicht wieder aus der Spur geraten zu lassen.

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