Bundesbank-Bericht
Euroländer entwickeln sich beim Export weiter auseinander

Die Ungleichgewichte in der Eurozone nehmen zu. Während Deutschland beim Export kräftig wächst, verlieren die Südländer an Wettbewerbsfähigkeit. Immer mehr Exporte gehen in die Schwellenländer.
  • 5

Deutschland stellt beim Exportwachstum die großen Euro-Partnerländer deutlich in den Schatten. Damit vergrößert sich die Kluft zwischen Deutschland und den anderen drei großen Euro-Ländern Frankreich, Italien und Spanien. "In den vier großen Mitgliedsländern des Euro-Raums (EWU-4) war lediglich die Entwicklung der spanischen Ausfuhren ähnlich dynamisch, während französische und italienische Exporteure erheblich geringere Zuwächse erzielten", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank. Hinzu kommt, dass Spanien vergleichsweise exportschwach ist und deshalb von einem niedrigen Ausgangsniveau wächst. Die Bundesbank-Experten bekräftigten: „Der Wachstumsvorsprung der deutschen Exportwirtschaft war sowohl bei den Waren als auch bei den Dienstleistungen zu beobachten.“

Die Handelsungleichgewichte innerhalb der Eurozone gelten als eine wichtige Ursache für die derzeitige Eurokrise. Die meisten südeuropäischen Länder, darunter Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Portugal weisen hohe Defizite aus. Demgegenüber stehen Überschüsse von Deutschland, den Niederlanden und inzwischen auch Irland.

Ein Grund für die unterschiedliche Entwicklung ist die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Länder. "Der reale Export Deutschlands erhielt von einer Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit Impulse, während sich von dieser Seite für Italien und Spanien ein negativer Effekt ergab," schreibt die Bundesbank

Außerdem habe Deutschland viel stärker vom Wachstum Chinas profitiert als die anderen Euro-Partnerländer. Das Angebot der deutschen Wirtschaft passe besonders gut zum chinesischen Importbedarf. Zwischen 1999 und 2010 wuchs der deutsche Handel mit China im jährlichen Durchschnitt um 20 Prozent - der französische Handel mit China hingegen jährlich im Schnitt um 11,5 Prozent.

Generell exportieren die Euro-Länder immer stärker in Regionen außerhalb ihres Währungsraumes. Etwas mehr als 60 Prozent der deutschen Exporte gehen inzwischen in Länder außerhalb des Währungsraumes. Auch Italien (58 Prozent), Frankreich (52,5 Prozent) und Spanien ( 44,5 Prozent) exportieren immer mehr in die Länder außerhalb des Euroraumes.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundesbank-Bericht: Euroländer entwickeln sich beim Export weiter auseinander "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Abbau der Handelsbilanzdefizite darf nicht durch Senkung des Exportvolumens erfolgen, sondern durch Ausweitung der Importe. Dazu müssen die Defizitländer ebenfalls durch Verbesserung ihre Offerten beitragen. Soweit die Theorie. Praktisch stellt sich aber die Frage nach dem Verbleib unserer Handelsbilanzüberschüsse. Verfügen wir darüber wirklich in Form von Liquidität, oder erfreuen wir uns an Potjemkinschen Dörfern? Ich würde mich freuen, wenn "Handelsblatt" dieses Thema aufgreift, weil dem Einzelnen repräsentativen Daten nicht zugänglich sind.

  • Wieso führen wir das Modell des illegalen Rettungsschirms nicht auch in der Wirtschaft ein?

    Z.B. in der Automobilindustrie!

    Sollte ein Autobauer rote Zahlen schreiben, dann müssen alle anderen Autobauer zwangsweise in einen Autofirmen-Rettungsschirm einzahlen. Der Autofirmen-Rettungsschirm kann dann das Geld weiterleiten oder ggf. Aktien der angeschlagenen Firma kaufen, um den Kurs zu stabilisieren.

    Würde VW den Euro dann immer noch toll finden?

    Daran sieht man deutlich, dass der illegale Rettungsschirm Faulheit und Misswirtschaft belohnt und Leistung und Fleiß bestraft.

    Ein echter Anreiz, sich außerhalb dieser "Eurozone" einen Arbeitsplatz zu suchen.

  • ""Der reale Export Deutschlands erhielt von einer Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit Impulse, während sich von dieser Seite für Italien und Spanien ein negativer Effekt ergab".

    Na ja, sowas nennt man auch kurz "Lohn-, Sozial- und Rentendumping".

    Und genau dies ist die Hauptursache der sich offenbar neuerdings auch im Handelsblatt niederschlagenden Lafontain & Flassbeckschen Erkenntnis aus 1998:

    "Die Handelsungleichgewichte innerhalb der Eurozone gelten als eine wichtige Ursache für die derzeitige Eurokrise".

    Kurzum: Lohn-, Sozial- und Rentendumping in Deutschland und einen fehlende Wirtschafts-, Fiskal - und Sozialunion führen die Eurozone in eine Tranferunion, kurzum die deutschen "Exportsklaven" sind doppelte Lohndumpingverlierer, während die 5%-Elite der deutschen "Exportweltmeister" - sprich Industriellen und in ihrem Schlepptau ihre Hausbanken- und Spekulanten (einschließlich Finanzcasinos) weiterhin Gewinne privatisiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%