Konjunktur
Bundesbank sieht keine Wachstumsunterschiede in Eurozone

dpa-afx FRANKFURT. Die Unterschiede beim Wirtschaftswachstum zwischen den Mitgliedsstaaten der Eurozone sind nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank auf längere Sicht annähernd gleich geblieben. Sie hätten sich auf jeden Fall nicht verstärkt, heißt es im am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. So habe die gewichtete Standardabweichung der durchschnittlichen Wachstumsraten für die Jahre 1999 bis 2004 mit 0,9 Prozentpunkten auf dem gleichen Niveau wie im Zeitraum 1994 bis 1998 gelegen. Die Spannweite zwischen Wachstumsvorreitern und den Schlusslichtern sei zurückgegangen, wenn auch nur leicht.

Seit Herbst 2004 sei eine breitere Streuung der Quartalsraten des realen BIP-Wachstums im Euro-Raum zu beobachten, schreibt die Bundesbank. So habe im ersten Quartal das Wirtschaftswachstum in Spanien bei 0,9 Prozent gelegen und in Italien bei minus 0,5 Prozent. Die stärkere Streuung im ersten Quartal beruhe jedoch auf Sonderfaktoren und sollte nicht überinterpretiert werden. Nach den Daten des ersten Quartals war in verschiedenen Ländern der Eurozone eine Diskussion über die Zukunft der Währungsunion ausgebrochen. In Italien wurde sogar über einen Austritt der Währungsunion diskutiert.

Für die Unzufriedenheit mir der wirtschaftlichen Entwicklung im Euro-Raum ist laut Bundesbank die allgemein geringe Konjunkturdynamik verantwortlich. Diese sei besonders in den großen Ländern ausgeprägt. Die Wachstumsdifferenzen würden offensichtlich als besonders gravierend empfunden, da die schwächeren Länder in eine rezessive Entwicklung abzudriften drohten. Hätten sich die Wachstumsraten in der Eurozone zwischen zwei und drei Prozent bewegt und nicht zwischen ein und zwei Prozent wäre es laut Bundesbank nicht zu dieser Diskussion gekommen.

Im Vergleich zu den USA seien die Wachstumsunterschiede in der Eurozone "keineswegs außergewöhnlich". So habe die gewichtete Standardabweichung der Wachstumsraten der US-Bundesstaaten im Zeitraum 1999 bis 2004 mit 1,3 und 1994 bis 1998 mit 1,1 Prozentpunkten sogar etwas höher als im Euro-Raum gelegen.

Die Reaktion am Arbeitsmarkt sei jedoch eine deutlich andere, schreibt die Bundesbank. In den USA lösen markante Wcachstumsunterschiede zwischen Bundesstaaten rasche und umfangreiche Wanderungsbewegungen aus, die aus wirtschaftspolitischer Sicht durchweg positive Folgen haben. So werde der Lohndruck in den prosperierenden Regionen vermindert, und zum anderen die Arbeitsmärkte in den "nachhinkenden" Staaten entlastet. Die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten würden somit nicht in gleicher Weise am Arbeitsmarkt sichtbar. Im Euro-Raum seien diese Wanderungsbewegungen jedoch wenig ausgeprägt. Daher schlügen die Wachstumsunterschiede im Euro-Raum stärker auf die nationalen Arbeitsmärkte durch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%