Bundesagentur
Arbeitsmarkterholung dauert bis 2013

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet auch nach dem Wiederanspringen der Konjunktur auf Jahre hinaus mit einer schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Nach Einschätzung der Behörde wird es bis 2013 dauern, bis die Beschäftigungsfolgen der Wirtschaftskrise überwunden seien, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in einem Interview.
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HB NÜRNBERG/MÜNCHEN. "Die Wirtschaft springt zwar vorher wieder an. Wenn aber der Aufschwung kommt, wird erst einmal nicht eingestellt", sagte Weise gegenüber dem "Focus" weiter. Zunächst bauten die Betriebe Puffer ab, mit denen sie ihre Belegschaften gehalten haben. Kurzarbeit werde zurückgefahren, Arbeitszeitkonten würden wieder aufgefüllt. "Deshalb bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt kritisch, selbst wenn der Aufschwung 2010 und 2011 stärker ausfällt als heute erhofft."

Im nächsten Jahr rechnet Weise im Durchschnitt mit 4,1 Mio. Arbeitslosen, 600 000 mehr als in diesem Jahr. "2011 wird die Arbeitslosigkeit dann wohl nicht mehr steigen, aber auch nur ganz langsam zurückgehen." Auch für 2012 gebe es die "düstere Einschätzung", dass es bei rund vier Mio. Erwerbslosen bleiben könnte. Weise warnte davor, die Krise am Arbeitsmarkt schon für überwunden zu halten: "Die Krise ist noch lange nicht vorbei, auch wenn manche so tun. Doch nichts wird wieder so werden wie vorher."

IG Metall setzt 2010 auf Beschäftigungssicherung

Angesichts der vorausgesagten Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt setzt die IG Metall 2010 vor allem auf Beschäftigungssicherung. In diesem Jahr sei die Zahl der Beschäftigten in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bereits um rund 30 000 auf 720 000 zurückgegangen, sagte der bayerische Bezirksleiter Werner Neugebauer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dank Kurzarbeit habe sich der Abbau aber noch in Grenzen gehalten. "Was die Entwicklung der Arbeitsplätze in Bayern betrifft, hatte ich schlimmere Befürchtungen." Im nächsten Jahr sehe es allerdings nicht viel besser aus. "Ich wäre heilfroh, wenn wir die 700 000 halten könnten. Ich fürchte aber, dass das schwer wird."

"Oberste Priorität hat das Thema Beschäftigungssicherung", stellte Neugebauer daher klar. Daher seien mit den Arbeitgebern bereits Ende Dezember Sondierungsgespräche zu diesem Thema geplant. In Ergänzung zur Kurzarbeit wolle die IG Metall vorschlagen, nicht nur wie bisher eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 29 Stunden zu erlauben, sondern auch auf 27 Stunden oder weniger. Die entstehenden Lohneinbußen müssten dann durch Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitgeber zumindest zum Teil ausgeglichen werden.

Dies sei günstiger als die Finanzierung von Arbeitslosigkeit, sagte Neugebauer. "Wenn wir einen Teil der Ausgaben nehmen, um einen Teillohnausgleich über die Bundesanstalt für Arbeit zu finanzieren, hätten wir erstens weniger Arbeitslose, zweitens weniger Ausgaben und hätten drittens etwas für die Leute getan. In einem zeitlich befristeten Rahmen wollen wir diesen Weg gehen. Natürlich werden wir irgendwann den Strich ziehen müssen, aber wir müssen es doch wenigstens versuchen.

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