Bundesbank: Handelsschranken nicht sinnvoll
China zwingt die Welt zum Strukturwandel

Chinas wachsende Bedeutung im Welthandel wird zu schmerzhaften Anpassungsprozessen führen. Auf lange Sicht eröffnet der von China ausgehende Druck jedoch die Chance auf einen wohlfahrtssteigernden Strukturwandel, schreibt die Bundesbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht Juni.

cr HB DÜSSELDORF. Im Streit um Textilexporte haben die USA und die EU gerade mit Quoten und Einfuhrbremsen reagiert. Aber Handelsbeschränkungen sind nach Auffassung der Bundesbank nicht die richtige Antwort auf Chinas wachsende Marktmacht. Denn gerade Exportnationen wie Deutschland ziehen auch Vorteile aus dem Handel mit der Volksrepublik.

Anzeichen, dass sich Chinas wirtschaftliche Dynamik in naher Zukunft ändern könnte, gibt es nach Einschätzung der Investitionsbank Goldman Sachs nicht. Zwischen 8,6 und 9,1 Prozent beziffert sie Chinas Wachstum. Ebenso wie die US-Regierung legt auch die Bundesbank China eine Flexibilisierung des Währungskursregimes nahe. Bislang hat Peking alle Forderungen nach flexibleren Wechselkursen zurückgewiesen.

Der Konflikt mit der EU und den USA um die sprunghaft ansteigenden Textilexporte ist nur ein Indiz für die von der Bundesbank erwarteten Anpassungsprozesse. China stellt bereits 6,5 Prozent des gesamten Welthandels und nimmt damit Rang drei unter den wichtigsten Handelsnationen hinter den USA und Deutschland ein. Allein 2004 stiegen die chinesischen Exporte um 35,5 Prozent, die Importe sogar um 36 Prozent. Den Markterfolg führt die Bundesbank auf die „großen komparativen Vorteile bei arbeitsintensiven Produkten“ zurück. China dürfe aber nicht nur als verlängerte Werkbank der Industrieländer gesehen werden: „Chinesische Unternehmen treten bereits häufig als Anbieter – und Nachfrager – höherwertiger Produkte auf.“

Chinas technischer Fortschritt wird durch ausländische Direktinvestitionen gestärkt. Nach Schätzungen der Uno-Organisation für Handel und Entwicklung (Unctad) hat China im vergangenen Jahr 62 Mrd. Dollar an Direktinvestitionen anziehen können und liegt damit auf Platz zwei hinter den USA.

Für Deutschland ist China ein zunehmend wichtiger Markt. Die Ausfuhren nach China stiegen 2004 um 14 Prozent und haben sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Stütze des Exports sind der Maschinenbau und die Automobilindustrie. Kräftiger noch als die Ausfuhren entwickeln sich die Importe – China ist bereits der sechstwichtigste Anbieter. Den Schwerpunkt bildeten Produkte der Informations- und KommunikationstechnikSeit 1995 verzeichnet Deutschland im Handel mit China ein Defizit, das im Jahr 2004 auf 10 Mrd. Euro angeschwollen ist.

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