Buch von Robert Reich Wie die US-Wirtschaft zu retten ist

Die US-Wirtschaft kommt und kommt nicht auf die Beine. Die Suche nach Lösungen fällt schwer. Konjunkturprogramme allein machen es nicht besser, sagt Robert Reich. Der ehemalige Wirtschaftsminister von Bill Clinton hat ein aufsehenerregendes Buch geschrieben und darin aufgezeigt, woran die größte Wirtschaft der Welt wirklich krankt.
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Das Cover des Buches. Quelle: Verlag

Das Cover des Buches.

DÜSSELDORF. Barack Obama hat derzeit viele Baustellen. Aber nichts macht dem US-Präsidenten mehr Sorgen als die Wirtschaftsentwicklung seines Landes. Robert Reich hat in seinem Buch "Nachbeben. Amerika am Wendepunkt" brillant herausgefiltert, woran es hapert und was zu tun ist. Reich war von 1993 bis 1997 unter Bill Clinton Arbeitsminister der USA. Derzeit ist er unter anderem als Professor an der University of California tätig.

Schon im Vorwort macht Reich klar, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den USA uns Deutschen keineswegs egal sein sollte. Zu eng sind die beiden Volkswirtschaften verbandelt und voneinander abhängig.

Reichs These klingt einfach: Den USA geht es derzeit schlecht, weil die Einkommensunterschiede so gewaltig sind. Die wenigen Superreichen teilen einen immer größeren Teil des Vermögens unter sich auf. Dadurch hat die Mittelschicht entsprechend weniger Geld zum konsumieren. Die US-Bürger können nicht so viel konsumieren, wie produziert wird: "All das, was begehrt und zugleich nur in begrenzter Menge vorhanden ist, ist für den überwiegenden Teil der amerikanischen Bürger unerschwinglich geworden, da sich die Kaufkraft an der Spitze der Einkommensskala konzentriert."

In den späten 70er-Jahren besaß das reichste Prozent der US-Bürger knapp neun Prozent des Volkseinkommens. 2007 lag dieser Wert bei 23,5 Prozent. Reich sagt auch, dass es eine solche Phase nicht zum ersten Mal gibt. Im Gegenteil: In der Geschichte der US-Wirtschaft wechseln sich die Phasen ab: Schon in der ersten Phase des amerikanischen Kapitalismus (1870 bis 1929) gab es eine hohe Konzentration des Einkommens. Dagegen war der Wohlstand zwischen 1947 und 1975 sehr gleichmäßig verteilt.

Im ersten Teil des Buches wirft Reich einen kurzen, aber effektiven Blick in die Wirtschaftsgeschichte der USA. Es wird deutlich, warum diese Phasen entstanden sind und was die Wirtschaftspolitik damals kennzeichnete. Und es geht auch um die Frage, warum die Regierungen nicht alles unternommen haben, um die Konzentration von Vermögen zu verhindern. Dabei wirkt Reich häufig wie ein Keynes-Fanatiker. So mancher Ökonom würde auf so manche seiner Thesen sicherlich Gegenargumente finden. Aber im Kern wirkt Reichs Argumentation überzeugend.

Im zweiten Teil geht es um die aktuellen Missstände. Eine Rückkehr zur Normalität ist demnach "ausgeschlossen". Reich identifiziert das grundlegende Problem: Dabei handelt es sich eben nicht um die tatsache, dass Finanzinstitute zu waghalsig gepokert oder dass Konsumenten zu hohe Kredite aufgenommen hätten. "Das grundlegende Problem ist vielmehr, dass die Amerikaner nicht mehr genügend Kaufkraft besitzen, um das zu kaufen, was die eigene Volkswirtschaft produzieren kann."

US-Präsident Obama bekommt dabei recht ordentliche Noten. Den Absturz habe er abgewendet. Aber eine ganzheitliche Wirtschaftspolitik sei noch nicht zu erkennen. Größtes Problem sei dabei die intensive Lobbyarbeit der Unternehmen.

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18 Kommentare zu "Buch von Robert Reich: Wie die US-Wirtschaft zu retten ist"

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  • Das ist ja durchaus rührend, dass jetzt dutzende, wenn nicht gar hunderte Experten aus allen Ecken und Löchern gekrochen kommen und ihre Weisheiten zu Druck und auch zu Geld bringen. Es werden noch viele weitere schlaue bücher auf den Markt kommen.

