Bundesbank-Chef vermisst harte Daten
Welteke bremst Optimisten

Ernst Welteke, Präsident der Bundesbank, hat sich zurückhaltend zu den Perspektiven eines Wirtschaftsaufschwungs in Deutschland geäußert. Welteke sagte der am Donnerstag veröffentlichten Wochenzeitung „Die Zeit“: „Jetzt schon von Aufschwung zu reden, halte ich für voreilig.“ Das Wort wecke höhere Erwartungen als gerechtfertigt seien. Die Wirtschaft könne sich im zweiten Halbjahr 2003 aber besser entwickeln als im ersten.

HB BERLIN. Das EZB-Ratsmitglied sagte, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sei „bis auf weiteres angemessen“. Spekulationen über eine Erhöhung der Zinsen kämen zu früh. Die EZB hat den Leitzins seit der Senkung im Juni auf 2,00 % nicht geändert. Die Währungshüter signalisierten zuletzt, dass vorerst weder mit einer weiteren Zinssenkung noch mit einer Erhöhung zu rechnen ist. Die Notenbank sieht sich durch jüngste Konjunkturdaten in ihrer Erwartung bestätigt, dass die Wirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr allmählich aus ihrer dreijährigen Abschwungphase herausfindet. Die Inflationsrate wird gleichzeitig nach Erwartung der EZB unter zwei Prozent sinken und damit ihrer Definition von Preisstabilität entsprechen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor einem zu starken Preisrückgang und riet der EZB, weiter zu Zinssenkungen bereit zu sein.

Mit der Wirtschaft in den USA gehe es bergauf und mit dem Anstieg der Industrieproduktion im Juli hätten sich auch in Deutschland Verbesserungen gezeigt, sagte der Bundesbankchef. „Aber aus diesen leicht verbesserten Indikatoren möchte ich nicht auf einen breiten Aufschwung schließen. Da möchte ich erst noch ein paar harte Daten sehen.“ Welteke hatte sich am Mittwoch zuversichtlicher über das Tempo der wirtschaftlichen Erholung im kommenden Jahr geäußert als EZB-Präsident Wim Duisenberg und andere EZB-Ratsmitglieder. Der Bundesbankpräsident hält das Erreichen des Potenzialwachstums in der Euro-Zone, das die EZB auf 2,0 bis 2,5 % schätzt, Mitte 2004 für möglich. Duisenberg hatte gesagt, Wachstumsraten in dieser Höhe seien nicht vor Ende nächsten Jahres zu erreichen.

Skeptisch äußerte sich Welteke zu den möglichen wirtschaftlichen Effekten eines Vorziehens der Steuerreform in Deutschland auf 2004. „Das führt doch zu keiner wesentlichen Erhöhung des Wachstums“, sagte der Bundesbankpräsident. In einem TV-Interview hatte er am Vortag die Erwartung der Bundesregierung, das Wachstum durch die Steuersenkung um 0,5 %punkte zu erhöhen, als erreichbar bezeichnet.

Die meisten Volkswirte haben dieses Jahr wirtschaftlich schon abgeschrieben und rechnen in Deutschland bestenfalls mit einer Stagnation. Für das kommenden Jahr prognostiziert die Bundesregierung ein Wachstum von 2,0 %. Die meisten Volkswirte sind jedoch etwas pessimistischer und erwarten - wie auch der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinen jüngsten Prognosen - ein Wachstum von rund 1,5 %.

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