Bundesbank-Bericht
Trübe Aussichten für die Konjunktur – vorerst

Im Winterhalbjahr deute sich ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an, prognostiziert die Deutsche Bundesbank. Der Grund: die schwächelnde Industrie. Doch diese Phase wird wohl nicht mehr lange anhalten.
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BerlinDie Bundesbank rechnet im Winter mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland. "Die konjunkturellen Perspektiven haben sich in Deutschland eingetrübt", warnte die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Nach dem Wachstum um 0,2 Prozent im Sommerquartal sei bereits mit einem "spürbaren Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion zum Jahresende hin" zu rechnen. Auch für das gesamte Winterhalbjahr deute sich ein Minus an.

Die gegenwärtige Schwächetendenz gehe hauptsächlich von der Industrie aus. Neben der Eurokrise spiele auch die Abkühlung der globalen Konjunktur eine Rolle: "Es gibt jedoch die begründete Aussicht, dass die wirtschaftliche Schwächephase nicht allzu lange anhalten wird und Deutschland bald wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehrt."

Die Deutsche Bundesbank unterstellt für dieses Szenario, dass die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, der Reformprozess im Euro-Raum Fortschritte macht und größere negative Überraschungen ausbleiben. "Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere am Arbeitsmarkt übersteht."

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr jedoch nur ein Mini-Wachstum von 0,4 Prozent zu, wie sie bereits Anfang Dezember mitteilte. Zugleich erwartet sie keine heraufziehenden Inflationsgefahren. Für dieses Jahr rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 2,1 Prozent, die damit nur knapp über der Stabilitätsmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von annähernd 2,0 Prozent liegen würde. Mit 1,5 Prozent im Jahr 2013 und 1,6 Prozent im Jahr 2014 soll der Preisdruck in den nächsten Jahren sogar deutlich darunter liegen.

Der staatliche Gesamthaushalt wird nach Prognose der Bundesbank im laufenden Jahr erstmals seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 wohl wieder annähernd ausgeglichen abschließen. "Im kommenden Jahr dürfte im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Abschwächung aber erneut ein spürbares Defizit entstehen", warnte die Bundesbank. Konjunkturbereinigt dürfte die Defizitquote 2013 und 2014 mehr oder weniger unverändert bei etwa 0,5 Prozent liegen.

Zwar werde die Zunahme der Nettolöhne und -gehälter in den Jahren 2013 und 2014 wegen einer schwächeren Arbeitsmarktdynamik vermutlich nicht so hoch ausfallen wie im laufenden Jahr. Die Sozialleistungen würden aber vor allem infolge höherer Rentenanpassungen deutlich stärker steigen. "Im Ergebnis erweitert sich der Ausgabenspielraum der privaten Haushalte gemessen am verfügbaren Einkommen in den Jahren 2013 mit 2,5 Prozent und 2014 mit 3 Prozent deutlich stärker als im laufenden Jahr mit zwei Prozent", so die Schätzung der Bundesbank.

 
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Teil III
    Der Baltic-Dry-Index, ein Frühindikator für die Weltwirtschaft, am 28.11.2012 1.104 noch Punkte. Seitdem wieder im freien Fall. Am 14.12.20121 784 Punkte, ein Minus von 29%, innerhalb von 2 Wochen. Im Mai 2008 mit 11.793 Punkten sein Allzeithoch, sieben Monate später, am 05.12.2008 sein Allzeittief mit 746 Punkte.
    In den letzten 4 Jahren hat sich die Weltverschuldung von 62 Bio. auf über 200 Billionen $ erhöht, um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen und um die Bankster zu retten. Doch beides ist gründlich in die Hosen gegangen. Sämtliche Konjunkturstrohfeuerpakete sind wirkungslos verpufft, ohne den gewünschten Erfolg und die Bankster sind immer noch so pleite wie anno 2007. Unsere Exportrechnungen in die Eurozone werden seit ca. 2 Jahren auf Pump finanziert. Die Target2 Forderungen der DBB sind von 0 auf 750 Mrd. explodiert und werden jeden Monat 40 – 50 Mrd. mehr. In 2 Jahren rechen Ökonomen bereits mit 2000 Milliarden Target2 Forderungen der DBB, wo nie wieder ein Cent zurückfließen wird. Mathematisch gesehen verschenken wir unsere Träume auf 4 Räder Made in Germany.
    Nur durch ein zurück zu den Landeswährungen wird in Europa innere Unruhen und einen Bürgerkrieg verhindern, weil sonst immer mehr Bürger arbeitslos werden und auf die Barrikaden gehen.