    Es ist ja auch ganz nett, dass wir alle darüber
    lesen uns uns gleichzeitig ärgern dürfen, denn viel mehr bleibt uns in dieser Lage nicht übrig.
    Das gesamte System ist krank bzw. mit einem todbringenden Virus infiziert. Überall wo man hinschaut - die Ungleichgewichte, Konflikte, Spannungen und Risiken nehmen immer mehr zu. Und wir können nichts machen außer zuschauen...

    Zumindest noch nicht. Aber der Tag wird kommen, wenn die Lage und Stimmung dramatisch kippen wird. Und was das mit sich bringen wird, können wir in Ansätzen schon in Griechenland und anderen EU Ländern sehen. Das Volk wird auf die Strasse gehen und bürgerkriegszustände und Anarchie werden die Folge sein.

    Und es macht in meinen Augen keinen Sinn, ständig immer nur von den USA oder der EU als Problemzone bzw. -region zu sprechen. Die gesamte Weltwirtschaft ist aufgrund der enormen Verflechtungen mittlerweile eine einzige Problemzone. Denn wenn die Stimmung wieder richtig kippt, werden wieder viele weitere Dominosteine fallen. Es braucht nur noch ein paar weitere Ereignisse bzw. Entwicklungen und die kleinen Feuerchen entfachen den Flächenbrand.

  • Regression in den Fatalismus

    ich kenne noch nicht das neue buch von Robert Reich, erlaube mir dennoch folgende Skizze aufzeichnen zu dürfen: Da die bestehenden Machtverhältnisse vielfach mit veralteten behavioristisch-mechanistischen Sozialtechniken gesichert werden und deshalb relativ einfach durchschaubar sind, wie zum beispiel der gesamte Komplex der Workfare-Politik , fällt insbesondere die angestrebte Regression weiter bereiche der Gesellschaftsmitglieder auf. Das heißt, um bei dem beispiel Workfare zu bleiben, dass die Gesellschaftsmitglieder in einen Zustand heteronomer Moral zurückgesetzt werden, um angeblichen Marktbedingungen zu gehorchen, sie bestenfalls zu verinnerlichen. Die entsprechenden Konditionierungen erfolgen regelmäßig über die Erzeugung von Angst, sie sind mehr oder weniger strukturell verfestigt und sollen die Erwachsenen quasi in eine “Kind-Rolle” drängen, so dass in diesem Zusammenhang von einer infantilisierung gesprochen werden kann.

    Soweit die Workfare-Politik unmittelbar auf von staatlichen Transferleistungen abhängigen formal gering qualifizierten Personen zielt, gilt es zunächst deren Persönlichkeit zu destabilisieren, damit sie in die Lage versetzt werden, auch der menschlichen Würde widerstrebende beschäftigungen auszuführen. Das ganze ist verbal unter humanen Gesichtspunkten aufgepeppt.

    Mittelbar sind von dieser Abrichtungs-Maschine sämtliche Menschen betroffen, die sich zumindest bis in die mittlere Mittelschicht bewegen, also der überwiegende Teil der bevölkerung. ihnen ist dadurch unter anderem der drohende soziale Absturz zu verdeutlichen, wenn sie sich nicht den angeblichen Marktbedingungen beugen. Das dürfte aber hinreichend bekannt sein.

    Der Markt, die Marktwirtschaft, lässt sich auf diese Weise als unumstößliches Fatum darstellen und es spielt dann letztendlich keine Rolle, auf welchen noch so niederträchtigen Konstruktionen ein solcher Markt beruht.

    Nun ist eine derartige infantilisierung gewiss nicht dazu geeignet, Kaufkraft und Partizipation der Gesellschaftsmitglieder anzuregen, geschweige denn zu erhöhen. im Gegenteil, die Angst wird - ob bewusst oder unbewusst - zu einem beherrschenden Dauerzustand, der Widerstand gegen soziale Missstände wird ohne Zweifel verringert.

    Doch welche Absicht wird verfolgt, menschliche Wesen heranzubilden, die sich mehr oder weniger einem Fatalismus unterwerfen und letztendlich glauben, die soziale Ordnung sei das Resultat des Schicksals? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Absicht besteht - immer dort wo institutionen zur Angstbildung aufgebaut werden - in der Gefügigmachung von Menschen und der Verlagerung des Konkurrenzdrucks eben auf diese Menschen.

