Bundesbank-Chef
Weber hält Zinssignal der EZB für geboten

Bundesbank-Chef Axel Weber wird sich im April wohl mit einer Zinserhöhung aus dem EZB-Rat verabschieden. Zuletzt hatten so gut wie alle Akteure an den Finanzmärkten für den Herbst mit einem solchen Schritt gerechnet.
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Frankfurt„Ich halte die Signalisierung eines Zinsschritts für durchaus geboten“, sagte Weber bei der Jahrespressekonferenz der Bundesbank am Dienstag in Frankfurt. „Die Kollegen haben genau das Richtige entschieden, nämlich dass eine Zinserhöhung perspektivisch notwendig ist.“ Der Bundesbankchef, der Ende April seinen Posten freiwillig räumt, hatte vorige Woche an der jüngsten Zinssitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht teilgenommen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte vergangenen Donnerstag überraschend eine baldige Zinserhöhung in Aussicht gestellt. „Trichet hat genau das Richtige gesagt: es ist möglich, aber es gibt keinen Auto-Piloten“, sagte Weber. Derzeit liegt der Leitzins der EZB für die Euro-Zone bei rekordniedrigen ein Prozent.

Weber sagte, es sei wichtig gewesen, die Erwartungen der Finanzmärkte an das Datum einer Zinserhöhung deutlich nach vorne zu bringen. „Ich sehe keinen Grund, die Erwartungen der Märkte zu korrigieren“, sagte Weber. Zuletzt hatten so gut wie alle Akteure an den Finanzmärkten für den Herbst mit einem solchen Schritt gerechnet. Auf die Frage, ob die Erwartungshaltung korrekt sein, dass bis Ende des Jahres noch zwei weitere Zinsschritte auf dann 1,75 Prozent in der Euro-Zone erfolgen werden, sagte der scheidende Bundesbank-Chef: „Es ist zwar nicht mehr meine Entscheidung, aber ich sehe auch hier keinen Grund, die Erwartung der Märkte zu korrigieren.“

Weber sieht klaren Handlungsbedarf

Trichet hatte gesagt, die EZB halte mittlerweile „große Wachsamkeit“ wegen des deutlich gestiegenen Preisdrucks für nötig. Mit dieser Formulierung hatte Trichet vor der Finanzkrise oftmals eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung angekündigt. Weber sagte, dies sei „das richtige Signal zur richtigen Zeit gewesen“. Auch er erklärte, die Geldpolitik müsse angesichts des wegen der Unruhen in Nordafrika deutlich gestiegenen Ölpreises „wachsam“ sein: „Wenn die Spannungen dort nicht abebben, sehe ich das Potenzial, dass der Ölpreis länger auf dem derzeit hohen Niveau bleiben wird. Das Potenzial ist gegeben, einem solchen Preisdruck gegenzusteuern, und zwar frühzeitig.“ Der von vielen, auch von den Ökonomen der EZB, prognostizierte Rückgang der Teuerung über die nächsten zwei Jahre beruhige ihn nicht. Er sehe klaren „Handlungsbedarf“.

Parallel zur Normalisierung der Zinsen vom extrem niedrigen Krisenniveau müssten auch die Liquiditätsoperationen der EZB wieder zurückgefahren werden. Dabei müsse einerseits für die drei Monate laufenden Refi-Geschäfte mit den Banken und für das wöchentliche Hauptrefinanzierungsgeschäft eine sinnvolle Lösung gefunden werden - mit anderen Worten die Abkehr von der wegen der Schuldenkrise mehrfach verlängerten Rundumversorgung für die Banken. Zudem müsse über das Timing beraten werden, wann der Zinskorridor zwischen dem Zinssatz für die Übernachtausleihe von Zentralbankgeld für Notfälle und dem Einlagesatz, zu dem Banken Geld bei der EZB anlegen können, wieder erweitert werden kann. Die Notenbank hatte den Abstand dieser beiden Zinssätze um den Leitzins wegen der Krise verengt - von einem auf nur noch einen dreiviertel Prozentpunkt nach jeder Seite. Sie hatte damit den Banken eine einfachere Refinanzierung ermöglicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Laut ARD ist die tatsächliche Inflation mit der eine durchschnittliche Familie in Deutschland zu kämpfen hat 5,9% und nicht 2,2 %. Die PIGS versuchen durch Inflation ihre Schulden loszuwerden. Wer zuerst spart, um sich später was zu leisten ist in der Eurozone der Dumme.

    Lange geben ich dieser Fehlkonstruktion "Euro" nicht mehr. Denn in der Eurozone wird Gier und unverantwortlicher Umgang mit Geld belohnt,aber Sparsamkeit und Fleiß werden bestraft.

    Das Länder wie Schweden sich weigern der Eurozone beizutreten, aber Polen möglichst schnell dazukommen will, um beim Aufteilen des deutsches Bärenfells nicht leer auszugehen, zeigt doch wo die Reise hingeht!

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