  • Teil II
    Während die Neuzulassungen der Autohersteller in Großbritannien noch stiegen (+11,3%), fielen sie in allen anderen wichtigen Märkten, so ACEA: Deutschland (-3,5%), Frankreich (-19,2%), Italien (-20.1%) und Spanien (-20,3%). Die Volkswagen AG verbuchte im November beispielsweise einen Rückgang der Verkäufe um 2,5 Prozent. Daimler war mit einem Rückgang der europäischen Verkäufe um 0,7 Prozent konfrontiert, während BMW einen hauchdünnen Zuwachs von 0,4 Prozent melden konnte (unterdessen wird das Opel-Werk in Bochum geschlossen).
    Deutschland macht 25 Prozent des gesamten Autoabsatzes in der EU aus. Ein Rückgang der Nachfrage hier ist in ganz Europa massiv zu spüren. So sank beispielsweise die Lieferungen der Peugeot-Modelle nach Deutschland im vergangenen Monat um 18 und die von Citroen sogar um 28 Prozent.

    Die Geschäftsmodelle der PIIG(F)S, allesamt seit der Euroeinführung auf Pump aufgebaut, haben sich endgültig wie Schnee in der Sonne verflüchtigt. Unsere künftigen Absatzmärkte sind die BRICS, die die Waren Made in Germany nicht nur konsumieren, sonder auch mit Rohstoffen bezahlen können. Schon seit 2 Jahren verschenken wir unsere Exporte in die Eurozone, weil diese unsere Exportrechnungen bei der Deutschen Bundesbank nur noch anschreiben lassen, wie auf einem großen Bierdeckel. Derzeit schon 750 Milliarden Miese, in 2 Jahren gehen Ökonomen bereits von über 2000 Milliarden Miese aus. Und dass jemals irgend wann mal ein Cent zurückgezahlt wird, davon können wir zwar träumen, aber das ist auch alles.
    Nur ein zurück zu den Landeswährungen kann eine weitere massive Arbeitslosigkeit in Europa verhindern. Ebenso die schon längst überfälligen inneren Unruhen, bis zu einem europäischen Bürgerkrieg, um uns von dem Spaltpilz Europas, dem Euro, zu befreien.

  • OECD korrigiert Prognose: Weniger Wachstum und mehr Arbeitslosigkeit
    Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in ihrem aktuellen Bericht ihre Prognose für die Weltwirtschaft korrigiert. Die Vorhersagen für ihre Mitgliedsstaaten wurden stark nach unten korrigiert, außerdem warnt sie vor der Gefahr einer „tiefen Rezession und Deflation, mit zusätzlich stark steigender Arbeitslosigkeit“.
    Die derzeitige Prognose geht von einer weiteren Flaute der Weltwirtschaft aus. Das Potenzial für eine weltweite Rezession ist so hoch wie zu Beginn der Immobilienkrise im Jahr 2007.
    Der Bericht warnt auch davor, dass die Eurozone kollabieren könnte. „Der Euroraum erlebt zurzeit starke Zerfallserscheinungen. Er könnte in Gefahr sein.“
    Diese Wirtschaftsentwicklung geht mit einem immer schärferen Krieg gegen die Arbeiterklasse in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien einher. Der Finanzkollaps von 2008 hat eine weltweite Rezession ausgelöst, und das politische Establishment hat darauf mit massiven Rettungsaktionen für die Banken reagiert.
    Die Regierungen aller Länder haben die faulen Schulden der Finanzelite übernommen, und das hat zu steigender Staatsverschuldung geführt. Seither werden Entlassungen, Lohnsenkungen und Sozialabbau in historischem Ausmaß durchgesetzt. Diese gnadenlose Klassenpolitik verstärkt aber die zugrundeliegende Wirtschaftskrise und schafft die Bedingungen für einen weiteren Finanzkollaps.

    Max Otte, Ökonom und Investor:
    „Gerettet“ haben wir die Gläubiger und die Finanzeliten – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger im Norden UND im Süden. Und dafür haben wir unser Rechts- und Geldsystem zerstört!“ (7.12.2012)

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