    Doch wie ist diese Entwicklung in angeblich modernen Gesellschaften möglich? Dazu muss wohl in die 1960er/70er Jahre geschaut werden, eine Zeit, in der die Wirkungen des sich wechselseitig ergänzenden Verhältnisses zwischen kontinuierlich steigender Massenkaufkraft und intensivierter Partizipation, institutionell abgesichert durch den Wohlfahrtsstaat, ihre Grenzen in der mangelnden innovationsfähigkeit der Marktwirtschaft fanden. Genauer gesagt, die Marktwirtschaft vermochte es nicht, die zunehmend qualitativen bedarfe der Menschen zu bedienen. Das keineswegs nur in bezug auf Arbeitnehmer- und Konsumentenrechte, sondern ebenso hinsichtlich des organisatorischen und technischen Fortschritts. bereits in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre fanden sich Kritiker, die die technische Entwicklung trotz schon erlangter und eingespeister zukünftiger Erfolge in der Automatisierung und Computerisierung eher mäßig einstuften. insbesondere fehlte es, so die Meinung, an basisinnovationen. Damals schon erschien es fraglich, den zunehmenden und neuen bedarfen der Gesellschaftsmitglieder nachkommen zu können (das kann man sich heute kaum noch vorstellen!). Und hierbei sind die von alternativen bewegungen ausgehenden Schübe durchaus mit einzubeziehen. Es bildeten sich dynamische Prozesse auf demokratischer Grundlage, denen die Marktwirtschaft nicht gewachsen war.

    Um sich diesem insgesamt fortschrittlichen Druck zu entledigen, war es klar, dass die Losung wieder lautete: Die echte Freiheit ist, das tun zu dürfen, was man tun soll. Die Machtsicherung gegen Tendenzen kollektiver und kooperativer Produktionsformen und die Kontrolle über Angebot und Nachfrage galt es dauerhaft zu festigen. Und somit den technischen Fortschritt endgültig an das traditionelle industrieregime auszurichten und damit zu drosseln. So musste der Konkurrenzdruck auf die Arbeitnehmer in stärkerem Maße umgeleitet und verschärft werden, wodurch ebenfalls der Druck auf die klein- und mittelständischen Firmen zunahm. Diese Verschärfungen haben kaum etwas mit der globalen Wettbewerbsfähigkeit zu tun. Die Globalisierung würde sogar, wenn Massenkaufkraft und Partizipation nicht zurückgedrängt worden wären, wesentlich effizienter verlaufen, da ein offener, hybrider Pluralismus die ideen zur Verfügung stellen würde, aus denen sich permanent bedarfsgerechte innovationen generieren ließen ...

    Doch wie gesagt, ich kenne noch nicht das buch von Robert Reich und sicherlich wird er darin anders an die Thematik herangegangen sein. Dennoch möchte ich mich seiner Meinung zur Stärkung der Massenkaufkraft anschließen, die allerdings sozialstaatlich weitreichend gesichert sein sollte. Vielleicht könnte auf diesem Wege die Regression in den Fatalismus beendet werden ...

  • Früher wurden Glaskugeln produziert um in die Zukunft zu sehen. Der König fragte dann das Orakel nach der Lösung seiner Problem. Heute sind Menschen wir Clinton gleichzeitig der Glaskugelhersteller, das Orakel und der König in eins. Pervers.

  • in der Einleitung war Reich Wirtschaftsminister, aber im Artikel war er Arbeitsminister.

  • @[13] Lösungsvorschlag!
    in diesem Sinn, der Herr Thilo Sarrazin wäre sofort verfügbar, da für ihn, wegen Überqualifizierung, die bundesbank keine adäquate Aufgaben mehr hatte.
    Was brüssel betrifft, unser bester Mann, Herr Günther Oettinger, wurde dort doch schon untergebracht.

  • Der Herr Westerwelle hat vorgeschlagen "Deutscher Sachverstande nach brüssel zu schicken“.
    Da brüssel auf das Angebot nicht eingegangen ist, könnte man diesen überschüssigen „deutscher Sachverstand“ den USA anbieten.

