Bundesagentur
Frühjahrsbelebung auf Arbeitsmarkt fällt aus

„Die Rezession der deutschen Wirtschaft wirkt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus“, so kommentiert der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die aktuellen Arbeitsmarktdaten vom April. Die übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt blieb demnach weitgehend aus.

HB NÜRNBERG/WIESBADEN. Die Zahl der Menschen ohne Job ging im Vergleich zum Vormonat minimal um 1 000 auf 3,585 Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg bekanntgab. Verglichen mit dem Vorjahresmonat ergab sich ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit um 171 000. Die Arbeitslosenquote stagnierte bei 8,6 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 8,1 Prozent gelegen. In ganz Europa haben immer mehr Menschen keine Arbeit: Im März kletterte die Arbeitslosenquote in den 16 Ländern der Eurozone im Vergleich zum Februar erneut nach oben.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sei für einen April ungewöhnlich schwach zurückgegangen, sagte BA-Chef Weise. „Allerdings hat vor allem die starke Nutzung der Kurzarbeit die Beschäftigung und damit den Arbeitsmarkt insgesamt stabilisiert und Schlimmeres verhindert“, betonte er. Ohne Kurzarbeit wäre die Arbeitslosenzahl nach Angaben der BA bereits wieder die Marke von vier Millionen übersprungen. Nach Schätzungen der BA haben im April 1,3 bis 1,5 Millionen Beschäftigte kurzgearbeitet, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Dies entspreche bei einem Arbeitszeitausfall von einem Drittel rund 450 000 Vollzeitarbeitskräften.

Die Nachfrage nach Kurzarbeitergeld sei im April zurückgegangen. Einer vorläufigen Hochrechnung zufolge seien Anzeigen für bis zu 440 000 Beschäftigte eingegangen, sagte Weise. Im März hatten 24 000 Betriebe für 670 400 Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Der Rückgang lasse aber keine Rückschlüsse auf ein nachlassendes Interesse der Arbeitgeber an der Kurzarbeit zu, betonte BA-Vortandsmitglied Becker. Die Nachfrage bleibe auf einem hohen Niveau. Seit Jahresanfang hätten rund 70 000 Betriebe für über zwei Millionen Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Wie viele diese im ersten Quartal auch tatsächlich an Anspruch genommen hätten, werde die Bundesagentur am 28. Mai bekanntgeben.

Saisonbereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen im April nicht ganz so deutlich wie befürchtet. Im vergangenen Monat habe es eine Zunahme von 58 000 auf 3,463 Millionen gegeben. Volkswirte hatten zuvor mit einer Zunahme von 61 200 gerechnet. Im Westen habe die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 52 000 zugenommen, im Osten um 6 000. Die Zahl der offenen Stellen verringerte sich binnen Jahresfrist um 97 000 auf 495 000. Darunter sind 280 000 ungeförderte, sozialversicherungspflichtige Stellen.

Volkswirte werten, ähnlich wie BA-Chef Weise, die Arbeitsmarktdaten als Folge der Rezession: „Der negative Trend hat sich fortgesetzt. Normalerweise haben wir im April eine Frühjahrsbelebung. Diese ist fast komplett ausgefallen – trotz des guten Wetters“, sagt Peter Meister von der BHF-Bank. Insgesamt bremse die Kurzarbeit, sonst hätte es wesentlich schwächere Zahlen gegeben. „Trotzdem werden viele Unternehmen wohl gezwungen sein, Stellen abzubauen, die Kurzarbeit wird hier nur vorübergehend helfen. Der Abbau von Arbeitsplätzen dürfte bis Ende 2010 anhalten“, meint Meister. Volkswirt Peter Leonhardt von der Dekabank betont, Analysten hätten nach den jüngsten Rezessionsszenarien mit einem stärkeren Anziehen der bereinigten Arbeitslosigkeit gerechnet. „Der Anstieg ist jedoch relativ moderat ausgefallen. Um das Horrorszenario von fünf Millionen Arbeitslosen Ende 2010 zu erreichen, müsste also noch einiges Unvorhergesehenes passieren“, sagt Leonhardt. Das Kurzarbeitergeld wertet der Volkswirt als wichtige Hilfe für viele Firmen. „Ob sie das allerdings auch 24 Monate durchhalten – auf diese maximale Dauer soll die Zahlung ja ausgedehnt werden – ist jedoch die Frage“, gibt der Volkswirt zu bedenken.

Im März sank erstmals seit 2006 die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im Vergleich zu einem Vorjahresmonat wieder. Sie ging um 46 000 oder 0,1 Prozent auf 39,89 Millionen zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Zuletzt hatte es im Februar 2006 gegenüber dem Vorjahresmonat einen Rückgang gegeben. Normalerweise nehme die Erwerbstätigenzahl im März wegen der Frühjahrsbelebung zu, erklärten die Statistiker. In den zurückliegenden drei Jahren sei die Erwerbstätigkeit im Vergleich zum Vormonat um durchschnittlich 138 000 Personen gestiegen.

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