Bruttoinlandsprodukt
Amerikas Wirtschaft wächst überraschend stark

Die amerikanische Wirtschaft hat Ende des vergangenen Jahres kräftig Fahrt aufgenommen und legte um drei Prozent zu. Experten sind jedoch skeptisch, ob derart hohe Wachstumsraten von Dauer sind.
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Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal überraschend kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt legte mit einer Jahresrate von 3,0 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Mittwoch in einer zweiten Schätzung mitteilte. Das ist der beste Wert seit Frühjahr 2010.

Schwung brachten vor allem etwas höhere Konsumausgaben und Unternehmensinvestitionen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten ein Wachstum von 2,8 Prozent prognostiziert. In einer ersten Schätzung im Januar hatte das Ministerium das Plus ebenfalls auf diesen Wert veranschlagt. Für die weltgrößte Volkswirtschaft war es das stärkste Plus seit Frühjahr 2010. Im dritten Quartal 2011 war die US-Wirtschaft nur um 1,8 Prozent gewachsen.

"Die Indikatoren der letzten vier bis acht Wochen deuten darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft stabilisiert hat. Der Aufschwung steht nun auf einer breiteren Basis", sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner Handelsblatt Online. Dennoch werde sich das hohe Wachstum im ersten Quartal 2012 vermutlich nicht wiederholen. "Das Wachstum im ersten Quartal 2012 wird wahrscheinlich etwas schwächer ausfallen als im vierten Quartal 2011. Es gibt aber keinen Grund zur Besorgnis. Das höhere Wachstum im vierten Quartal 2011 resultiert vor allem aus dem recht hohen Lageraufbau, der wird sich nicht wiederholen", sagt Weidensteiner.

Ähnlich sieht das auch Heinrich Bayer, Analyst bei der Postbank. "Wir rechnen aufgrund des starken Lageraufbaus für das laufende Quartal mit einem wieder schwächeren BIP-Wachstum. Mittelfristig sehen wir die US-Konjunktur gleichwohl unverändert positiv", sagt Bayer.

Experten zufolge ist es nun unwahrscheinlicher, dass weitere geldpolitische Schritte wie Wertpapierkäufe (QE3) nötig sind. Experten rechneten damit, dass sich US-Notenbankchef Ben Bernanke noch am Mittwoch bei der Vorstellung seines halbjährlichen Berichts zur künftigen Geldpolitik äußert. „Das belegt eine stete Verbesserung trotz der starken Schwankungen am Markt im vergangenen Jahr“, sagte Tim Ghriskey, Chef-Investmentstratege bei Solaris Group. „Und es zeigt, dass wir auch nicht ansatzweise Gefahr laufen, wieder in eine Rezession zu rutschen.“

Die US-Börsen profitierten von den BIP-Zahlen und legten zu Handelsbeginn zu. Der Dollar grenzte seine Verluste zum Yen ein und die Treasuries gaben Gewinne ab. Experten gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft fortwährend um drei Prozent wachsen muss, damit sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Zuletzt gab es von dort ermutigende Signale. Die Arbeitslosenquote war im Januar auf 8,3 Prozent gefallen - den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Trotzdem sind noch immer fast 24 Millionen Amerikaner ohne Job oder unterbeschäftigt.

Bisher erweisen sich die US-Verbraucher als Rückgrat des Endspurts. Der private Konsum macht etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Die Ausgaben der Verbraucher stiegen zuletzt um 2,1 Prozent von zuvor 2,0 Prozent. Sorgen bereiten die anziehenden Benzinpreise. Seit Jahresbeginn stiegen sie um 12,6 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die hohen Kraftstoffpreise als Hemmnis für die amerikanische Wirtschaft erwiesen.

Zuversicht machte auch der Einkaufsmanagerindex aus Chicago, der auf 64,0 Punkte zulegte. Experten hatten lediglich mit 61,5 Zählern gerechnet. Das Ergebnis weist auf eine sehr robuste Entwicklung der Industrie im Großraum Chicago hin. 

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Klar doch, war nichts ist nichts! Alles nur Verschwörungstheorien!
    Alles ist gut, kein Problem wohin man auch sieht. Mancher braucht eben nur ein (rosarote) Brille um besser zu sehen, zu sehen was andere ignorieren!
    Investiert was ihr könnt, der Gewinn ist (bleibt) kurz vor eurer Nase!
    Ich erinnere mich an die Karotte, die den Esel zu Höchstleitungen anspornt!

  • Bernanke und Obama haben eine Finanzblase aufgebaut, die alles bisherige in den Schatten stellt. Einziges Konzept der beiden Schlaumeier - drucken und drucken und...Schuldenaufbau...und USD-Entwertung. Wahrlich genial. Die stellen sogar den Ex-"Guru" Greenspan in den Schatten.

  • "Der dauerhafte Berieselungscocktail aus Wachstumsjubel und Terrorpanik soll vermutlich von der realen Lage ablenken. Real ist dabei wörtlich zu nehmen, denn wenn man vom nominalen Zauber den Kaufkraftverlust der US-Währung abzieht, so entpuppt sich die Entwicklung der Einkommen der Bürger (der USA) als Desaster. Der Einbruch der realen Haushaltseinkommen hat schon zu Beginn der Krise ein doppelt so großes Ausmaß erreicht wie in den vorangegangenen Wirtschaftseinbrüchen. Von der Erholung der paper economy bleiben vielen betroffenen Menschen lediglich Lebensmittelmarken. (...) Die derzeit teils erstaunlich robusten Daten zum privaten Konsum verschleiern die wahre Breite des Abschwungs. Wenig wird darüber gesprochen, dass die gesamten realen Konsumausgaben der US-Bürger seit einigen Monaten sogar sämtliche Einnahmen ohne staatliche Transferleistungen übersteigen. (...) Es ist schon ein toller Aufschwung, den man sich da herangezüchtet hat. Zusammengesetzt aus sinkenden Realeinkommen, schuldenfinanzierten Alltagsausgaben und der bizarren Selbstfinanzierung des Staates wankt die schaurige Bild eines ökonomischen Frankensteins durch die Weltwirtschaft. Es bewegt sich, aber lebt es auch wirklich?" (Quelle: Bankhaus Rott)

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