Bundesbank: Deutsche Wettbewerbsposition neutral
Welteke und Issing öffnen Tür für eine mögliche Zinssenkung

Die Sorgen der Notenbanker im Euroraum über die Konjunkturentwicklung scheinen zuzunehmen. Nachdem Bundesbank-Präsident Ernst Welteke am Freitag gesagt hatte: „Wir können nicht sicher sein, ob es einen ordentlichen Aufschwung gibt“, legte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, am Montag nach. Dem österreichischen Magazin „Profil“ sagte Issing in einem Interview, ohne eine deutliche Erholung des Konsums sei ein anhaltendes kräftiges Wachstum kaum vorstellbar.

noh FRANKFURT/M. Die EZB erwarte, dass die Inlandsnachfrage bald anspringe. „Tritt diese Entwicklung nicht ein, dann haben wir es mit einer neuen Situation zu tun. Wie immer werden wir dann neu analysieren und entsprechend handeln“, deutetete der Chefvolkswirt die Bereitschaft an, notfalls die Leitzinsen zu senken. Auf die Frage, ob es schon Anfang April so weit sein könnte, antwortete Issing ausweichend.

„Issings Bemerkungen sind ein Zeichen, dass die EZB die Zinsen senken würde, wenn der Konsum sich in den nächsten Monaten nicht beleben sollte“, sagte dazu Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Barclays Capital in London. Welteke hatte mit Bezug auf den jüngsten Inflationsrückgang gesagt: „Ich würde nicht unbedingt von Zinssenkungsspielraum reden, die Lage ist aber entspannt.“

Die Wechselkursentwicklung, die Welteke als eines der Hauptrisiken für die Konjunktur in Deutschland identifiziert hatte, hat nach einer Analyse der Bundesbank im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang der Exporte in die USA und nach Asien geführt.

„Im langfristigen Vergleich ist die preisliche Wettbewerbsposition heimischer Unternehmen auch nach der Euro-Aufwertung gegenwärtig als annähernd neutral einzuschätzen“, heißt es allerdings im jüngsten Monatsbericht. Die dämpfenden Impulse würden dadurch abgefedert, dass ein Großteil der deutschen Ausfuhren in den Euroraum geliefert werde. Dort hätten deutsche Anbieter ihre Preis- und Kostenvorteile im vergangenen Jahr weiter ausbauen können.

Außerhalb des Euroraums verlor Deutschland dagegen Marktanteile. Die Exportumsätze in diese Länder stagnierten. Bereinigt um den Effekt sinkender Preise nahmen sie real jedoch um ein Prozent zu.

Quelle: Handelsblatt

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