Bundesbank
Trichet-Nachfolge: Weber steht im Abseits

Wer geglaubt hatte, dass über die Fehde im Bundesbank-Vorstand schnell Gras wachsen würde, hat sich getäuscht. Die Empörung über den Machtkampf im Führungsgremium der einst ehrwürdigen deutschen Währungsbehörde zwischen Bundesbankpräsident Axel Weber und Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin will sich nicht legen.
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FRANKFURT. Das zeigte sich heute wieder bei einer Veranstaltung des "Institute for Monetary and Financial Stability" zur Finanzmarktkrise, die am Mittag in Frankfurt zu Ende ging. "Wie soll das nur weiter gehen", wird immer wieder gefragt.

Besonders schrill müssen dem Bundesbankpräsidenten die Ohren am Mittwochabend geklungen haben. Denn bei dem offiziellen Empfang, den die Europäische Zentralbank (EZB) zum Auftakt ihrer rumänischen Kulturtage gab, war Weber das Thema Nummer eins. Spätestens beim dritten Satz nach der Begrüßung erkundigten sich das Gegenüber nach der Bundesbank.

Dabei gab es in der "Sarrazin-Affaire" gar nichts Neues. Denn die Pressestelle der Bundesbank hatte schon am Montag die Luken dicht gemacht. Man werde sich zu dem Thema nicht mehr äußern, teilten die Mitarbeiter unisono mit. Und da die an dem Drama beteiligten Personen nur Weber, Sarrazin und Bundesbank-Kommunikationschef Benedikt Fehr waren, hätten weitere Recherchen sowieso wenig gebracht. Laut Presseberichten stellten die Beteiligten Inhalte und Abfolgen unterschiedlich dar. Es ist nach wie vor offen, wie es denn nun in Wahrheit gewesen ist.

Es war auch nicht Sarrazin, der bei dem Empfang der Währungshüter die Gemüter erhitzte. Alles konzentrierte sich nur noch auf Weber. Egal ob aus dem Umfeld der EZB oder den nationalen Zentralbanken - das Urteil war vernichtend. Weber habe sich provozieren lassen, so die Anklage. Das hätte einem Bundesbankpräsidenten niemals passieren dürfen. Damit habe er sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert.

Dahinter gleich das leicht mitleidvolle Verständnis, das gerne durchbricht, wenn Jemand schon gestrauchelt ist: Das Ganze sei ja auch nicht weiter verwunderlich. Es mangele Weber eben an Erfahrung. Er sei zwar ein tüchtiger Geldpolitiker, aber das reiche eben nicht. Im Umgang mit einer so großen Organisation wie der Bundesbank, geschweige denn in Sachen Menschenführung habe er bei seinem plötzlichen Wechsel an die Bundesbankspitze im Frühjahr 2004 ja auch keine Erfahrung mitgebracht. Als Professor an der Universität Köln hatte er ein Seminar mit einer Hand voll Assistenten geleitet.

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