  • Alles nichts neues und schon nachzulesen bei MARX (der leider von Systemen missbraucht wurde). Die Konzentration des Kapitals, Mehwerttheorie,...
    Gesetze, also die marktwitschafltichen Rahmenbedingungen: Einkommenssteuer, Patentrechte, Monopolrecht.. müssen geändert werden um eine Dynamik auf den Märkten wieder herzustellen. Es wäre ganz einfach.

  • "Die Us-Wirtschaft kommt und kommt nicht auf die beine" -wer das schreibt hat die Wirtschaftsdaten der letzten 4 Wochen aus USA nicht gelesen.
    Langsam ist es skandaloes, was dieses blatt seinen Lesern an Falschinformation taeglich zumutet.
    Wann wacht der Verleger dieser serioesen Zeitung (jedenfalls bis zum Antritt des neuen Chefredakteurs Steingart)auf!

  • Reich irrt. Die Verteilung von Einkommen und Vermögen ist im Kern immer das Resultat von Marktprozessen und nicht ursächlich für die Krise.

    Märkte und Volkswirtschaften entwickeln sich. Sie reifen. Und eine Kennzeichen der Reifung ist, dass es einen fortlaufenden Konzentrationsprozess gibt. Am besten sieht man das bei der Unternehmenskonzentration. Viele Märkte werden heute nur noch von ein paar sehr großen Konzernen dominiert. Es ist völlig klar, dass auf reifen Märkten und in reifen Volkswirtschaften Wettbewerbsprozesse anders ablaufen und auch entsprechend andere Einkommens- und Vermögensverhältnisse produzieren als in jungen Volkswirtschaften.

    Man denke zum beispiel an die Zeit von Ludwig Erhard im Nachkriegsdeutschland. in dieser Zeit standen die Märkte am beginn ihrer Entwicklung, es fehlte an allem und die Nachfrage war groß. Es waren hervorragende bedingungen für Unternehmertum und das Motto „Wohlstand für alle“ zeigt, wie sich diese Situation im Hinblick auf die Einkommens- und Vermögensverteilung auswirkte.

    Heute haben wir vielfach gesättigte Märkte, mit hoher Unternehmenskonzentration, enormen Kostendruck und hartem Preiswettbewerb. Viele Märkte werden von wenigen großen Konzernen dominiert. Das ist eine völlig andere Situation als in den 50er Jahren und sie ist das Ergebnis einer Entwicklung, die auch den Wettbewerb selbst verändert hat. All dies spiegelt sich heute eben auch in der Einkommens- und Vermögensverteilung wieder.

    Und nur der Vollständigkeit halber: in den USA gab es bis zum Crash von 1907 einen starken Unternehmenskonzentrationsprozess mit starken Monopolisierungstendenzen (Stichwort: Standard Oil – die Gesellschaft wurde deswegen zerschlagen); dieselbe hohe Unternehmenskonzentration gab es auch vor dem Crash von 1929 – auch danach wurde Konzerne in den USA zerschlagen; und jeder weiß, dass wir in den letzten Jahren erneut eine Zuspitzung der Unternehmenskonzentration auf vielen Märkten haben, mit Monopolisierungstendenzen (z. b. intel, Microsoft, Google, bHP billiton etc.).

    Das ist die Ursache für die Krise und für die extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung (siehe dazu : http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/09/kapitalismus-in-der-krise-abschied-von.html).

    Die geringe Kaufkraft ist ebenfalls ein Folge des beschriebenen Entwicklungsprozesses und auch das sieht Reich nicht. Es ist banal, die geringe Kaufkraft als wesentliches Problem zu identifizieren. Aber Reichs Lösungsvorschläge zeigen, dass er das dahinter stehende Problem überhaupt nicht verstanden hat.

    Wer die erkannten Probleme – extreme Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung sowie geringe Kaufkraft – beheben will, der muss dafür sorgen, dass in den USA auf allen Märkten, also z. b. auch im bankensektor, wieder eine dynamisch-innovative Form des Wettbewerbs möglich wird. So weit ich es sehen kann, wird man angesichts des fortgeschrittenen Stadiums auf einigen Märkten nicht mehr umhin kommen, Konzerne zu zerschlagen.

  • Guten Tag,... Professor oder nicht;.... Amerika ist noch lange nicht am Ende. ich glaube eher dass wir in Europa auf dem letzten Loch pfeifen. Gute Nacht.

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