Bundesbank-Präsident Weber
Weitere EZB-Zinserhöhungen angedeutet

Bundesbank-Präsident Axel Weber zufolge ist die Europäische Zentralbank (EZB) im kommenden Jahr grundsätzlich zu weiteren Zinserhöhungen bereit.

HB FRANKFURT. Die Zinsen im Euro-Raum seien auch nach der jüngsten Erhöhung noch niedrig und eine Stütze für die Konjunktur, sagte Weber in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Börsen-Zeitung. „Gleichzeitig sehen wir aufwärtsgerichtete Inflationsrisiken“, ergänzte das EZB-Ratsmitglied. Dies erfordere weiterhin ein sehr genaues Beobachten aller Entwicklungen und „gegebenenfalls“ entschlossenes Handeln, um die Inflationserwartungen auf niedrigem Niveau zu verankern.

Die EZB hatte ihren Leitzins im Dezember zum sechsten Mal binnen eines Jahres um 25 Basispunkte auf jetzt 3,5 Prozent angehoben und sich die Möglichkeit für weitere Zinsschritte offen gehalten. Die meisten Experten rechnen im ersten Quartal mit einer Erhöhung auf 3,75 Prozent. Vizekanzler Franz Müntefering warnte die EZB unterdessen vor einer weiteren Zinserhöhung. Die EZB habe mit 3,5 Prozent die obere Grenze erreicht, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Dem Wachstum in Deutschland fehle nach wie vor eine dynamische Entwicklung des privaten Verbrauchs, sagte Weber. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 von 16 Prozent im Januar dämpfe das Wachstum, da sie den Verbrauchern Kaufkraft entziehe. „Sie wird uns etwa dreiviertel Prozentpunkte des Wachstums im kommenden Jahr kosten“, sagte er. Die Konjunktur werde zwar einen Dämpfer bekommen, aber nicht abbrechen. Für das kommende Jahr sei deshalb ein Wachstum von etwas über 1,5 Prozent zu erwarten, „und in 2008 nochmals etwas mehr“.

Kräftige Lohnerhöhungen wären dem Bundesbank-Chef zufolge nicht die richtige Antwort auf die Mehrwertsteuererhöhung. Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen erhöht und zur Entstehung von Arbeitsplätzen beigetragen. Dieses Erfolgsrezept dürfe jetzt nicht aufgegeben werden. „Deutlich mehr Menschen in Arbeit zu bringen fördert den Massenkonsum stärker als deutliche Steigerungen der Einkommen der Beschäftigten.“ Für die Notenbank sei außerdem entscheidend, ob die Lohnentwicklung die Preisstabilität gefährde, indem sie Zweitrundeneffekte - also einen übermäßigen Preisanstieg in Folge starker Lohnzuwächse - auslöse. „Dem würden wir frühzeitig und sehr entschlossen entgegentreten.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%